Handwerken & Netzwerken

Aller guten Dinge sind drei [02.08.2011]

(1) Trotz beharrlicher Bemühungen mit unserem einen exemplarischen DHI-Studenten nuuur noch im Tante-Emma-Laden an der Ponte Milvio einkaufen zu gehen, ließ sich kein zweites Treffen mit Bud Spencer einrichten. Dabei wäre es schwer verdient. Der kleine Laden liegt nämlich nicht ansatzweise um die Ecke… Dafür habe ich beeindruckt zur Kenntnis genommen, welch weite Kreise unsere Episode seit Mai gezogen haben. Denn auf was sollte der kurzfristige Bud Spencer Hype sonst zurückzuführen sein? Allora: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/527977

(2) Mein Dach wird repariert! Seit November 2010 hatte es so sehr ins Wohnzimmer geregnet, dass wahlweise die Anlage eines Feuchtbiotops zur Debatte stand oder nach dem Ausstreuen von Sägespänen im Wohnzimmer das Aussetzen von possierlichen Kaninchen zum Ensemble gepasst hätte. JETZT also wird das Dach repariert. Bevorzugt von 6.45Uhr bis 9:15Uhr.
Dann schweigen die Bohrmaschinen und ich habe das System zu durchschauen begonnen: man(n) sitzt dann oben auf dem Dach, lässt von der nächstgelegenen Bar „Gaby“ Cappucci für alle bringen und schmeißt ab und zu mit viel Krach und Schmackes einen Hammer oder ähnliches Werkzeug nach unten.
Das wirkt dann so, als ob gearbeitet wird. Hart gearbeitet. Die Dacharbeiten auf den umliegenden Häusern funktionieren nach gleichem Prinzip. Wenn man für ein verlängertes Wochenende nach Deutschland fährt, kann es auch sein, dass die Handwerker über das Balkongeländer auf die Terrasse klettern und die Dachrinnen abmontieren. Nicht ohne vorher die alte metallene verrostete Regenrinne in kleine Scheibchen zu flexen, so dass mein Strandkorb mit mikroskopisch kleinen, aber spürbaren Metallspänen bestäubt ist. Grazie tante… Immerhin nehmen die Ausbesserungsarbeiten Form an. Bis Allerheiligen dürfte es gemacht sein!
(3) Der Umzug in das neue Büro ist ebenfalls so gut wie abgeschlossen! Sagen wir so: innerlich ist der Umzug vollzogen. De facto suche ich äußerlich immer noch verzweifelt meine Stifte in den Schubladen, die nicht mehr da sind, meine Notizzettel in der Ablage des Historikertrakts und meinen Garderobenhaken, den es schlicht nicht mehr gibt. Ganz abgesehen davon bin ich nicht die einzige, die keine Bücher mehr findet, weil beim Umzug die Ordnung meiner Regalborde durcheinandergeraten ist. Trotzdem gelingt es mir, morgens nicht mehr das falsche Treppenhaus hinaufzulaufen. Die Türschilder sind allerdings nach wie vor nicht ausgetauscht und der einzige Besucher, auf den ich vor einigen Wochen ‚mal wirklich gewartet habe, stand zwei Mal vor der falschen Tür.
Ansonsten aber alles in Ordnung. Das Büro ist ruhiger als das vorherige und groß genug. Drei mehrbändige Lexika gehören zur Grundausstattung… Noch funktioniert es außerdem, dass Kollegen aus der Historischen Abteilung den weiten Weg auf sich nehmen, um mich in der Peripherie zu besuchen. Solange meine Sant’Eustacchio-Dose noch mit Rest-caffè gefüllt ist und noch bei den Historikern steht, habe ich außerdem einen Grund, um ab und zu in meine vertraute Küche zu spazieren. Was will man mehr für die Übergangszeit!? Wandschmuck habe ich für das neue Büro ebenfalls schon bekommen! Ritterschlag!
Finalmente darf ich bekannt geben: ich bin angekommen! Rom ist jetzt „zu Hause“! Was gehört dazu? Nun, in einer Woche gleich zwei Mal nicht ins Bett gekommen zu sein und stattdessen am Tiberufer gewartet zu haben, bis die Sonne aufgeht, um dann völlig ergebnislos um 6 Uhr früh eine Bar zu finden, in der es caffè gibt. DAS gehört definitiv dazu! Es gehört aber auch dazu, nach einem Wochenende in Deutschland am Flughafen zu stehen, über die neuen Bushaltestellen zu fluchen und aus Prinzip mit dem Überlandbus via Fregene nach Rom zu fahren. Außerdem der Ritterschlag: ich war bei Italienern zum Essen eingeladen. Und das ist nicht sooo selbstverständlich wie es Kinofilme der Sorte „Italien der deutschen Lieblingsland“ suggerieren… Nein, es gibt nicht täglich überbordende Bankette mit Wildschweinen, typisch römischen Innereien und dreiundzwanzig Pastagerichten mit einer schmatzenden lachenden Großfamilie.
Vielmehr ist es überhaupt so, dass Italiener sich viel eher verabreden, um gemeinsam Essen zu gehen, als zu sich nach Hause einzuladen. Heute Abend allerdings: Premiere! Wenngleich auch „nur“ bei meinen Nachbarn… Ok, ich gebe zu, dass Chiara und Andrea vielleicht nicht sooo typisch sind, weil sie 30 Jahre in London gelebt haben. Aber in dem Moment, wo man bei ihnen am Tisch sitzt, schrumpfen die 30 Jahre auf ein Nichts zusammen!
Vero italiano! Gegen 11 Uhr erhielt ich folgende sms: „Ciao Britta volevo telephonare ma non ti voglio disturbare x chiederti se vieni a cena da noi questa sera. Solo noi io tu e andrea. X“ Großartig! Vor allem, wenn es eine völlig unbekannte Handynummer ist. Vor allem, wenn der einzige Andrea, den man kennt, ein Archivar ist, der nun wirklich keinen Zugang zu meiner privaten Handynummer hat. Und dann ist die Nachricht nichtmal mit den Initialen, geschweige denn einem Namen versehen. Nach vorsichtig fragendem „Wer schreibt da?!“ stellte sich heraus: Chiara, meine Nachbarin, deren Ehemann Andrea heißt! Ok. Essen um 20 Uhr!

Da der Weg ja nun nicht eben weit ist und sich mit exakt 3 normalgroßen Schritten beschreiben lässt, war ich mit dem Glockenschlag um 20 Uhr an der Wohnungstür. Chiara in Küchenschütze mit lachendem „Andrea, ich hab dir doch gesagt, sie ist deutsch!!!!!“ war noch nicht ansatzweise mit dem Essen fertig, parkte mich mit dem werten Herrn Hoteldirektor auf dem gestreiften Sofa im Wohnzimmer und verkrümelte sich wieder in die Küche.
Meine Nachbarin ist eine Berühmtheit: die schlechteste Köchin südlich der Alpen! Dummerweise nur nach eigener Auskunft! Denn Reis mit Spinat als „primo“ war hervorragend. Passend zum „secondo“ verkrümelte sich dieses Mal Andrea in die Küche und briet uns die besten Steaks, die ich seit langem gegessen habe. Dazu gab es Spinat und Zitrone. Bereits bereitgestellt für danach: Salat und Tomaten.
Alles mit Gläsern, die unschwer als ehemalige Senfgläser zu erkennen waren. Solche, die wohl auch jede deutsche Familie mit Kindern im Küchenschrank hat: Biene Maja oder sonstwas für Bilder drauf… Jeder hofft, sie fallen ‚mal herunter, aber genau diese Art Gläser geht nie kaputt. Das gleiche auch bei meinen Nachbarn: etwas verlegen wurde eingeräumt, dass eigentlich so gut wie alle vorzeigbaren Gläser heruntergefallen seien. Rotwein – der gute – aus Senfgläsern mit Muster. Va be’…
Anschließend noch Cocomero – Wassermelone – und bei all dem italienische Konversation über die Wirtschaftskrise, Vorteile des Stadtteils Kingston in London und Urlaubspläne. ICH KONNTE DIE GESAMTE UNTERHALTUNG NICHT NUR VERSTEHEN, SONDERN AUCH AUF ITALIENISCH FÜHREN! Normalerweise fällt mein Nachbar nämlich immer schnell ins Englische, wenn er mich sieht. An diesem Abend blieben wir bei Italienisch und ich bin immer noch ganz glücklich und selig, dass auch die Alltagskommunikation immer besser wird. Mir fehlen zwar manchmal die Vokabeln, aber mich zu verständigen, funktioniert einwandfrei.
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s