Buon natale e buon anno 2011!

Buon natale e … buona fortuna!

[21.12.2010]

Normalerweise gibt es ja nichts schöneres als im Bett zu liegen und leisen oder lauteren Regentropfen zu lauschen. Als ich in der Grundschule war, gab es in meiner Fibel ein Gedicht, das nur von Regentropfen, die tropfen handelte… Und jetzt?! Regnet es in mein Wohnzimmer. Der Charme ist dadurch definitiv verringert! Man schläft übrigens auch gar nicht mehr gut, wenn wieder einmal römische sintflutartige Regenschauer niedergehen. Zur Beruhigung empfehlen sich regelmäßige nächtliche Kontrollgänge. Hat aber den Nachteil, dass man dann gar nicht mehr schläft…

Wasserschaden – braucht jeder!

Tatsächlich, seit mehr als drei Wochen regnet es also durch das Flachdach meines Palazzo. Erzählt man Italienern, dass mitten im Wohnzimmer eine feuchte Stelle von ca. 2qm zu bewundern ist, von der alle paar Augenblicke dicke Tropfen herabfallen, dann zucken viele nur mit den Schultern. Ja und?! Selbst Schimmel löst keine aufgeregtere Reaktion aus. Ja und? Gibts doch überall. Wer hat eigentlich keinen Wasserschaden? Dass es dann aber doch in den eigenen vier Wänden nicht ganz so locker genommen wird, zeigt in erstaunlicher Vielfalt das Expertenregal im stadtrömischen Baumarkt: Anti-Muffa in gelb, weiß, rot, grün, schwarz gegen Schimmel in gelb, weiß, rot, grün oder schwarz und mit oder ohne Pelz. Dann natürlich noch Anti-Muffa-Forte und und und… Lautmalerisch dürfte es leicht sein, Italienisch zu lernen. Alles in allem bestand mein diesjähriger Advent vor allem darin, meinen Vermieterinnen klar zu machen, dass dringend etwas unternommen werden müsse. Ein erster „idraulico“ sah sich mit besorgtem Gesicht den nass durchtränkten Beton des Daches an, um fachmännisch zu bemerken, dass es a) sehr ernst sei, man aber b) nichts unternehmen könne, bevor es nicht absolut trocken sei. Ein Mann, ein Wort – er ging. Diese Expertise war leider dann das Statement, auf das sich die Vermieter verließen. Sì, ma certo, è orribile, ma… [an dieser Stelle dann theatralisches Achselzucken & rhetorische Pause] … wir können ja nix machen, weil es erst trocknen muss! Der Einwand, das könne gegebenenfalls bis Mai oder Juni dauern, bis ‚mal eine dreiwöchige Regenpause eintrete, wurde allen Ernstes mit dem Hinweis „volontà di dio!“ zur Seite gewischt. Der Regen sei ja nunmal Gottes Wille, was könne man da tun?!

Landregen im Sommer kann soo schön sein. Starker Sintflutregen im November/Dezember ist es gar nicht mehr…

In Italien ist es übrigens durchaus üblich, sich bei solchen Querelen an den Makler zu wenden. Tatsächlich: egal wie lange der Abschluss des Mietvertrages zurück liegt, das Maklerbüro kümmert sich darum, dass größere Probleme in den Griff gekriegt werden. Zumindest mit einer provisorischen Lösung traue ich mich jetzt also für einige Tage nach Deutschland zu fahren, um dort Weihnachten zu feiern: vom Dach, das mehr schon einem Schwimmbad glich, wurde 1 1/2 Stunden lang Wasser abgepumpt und falls es doch noch hineinregnen sollte, wurden sicherheitshalber in meiner Wohnung SÄGESPÄNE verteilt… Auch das ist also Winter in Rom! Damit die Sägespäne nicht so orientierungslos herumliegen, habe ich sie jetzt mit kleinen Kamelen zu einer Wüstenlandschaft umdefiniert. Spaß muss sein.
Übrigens bin ich da nicht allein… Bei einem Kollegen platzte vorige Woche in Abwesenheit der Familie ein Wasserrohr in der Wand, woraufhin die Nachbarn über den Balkon kletterten und eine Glasscheibe einschlugen, um das Wasser zu stoppen. Nach wie vor haben sie ein Loch in der Scheibe und die Heizung ist solange abgestellt, bis das Rohr geflickt worden ist. Voraussichtlich wird das vor Weihnachten nicht mehr möglich sein. Andere Kollegen haben in der Küche einen so großen schimmelnden Wasserfleck an der Wand, dass ich ihnen vorgeschlagen habe, dem neuen Mitbewohner doch einen Namen zu geben. Wir haben uns auf Vincenzo geeinigt…

Weihnachtsdekoration 2.0

Trotzdem ist Rom an sich im Dezember ganz wunderbar. Man muss lediglich die Haupteinkaufsstraßen meiden. Dann ist es unvermutet ruhig, sobald für kurze Zeit die Sonne scheint, sogar mild und gleichzeitig gibt es ein fantastisch schönes Licht. Es blinkt und glitzert vielleicht ein bisschen viel, aber umso dankbarer ist das ungeübte Auge dann für weiße, nicht blinkende Lichterketten! Nur eines ist wichtig: bloß keine echte Tanne! Das wäre Qualitätsmangel… was soll man schließlich mit einem Adventskranz oder einem Weihnachtsbaum, den man im nächsten Jahr nicht einfach wieder aus der Abstellkammer holen und erneut verwenden kann? Unvorstellbar! Ob ich im nächsten Jahr wohl hier feiern werde? Morgen geht es nun aber erstmal zurück nach Deutschland. Und nur am Rande: der neue Portiere ist immer noch da! Er heißt Miguel, ist seit zehn Jahren in Rom und kommt eigentlich aus Südamerika. Allerdings spricht er in meinen Ohren so gut Italienisch, dass ich ihn für einen Italiener gehalten habe… Meine Vermieter und meine Nachbarn nennen ihn eh Michele. Integrationsmedium Vorname: Miguel – Michele – Michael! Das Wichtigste: er bleibt noch ein Weilchen! Dieser Umstand spricht dafür, doch noch nicht nach neuen Wohnungsanzeigen zu gucken. Vielleicht wird das Dach ja doch noch abgedichtet und Sägespäne kann man schließlich zusammenfegen und wegwerfen.

Buon natale e un buon anno 2011… zumindest in Rom kann es zur Zeit eigentlich nur besser werden!

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