Einblicke in das Vatikanische Geheimarchiv

In Rom konkurrieren Tag für Tag so viele Ausstellungen um Besucher, dass sich leicht der Überblick verlieren lässt. Aber diese hier lohnt sich ganz besonders!

Das Vatikanische Geheimarchiv – Archivio Segreto Vaticano – hat gestern eine Ausstellung eröffnet. Außenstehende werden gleichsam ins Archiv hineingelassen und doch nicht wirklich hinein: denn die Ausstellung ist auf dem Kapitol zu besichtigen. Eine vatikanische Ausstellung im Herzen Roms, das hat nicht nur symbolischen Gehalt. Die Ausstellung hat es auch inhaltlich in sich.

„Lux in Arcana“ macht bereits im Titel deutlich, dass sie Licht auf das Vatikanische Geheimarchiv und seine Bestände werfen will. Was erwartet den Besucher? Nun, nichts geringeres als die Möglichkeit, einen Blick in das Archiv, seine Bestände, Strukturen und Aktivitäten zu werfen. Was sich auf den ersten Blick trocken anhört, entpuppt sich als Blick in eine wahre Schatzkammer. Präsentiert werden Dokumente aus allen Jahrhunderten und  allen Regionen der Welt: Schätze aus den Magazinen des Archivs, aber auch Einblicke in die Lesesäle, den Alltag der Wissenschaftler, die täglich ins Archiv kommen.

Der Präfekt des Geheimarchivs, Bischof Sergio Pagano, erklärte im Vorfeld, dass der „romanhafte Mythos über das Geheimarchiv“, der durch die Bestseller wie von Dan Brown geschürt worden ist, zerstreut werden soll, um einen Blick auf den Alltag im Archiv zu ermöglichen.

Neben der Abdankungsurkunde von Christina von Schweden aus dem 17. Jahrhundert, können in der Ausstellung seidene Briefe aus China bewundert werden, die 1650 an Innozenz X. gerichtet wurden. Die Einschreibung der ersten Schweizer Gardisten liegt vor. Ein besonders faszinierendes Schriftstück stellt ein 60m langes aufgerolltes Pergament dar. Der sogenannte „Rotolo“ enthält 231 Artikel zum Prozess gegen den Templer-Orden in Frankreich.

Mit aufwendigen Video-Installationen und kurzen Texten zur Entstehungsgeschichte der Dokumente und zum historischen Kontext, spricht die Ausstellung Laien genauso an wie den Experten.

Im zweiten Stock wird die Arbeit des Restaurators eindrücklich vor Augen geführt, indem zunächst restaurierte Akten gezeigt werden und dann beschädigte Stücke. Wasser- und Feuerschäden, Pilzbefall, Wurmlöcher und Mäusefraß zeigen sprichwörtlich den Zahn der Zeit.

Besonders viel Aufmerksamkeit kam bereits im Vorfeld der letzten Sektion der Ausstellung zu. Der Saal trägt den Titel il „Periodo Chiuso“ – the „closed period“ und verweist damit auf die „verschlossene Zeit“ des Zweiten Weltkriegs. Weil die Katalogisierungsarbeiten zu den Archivbeständen nach 1939 noch nicht abgeschlossen sind, stehen diese Dokumente den Forschern bislang noch nicht zur Verfügung. Trotzdem werden in der Ausstellung Tagebücher und Fotografien aus den 1940er Jahren gezeigt. Hierunter fallen beispielsweise Schreiben von Edith und Rosa Stein an Papst Pius XII. Es sind erste Vorboten genau der Dokumente, auf die Wissenschaftler aus aller Welt warten.

Die Ausstellung ist ab sofort bis Anfang September geöffnet. Sie präsentiert ca. 100 Dokumente. Ein Ausstellungskatalog ist in italienischer und englischer Sprache im Bookshop der Kapitolinischen Museen zu erwerben. Und im Internet gibt es sogar einen Trailer zur Ausstellung. Rombesucher und Römer sollten sich diese Ausstellung jedenfalls nicht entgehen lassen…

Website: http://www.luxinarcana.com

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