Italienische Weihnachtsbäume und -bräuche

Neujahr ist vorbei. Buon anno a tutti! Aber die meisten Straßen sind nach wie vor festlich geschmückt. Allem voran sind die Weihnachtsbäume nach wie vor im Stadtbild präsent – auch hier in Rom. Direkt neben der Krippe am Obelisken steht auf dem Petersplatz eine große Fichte.

Wie in Deutschland bleiben die Weihnachtsbäume in den meisten Familien mindestens bis zum Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar stehen. Sofern sie nicht zu sehr nadeln, ist es einigen Bäumen sogar vergönnt bis Lichtmess stehen zu bleiben. Dem Tag, an dem bis ins 19. Jahrhundert hinein das Gesinde – Dienstboten wie Knechte und Mägde – ihr Dienstjahr begannen: der 2. Februar! Baum weg und an die Arbeit… Mitunter wünscht man sich in Rom den ein oder anderen Baum allerdings wirklich schon frühzeitig aus den Augen und aus dem Sinn.

Die deutsche Tradition des Weihnachtsbaums hat seit dem 19. Jahrhundert in der ganzen Welt Verbreitung gefunden. Oft liest man noch, dass in Italien einzig und allein die Krippe – il presepio – im Vordergrund steht. Das ist so allerdings nicht ganz richtig.

Natürlich wird in den meisten italienischen und auch deutsch-italienischen Familien bereits am 8. Dezember die Krippe aufgebaut und das Jesuskind dann am Heiligen Abend hineingelegt. Aber es steht schon auch ein Weihnachtsbaum daneben. Interessant ist jedoch, was für Varianten aus Fichte, Tanne, Douglasie oder Hartplastik zum Einsatz kommen. Man halte einmal die Augen offen: Nur wenig „Tannenbäume“ werden dieser allround-Bezeichnung in Rom wirklich gerecht. Natürlich, in der Mitte des Petersplatzes steht üblicherweise ein veritabler Nadelbaum. Vor drei Jahren war es der bislang größte mit 33m Höhe, 9t schwer und über 100 Jahre alt. Der jetzige Baum wirkt neben dem großen Obelisken dagegen vergleichsweise klein. Er macht aber doch zumindest im Dunkeln mit seinen geradlinig angebrachten weißen und grünen Lichterketten „bella figura“. Anders sieht es da im modernen römischen Statdzentrum aus.

Auf der Piazza Venezia, dem Verkehrsknotenpunkt vor dem Vittoriano, stand zu Beginn der Adventszeit ebenfalls eine große gerade gewachsene Fichte. Sobald es dämmerte entpuppte sie sich jedoch als grünbläulich schillernde Ungetüm mit runden Leuchtplaketten. Zwar ist die Blickachse der alten Via Lata direkt gegenüber bis hinunter zur Piazza del Popolo auch nicht viel stimmungsvoller in ein grün-weiß-rotes Lichtermeer getaucht ist, das mit den Farben der italienischen Flagge an das Jubiläum „150 Jahre Republik“ gedenkt. Ein kilometerlanges politisches Manifest! Der raketenähnliche, kaltblau schimmernde Weihnachtsbaum, um den der gesamte Verkehr der Metropole tost, scheint aber so gar keine Gnade vor der stadtrömischen Bevölkerung gefunden zu haben. Knapp zwei Wochen später wurden die Lichterketten ausgetauscht und eine mildere Version des gleichen Baums umrahmt nun eine leuchtende Krippenlandschaft auf der Verkehrsinsel. Soviel zu Volkes Wunsch und Wille. 

Was in italienischen Familien hingegen oft als Weihnachtsbaum dekoriert wird, sind alljährlich abzustaubende Plastikbäumchen. Nachhaltigkeit? Nein, wohl eher Sparsamkeit als ökologisches Bewusstsein. Dazu blinkende 2.812 elektrische Kerzen „Adeste Fideles“ in den grellstmöglichen Farben. Gern genommen sind pink, hellgrün und leuchtendes orange. An vielen Balkonen sieht man sogar das ganze Jahr über Weihnachtsbeleuchtung in Form von Rentieren und Lichterketten – immerhin im Sommer nicht beleuchtet… Aber das soll vielleicht genügen. Weihnachtsbäume sind eben doch ein schier unerschöpfliches Thema und es gibt in Rom sicherlich neben jeder Portiersloge im Eingangsbereich eines jeden Mietshauses ein ganz eigenes Exemplar!

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