Kleine Kulinarische Kunde II

Über Roms Pizzen, über Roms Eis, über Roms Pasta ist schon so viel geschrieben worden. Darin will ich mich heute Abend auch gar nicht verlieren… Meine all’arrabiata ist heute Abend bereits verputzt, der Hunger gestillt, lecker wars auch. Beste Voraussetzungen für das folgende Kapitel. Denn, es muss einfach ‚mal gesagt werden: Rom hat den schlechtesten Burger der Welt! Und wir wissen auch wo…

Man werfe bitte einen nicht zu langen Blick auf dieses Stilleben:

Es ist in Ordnung, wenn man zunächst erstmal an ein Negativ der japanischen Flagge denkt. Der Italienliebhaber vielleicht an die Tricolore. Mit viel good will zumindest… Aber in erster Linie sieht man ein mantschiges Brötchen, das einem unrasierten Räubergesicht gleicht und Grundingredientien italienischer Touristenklitschen: Mozzarella und Tomate! Sieht man ein Stück Fleisch? Wiegt euch nur in Unschuld: Fleisch war auch noch dazwischen! Wenn man den Blick nach der ersten Verzweiflung etwas höher gerichtet hat, dann sah man folgendes Bild – ebenfalls eines der Verzweiflung:

Nennen wir den jungen Mann einfach Mytel. Sein Name tut nichts zur Sache. Wenn man ihn kennt, dann sieht man in seinem Gesicht die Unentschiedenheit: lachen? weinen? gehen? Es war nicht leicht und nennen wirs beim Namen: Es war halt ein … EVENT!? Ok, der Reihe nach: Wie konnte es dazu kommen, am Dienstag Abend zufälligerweise den schlechtesten Burger der Welt zu entdecken?

Nun, wir sprechen wirklich vom letzten Dienstag Abend. Faschingsdienstag. Alkohol war – zunächst – noch nicht im Spiel. Aber Aschermittwoch vor der Tür. Und so hatten Mytel und ich die prinzipiell meines Erachtens gar nichtmal so verwerfliche Idee gemeinsam einen Hamburger mit Pommes essen zu wollen! Ok, Mytel hatte schlicht ’nen letzten Cocktail vor der Fastenzeit vorgeschlagen. Ich wollte noch arbeiten und hab den Burger ins Spiel gebracht. Burger in Rom müssen nicht schlecht sein. Der Beste verdient irgendwann noch einen eigenen Blog. Aber bleiben wir beim schlechtesten Burger der Welt. Der ist nun ja auch nicht zu verachten. Grundproblem: Mytel hatte um 20 Uhr eine Diskussionsrunde, ich wollte keinen Mitternachtsburger, sondern an den Schreibtisch und morgens extrem früh aufstehen. Daher (Fehler! Feeeeehler!!!) verabredeten wir uns um 18.30Uhr (in Worten: achtzehn Uhr dreißig…) auf dem Petersplatz, um in einem guten Kellerlokal im Borgo einen Burger zu verspeisen.

Mein Fehler: Ich war davon ausgegangen, dass mein Begleiter sich erkundigt hat, ob das Lokal allen Ernstes schon so früh geöffnet ist. Sein Fehler: Der Glauben an das Gute in der römischen Gastronomie.

Ergebnis: spontane Suche nach Alternativen! Hintergrundinformation: der beste Burger der Stadt ist in Trastevere zu finden. Das war aber für die anschließenden Termine zu weit zu laufen… Also entstand die Idee, einfach die Touristenlokale daraufhin zu überprüfen, ob sie ggf. Burger auf der Karte haben. Versachlichende Grammatikkonstruktonen sind viel wert. Unter der Hand: es war meine Schnapsidee!

Lokal No. I: „Burger? [sprich: Börger] – no, ma pasta, piatti tipici, eh??!“

Lokal No. II: Hamburger? Hä? Ah, ‚amburgerre?! Ja? No! – ma pasta , piatti tipici, eh??! Nee, danke!

Das nächste Lokal war insofern cool, als der Kellner nur meinte: Klar! MACHEN WIR! So viel Zugeständnis an den Kunden kann ja ein gutes Zeichen sein. Muss es aber nicht… So fragt man sich im Nachhinein z.B. warum die Scheibe einen deutlich erkennbaren Riss aufwies. Einbruchsspuren? Wohl kaum! Ausbruchsspuren? Rohe Gewalt eines enttäuschten Gastes? Fragen, die offen bleiben… Wir waren es nicht!

Aber spätestens als Mytel den Mozzarella der Vorspeise im Mund hatte, kläglich darauf herumkaute und ihm dann die Abwesenheit jeglicher, aber wirklich so jeder Konsistenz und allen Geschmacks absprach, war klar: Event! Kein Essen – das ist Event! Ich hab natürlich im Sinne des Eventcharakters nicht darauf verzichten wollen, den Mozzarella selbst zu testen. Sagen wir so: gab es in Deutschland nicht ‚mal eine Diskussion um Fleischersatzstoffe? Also an diesem Mozzarella war nicht nur kein Büffel beteiligt, da fehlte überhaupt jede Spur von Milch! Als der Hamburger dann ohne Brot, ohne Salat, ohne Ketchup, dafür aber mit Rosmarinkartoffeleckchen auf einem separaten Teller gebracht wurde, begann es interessant zu werden. Reklamation! So Brotscheibe oben, Brotscheibe unten. „Ah, sì?!??! Certo!“ Es werde gleich gebracht.

Kam dann… Mit Ketchup sogar. In Tütchen. Aber es dauerte ca. 20 Minuten, bis der ursprüngliche Hamburger in neuer Form zurück an unseren Tisch kam.

In der Zwischenzeit haben wir schon Mutmaßungen angestellt, was man mit ihm treibt. Er kam dann als italienische Interpretation mit Mozzarella (ohne Geschmack, ohne Konsistenz s.o.) und Tomatenscheibe (dito) und mit MOHNBRÖTCHEN… Also wir haben uns redlich bemüht. Hier die Beweisbilder! Kein Foto hingegen gibt es vom Wein, der helfen musste, das so gar nicht lukullische Mahl zu bewältigen.

Weswegen wir denn die Kartoffeln nicht einmal aufgegessen hätten, ließen wir unbeantwortet. Hier vielleicht nur schweigend, still und stumm ein paar Eckdaten für die interessierte Öffentlichkeit:

Via Banco di S. Spirito 7-8 / Roma, Antico Caffè di Marte

Aber wenn man penetrant darum bittet, wird immerhin die handschriftliche Rechnung auf einer feuchten Papierserviette in eine waschechte ricevuta fiscale umgewandelt. Ein nicht weiter ausdifferenzierter Bon einer handelsüblichen Registrierkasse! Immerhin…

Da waren wir aber auch schon fast gegangen. Ziel, räumlich: unsere Bar! Ziel, inhaltlich: zwei Absacker!

Und selten, wirklich selten, haben wir bei einer cena so viel übers Essen gelacht. Und selten, wirklich selten, habe ich danach – so früh + so angeheitert – am Schreibtisch gesessen…

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