Handwerker & Völkerverständigung

Es ist vollbracht! Nach 14 Monaten ist mein Wasserschaden behoben. Circa 10 Monate hat es gedauert, bis das Dach abgedichtet worden ist. Drei Firmen haben ‚mal vorbeigeschaut, eine vierte kam überhaupt ein 2. Mal vorbei, um einen Vorschlag zu unterbreiten, wie man das Flachdachtproblem mit Rissen vom großen „L’Aquila-Erdbeben“ denn beheben könnte. Dass es anschließend auch nett gewesen wäre, den sichtbaren Schaden in meinem Wohnzimmer auszubessern, schien ein Luxusproblem zu sein. Nichts weiter.

Ich habe in den ersten Wochen jeden Morgen, jeden Abend und wenn es regnete mit lauter Sorge quasi viertelstündlich nachgesehen, ob sich die nassen Flecken nicht doch noch weiter ausbreiten. Spätestens im Sommer trocknete der Beton dann tatsächlich aus. Das hatte dann zur Folge, dass am Rand der Wasserflecken formschöne Auskristallisierungen entstanden und immer wieder Farbreste von der Decke flockten. Sagen wir so, ich habe es hartnäckig ignoriert, um monatlich schriftlich bei meinen Vermieterinnen nachzufragen, wann sie denn bitte die Decke und die betroffene Wand streichen lassen und wann der Holzkasten der Jalousie ausgetauscht werden sollte. Heute kann ich mir vorstellen, dass ich zwei grundlegende Fehler gemacht habe.

1) Niemals zwei Fragen auf einmal stellen!

2) Es schien völlig irrsinnig und nicht nachvollziehbar, dass ich etwas austauschen, ja, komplett erneuern lassen wollte…

Inzwischen sieht es wieder fast normal aus. Hier ist das Schlachtfeld im Prozess der Schadensregulierung zu sehen:

Man  beachte die schnurgerade verlaufende Linie oberhalb des Fensters auf der linken Seite und der Decke. Die schmucke Wellenlinie bleibt erhalten. Denn man kann einen Holzkasten ja schließlich auch verputzen! Ok, um ehrlich zu sein: Man kann es nur ansatzweise. Beim Trocknen fällt der halbe Putz auch gern wieder ab. Am nächsten Morgen um 7:23Uhr steht deswegen nicht nur der bereits vertraute Handwerker vor der Tür. Also der Handwerker mit dem undefinierbaren Akzent ohne Schneidezähne und mit umso größerem Schurrbart. Er hatte seinen Chef mitgebracht. Oder der Chef ihn. Denn besonders begeistert war der zahnlose Anstreicher nicht, dass er jetzt allen Ernstes unter Aufsicht seines Vorgesetzten und der deutschen Mieterin den Putz wieder abnehmen, neu auftragen und verspachteln musste. Anschließend gab es noch einen Anraunzer, weil er mein Wohnzimmer zwar komplett zugestaubt hatte, aber nicht alles mit Plastikplanen abgedeckt. Man muss sich den kleinen drahtigen und quirligen Chef – einen Sizilianer! – so vorstellen: mit ausgestrecktem Zeigefinger einmal anklagend über mein Regal gestrichen und dann ohne Worte, aber mit hochgezogener Augenbraue zu verstehen gegeben: „Jung, hier fehlen Planen!“ Ok, mein Maler war voller Elan und Enthusiasmus noch 2 Stunden länger vor Ort…

Leider hat das nicht ausgereicht, um auch das Fenster noch zu reparieren. Aber es wäre ja auch schade, wenn das eingespielte Mail-Ping-Pong zwischen mir und den Vermieterinnen jetzt keinen Gegenstand mehr hätte. Gleich morgen werde ich ‚mal wieder nachfragen, wann man sich denn der Reparatur des Fenster widmen möchte. Ein klassischer Spannungsriss. Ohne Einwirkung von mir oder meinen Klabautermännern, zuerst ein kleiner Riss, dann immer mehr… Ein Freund hat vermutlich den einzig richtigen Tip gehabt: „Bolz doch ‚mal zuuuufälligerweise mit ’nem Fußball dagegen, wenn es draußen warm genug ist… Das könnte klappen!“ – Bleibt nur die Frage: Wann wird es draußen warm genug sein? Jemals? Und muss ich mir die Reparatur des Fensters dann durch Smalltalk über deutsche Vorabendserien verdienen?! Richtig! Deutsches Fernsehprogramm zieht in Italien ein. Der Maler, der mich 10 Tage lang jeden Morgen um spätestens 7:30Uhr heimsuchte, hatte am Schluss zwei Fragen. Geschickter als ich stellte er sie  n a c h e  i n a n  d e r :

1) Woher käme denn der Strandkorb auf meinem Balkon? So etwas tolles hätte er noch nie gesehen. Sei der wohl aus Germania?!

Es stellte sich heraus, dass er  selbst – wie hätte es auch anders sein können – aus Rumänien stammt und eine Cousine in Berlin hat, die so eine Sitzgelegenheit ja eventuell besorgen und mitbringen könnte… Mei. Mein Strandkorb ist aus München! Normalerweise kommen die von der Nordsee… Wenn die Cousine kräftig genug ist, könnte sie in vermutlich über die Alpen hieven.

2) Ob ich denn auch immer um 17:30Uhr die deutsche Telenovela sehen würde, dieses großartige Kleinod moderner Fernsehunterhaltung… Fragezeichen in meinem Gesicht. Scusa, aber ich war schon soo stolz gewesen, dass ich bei den sizilianischen Schwiegereltern einer Freundin beim Sonntagsmahl „Türkisch für Anfänger“ (ARD) in italienischer Synchronisation wiedererkannt habe! Inzwischen bin ich aber voll informiert. Eine Serie namens „Fürstenhof“ oder „Fürstenfeld“ läuft – natürlich übersetzt ins Italienische – werktags auf Canale IV! Oder wie sagte mein Malermeisterling: „Canale Berlusconi!“ Na denn… das Niveau ist gesichert: Auf die nächsten Risse!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s