Nationale Feiertage

Nationale Feiertage [03.10.2011]

Nichts ist schöner, als wenn ich mit meinem deutschen Arbeitsvertrag am 3. Oktober einen Feiertag habe und für die italienischen Römer ist es ein ganz normaler Montag. Es zieht mich allerdings nicht zum Einkaufen in die Stadt, ich brauche dringend ‚mal einen ruhigen Tag zu Hause. Lektüre im Strandkorb, Wäsche waschen, Geschirr einräumen, Blumen und Pflanzen zurückschneiden…

Die Italiener haben ein paar „nationale“ Feiertage zur Auswahl… Im Frühjahr wurden 150 Jahre „Italia“ am Tag der Republik gefeiert… – obwohl ich in Venedig gewesen bin und dort viele venezianische Fahnen erwartet hatte, gab es ausschließlich Tricolore! Je größer desto besser: in engen Kanälen hatten ganz besonders Findige drei Bettlaken in grün – weiß – rot mit Hilfe der Wäscheschnur zwischen zwei Häusern in die Mitte des Kanals gezogen. DAS war bei weitem die beste Flagge! In Rom gibt es dann Anfang Juni „St. Peter und Paul“ – das kommt auch einem städtischen Feiertag wie einem nationalem gleich… Und dann über allem: ferragosto! Mariä Himmelfahrt, ein Tag, an dem ich schon in Bayern grundsätzlich immer nichts im Kühlschrank habe und ganz unbedarft einkaufen gehen will! Hier in Rom, um eben nicht zu sagen in  g a n z  Italien, kommt eigentlich an den 15. August nichts heran. Traditionell legen die italienischen Familien ihren Urlaub um ferragosto herum.

Im August in Rom zu bleiben, ist zwar etwas schwierig, wenn man wie ich keinerlei Klimaanlage in der Wohnung hat. Aber es lässt sich aushalten und man wird reichlich entschädigt mit einer unvorstellbaren Ruhe! Morgens auf dem Weg ins Büro ohne links und rechts gucken zu müssen über die autoleere Gregorio VII. zu gehen, ist ein Erlebnis, das eben nur der August bietet. Touristen bleiben allgegenwärtig, konzentrieren sich aber auf das Stadtzentrum. Die Römer selbst sind hingegen am Strand!

Wo auch immer… Calabria, Puglia, Sicilia, Sardegna – diejenigen, die sich nicht viel Urlaub leisten können, fahren oft nicht besonders weit weg. Trotzdem ist es selbst in Ostia Lido recht leer und angenehm. Ostia ist der Strand, der wirklich nicht besonders schön ist, Teerflecken sind keine Seltenheit, dunkler Sand… Aber von Rom aus ist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln eben einfach und schnell dort. Ich fühle mich in Ostia allerdings im Winter und Frühjahr am wohlsten, wenn man eben  n i c h t  schwimmen kann.

Der 15. August ist nicht eigentlich ein römisch-katholischer Feiertag, es war schon in der Antike ein fest gesetzter Urlaubstag am heißesten Tag des Jahres. Die Bezeichnung leitet sich von „feriae Augusti“ ab, denn Kaiser Augustus legte fest, dass am 15. August nicht nur die freien Römer, sondern auch die Sklaven frei haben sollten. Vielleicht hat schon damals ein wahrer Strom in die kühleren Berge oder ans Meer eingesetzt. Zusammen mit ein paar Kollegen habe ich dieses Jahr ein Kontrastprogramm gemacht: wir blieben bewusst in der Stadt und haben am Monte Mario bei bestem Blick auf die Stadt ein spätnachmittägliches Picknick angesetzt.

Da ich erst am 14. aus Wien zurückgekommen bin, konnte ich nicht mehr einkaufen, habe aber wenigstens einen Kuchen oder eine Melone vom Cocomero-Straßenstand beisteuern. Aber selbst die hatten geschlossen… Was für ein Glück, dass die anderen vorgesorgt hatten.

Das Phänomen, dass Mitte August die heißesten Tage des Sommers sind, stimmt nach wie vor. Eigentlich ist es zugleich der Wendepunkt zum Herbst und es wird anschließend kühler. Dieses Jahr klappt es allerdings nicht so recht. Auch jetzt sind es beinah täglich noch 30 Grad. Immerhin besser als im August… Man kann sich ja kaum bewegen, geschweige denn gut arbeiten oder nachts erholsam schlafen, wenn es noch heißer ist! Da ich bislang noch nicht im Urlaub gewesen bin, kann ich mich jetzt auch noch auf ein weiteres Phänomen vorbereiten: offensichtlich bringt man sich in Italien etwas mit… Ich schreibe ja für mein Leben gern Postkarten, aber das scheint nicht zu zählen. Mein Portiere Miguel schickte mir aus Zaragoza nicht nur eine Ansichtskarte, sondern brachte mir auch einen kleinen Porzellanteller mit. Meine Kollegin Kerstin erzählte, dass ihre Nachbarin ebenfalls von jeder Reise ein Mitbringsel für „la tedesca“ parat habe. Hm. Sollte ich im November/Dezember also Urlaub machen, dann muss ich dran denken, meinen Nachbarn etwas mitzubringen! Knoten ins Taschentuch!!!

Der deutsche Feiertag wird hingegen nicht wirklich wahrgenommen… Ich hatte heute früh einen Termin für eine Führung durch eine kleine Ausstellung vereinbart, die im Komplex des Malteserordens auf dem Aventin ausgestellt ist. Man frage nicht nach Zweck und Absicht: die Ausstellung wird nur 3 Tage zu sehen sein und ohne Anmeldung kommt man in das Gebäude auch gar nicht herein… Aber umso schöner, wenn es klappt und man vom Fenster aus den Touristen zuwinken kann, die anstehen, um einen Blick durch das berühmte Schlüsselloch zu werfen, durch das man die Kuppel von St. Peter erkennen kann. Darauf angesprochen, warum ich vormittags Zeit habe, fiel natürlich der deutsche Feiertag: 3 ottobre! „Ah, 1848?“ – „No…“ – „Ah, 1871?“ „No, l’unità 1990!“ – schien nicht so recht zu zählen…

Aber sollte ich in meiner römischen Zeit noch heiraten, wäre der Garten des Malteserordens jedenfalls ein reizvoller Ort für einen Empfang am frühen Abend!

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