Toskana: Arezzo!

Alliterationen sind immer gut – und so habe ich heute einen Sonntagsausflug gemacht. Ziel war: Arezzo am Arno! Mit den italienischen Schnellzügen wäre man sicherlich in weniger als einer Stunde dort. Dummerweise halten diese Frecce nicht im kleinen Arezzo. Aber es gibt mittelschnelle Züge, die immerhin nur knapp zwei Stunden brauchen.

Arezzo ist eine Stadt in der Toskana. Der Lieblingslandschaft deutscher Studienräte und Fotografen. Was die Landschaft ja aber nicht weniger reizvoll macht. Bei griesgrauem Himmel und wenig Sonnenschein im Februar verliert aber auch die Gegend nordöstlich von Siena von ihrem natürlichen Charme. Immerhin gab es an der Piazza Grande ein paar Postkartenmotive aus Frühling und Sommer… 

Die Stadt ist hat einen etruskischen Ursprung: etruskisch Aritim / lateinisch Arretium. Sie gehörte zum Zwölfstädtebund und liegt an der antiken Via Cassia. Den Arno habe ich nicht entdeckt. Aber ich muss zugeben, dass ich ihn auch gar nicht gesucht habe. Grund hierfür waren die wirklich beeindruckenden mittelalterlichen Paläste und Kirchen.

Das Stadtwappen hier links im Bild zeigt ein nach rechts springendes Pferd auf silbernem Grund. Normalerweise gehört über den Schild noch eine fünftürmige goldende Mauerkrone. Aber anscheinend nehmen es die Arretiner nicht so genau mit der Zusammenstellung ihres Wappens. „Alla Cultura & Turismo“ tuts ja letztlich auch – und zeigt in jedem Fall, worauf sich das Einkommen der 100.000 Einwohner zählenden Stadt vor allem stützt: Touristenströme!

Aber auch die sind im Februar bei grauem Himmel nicht unbedingt Standard. So hatte ich die Stadt weitgehend für mich und habe das auch sehr genossen.

Geplant war der Ausflug übrigens nicht allein. Ganz so soziophob bin ich denn doch nicht. Aber nachdem ich meine Kollegin, die eigentlich mit von der Partie gewesen wäre, nicht entdecken konnte, bin ich alleine zum Gleis spaziert. Nur um ca. 17 Sekunden vor Abfahrt des Zuges festzustellen, dass es ein neues Gleis 2 EST gibt. Wobei „EST“ bedeutet, dass man 400m nach vorne flitzen muss, um den Zug noch zu erwischen. Für alle Münchner: der Starnberger Bahnhof ist nichts dagegen! Besonders gemein war dieser Umstand, da zunächst angekündigt war, dass der Zug 5 Minuten Verspätung hat.

Als ich also langsam und gemütlich mit einem Cappuccino rechts und einem Cornetto links in Richtung des ominösen „2 EST“ bummeln wollte, sprang die Anzeige harmlos still und leise zurück. Aus 5 Minuten Verspätung wurde somit eine unerwartet pünktliche Abfahrt. Theoretisch müsste ich immer noch außer Atem sein. Meinen Cappuccino habe ich einem Herrn geschenkt, der sich tierisch drüber freute, etwas warmes in die Hand gedrückt zu bekommen – und ich konnte schneller die Füße in die Hand nehmen – ha, selten habe ich ein blödes Sprichwort so passgenau eingefügt!

Neben dem beeindruckenden Dom, der noch beeindruckenderen Dominikanerkirche und dem Vasari-Haus aus der Renaissance, der Taufkirche Santa Maria delle Pieve und noch ein paar anderen Sehenswürdigkeiten, glänzt Arezzo mit Kunst für den Blick am Rande. Da gibt es am Ende einer steilen Straße oben solche Kunst…

und direkt darunter solche…

Aber dieses bewegliche „Kunstwerk“ war eher die Ausnahme. Man sieht in der Altstadt kaum Autos. Ein paar kleine dreirädrige Ape-Lieferwägelchen. Das ein oder andere Fahrrad und ein paar Motorinos. Die meisten Autos stehen aber in einer Art Ring um die Altstadt herum. Also sie stehen, wenn sie Glück gehabt haben. Vermutlich stehen sie dann auch für immer, denn wer gibt schon einen Parkplatz freiwillig her?!

Besonders beeindruckend war daher ein Schild in der Nähe des Doms. Es scheint in einer rührenden Unbekümmertheit den wahren Alltag einzufangen. Und ich hoffe, das Bild schafft es eines Tages auf ein Buchcover! Denn was sieht man hier? – Nichts anderes als das Leid arretinischer Autofahrer. Angeblich handelt es sich hier zwar um einen Parkplatz. Denn als solches ist die kleine Piazza ja ausgewiesen. Auf diesem Parkplatz dürfen sogar sämtliche motorisierte Zweiräder parken. Von einer vierrädrigen macchina wird gar nicht erst gesprochen… Aber was muss man erdulden, wenn man das Vorhaben umsetzen will? Stundenlanges, ja geradezu ewiges im-Kreis-herum-fahren!

Zu Fuß ist man also allemal besser in Arezzo aufgehoben. Der Bahnhof liegt nah an der Altstadt, die Neustadt sieht man vom Zugfenster aus – und das reicht auch. Das Pflaster ist gut verlegt. Man muss allerdings mit einer stetigen Anhöhe zurecht kommen. Die Piazza Grande ist beispielsweise faszinierend schief und schräg an einem Hang errichtet. Auf dieser Piazza und entlang dem Corso Italia sind übrigens einige Szenen aus dem preisgekrönten Film „La Vita è Bella“ gedreht worden. Aber das wäre eine andere Geschichte…

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