Kleine Kulinarische Kunde III

Was dem Deutschen seine Wurst, scheint dem Italiener seine Pasta zu sein. Auch wenn der Vergleich hinkt und man in beiden Ländern sooo viele andere Leckereien aufzählen könnte (hier spricht der bekennende Vielfraß!), Pasta ist ein Phänomen, das sich erst auf den zweiten, dritten Blick erschließt…

Als ich das erste Mal in Rom, ja eigentlich das erste Mal richtig in Italien gewesen bin, stand ich sehr beeindruckt vorm Pasta-Regal im Supermarkt. Ich weiß noch genau, dass meine – ebenfalls nicht italienische – Mitbewohnerin sogar ohne mit der Wimper zu zucken, die 29 Ct. Pasta beim Todes kaufte… Kurzer Einschub: Ja, ich war schon 24 als ich das erste Mal in Italien gewesen bin. Ist möglich. Nichtmal beschämend meines Erachtens. Es kommt einfach drauf an, wie viele Tagesreisen von Italien entfernt man aufwächst, ob man alle Naselang an den Gardasee fährt oder eben nicht… Also: 24 – Studium – Praktikum – PAM = Supermarkt!

Was bei uns in der Regel in „mit Ei“ und „ohne Ei“ unterschieden wird und wenn es gut sein soll „Barilla“ heißt, reicht in Italien von De Cecco über Garofalo (my favourites!) bis zu Barilla. Letztere ein bisschen auf den hinteren Rängen. Die Markenvielfalt wird begleitet von allen Formen und Farben. Schwarze Tintenfischfärbung, grün, rot, pah… Die Formen sind viel faszinierender. Soll die Soße aufgesaugt, versteckt, schlank durchronnen oder in den Rillen festgepappt werden? Alles kein Problem: für jede Soße der richtige Typ… Ich esse abwechselnd immer eine der klassisch anmutenden Farfalle-ähnlichen Nudeln am liebsten. Manchmal auch die viereckigen Spaghetti alla Chitarra und oft einfach Spaghetti ohne besondere Kennzeichen. Nur Orecchini kann ich nicht mehr essen, ohne dass ich schon beim Zubereiten an eine Freundin denke. Diese hatte mir schon vor Jahren ‚mal erzählt, ihr Mann esse diese Form besonders gern, weil Soßen so schön in diese „Röhrchen“-Pasta hineinlaufen… Ich mag eher trockene Gerichte à la „Caccio e Pepe“ und bleibe daher der Soßen-Versteck-Pasta fern.

 

Bislang habe ich es immer vergessen, Supermarktregale zu fotografieren. Das wird nachgeholt! Aber wieso komme ich heute überhaupt auf Pasta? – Nun: Milieustudien! Ich habe vor kurzem entdeckt, dass es auch in Rom eine „Ortsgruppe“ vom Freecycle-Net gibt. Auf Deutsch: das ist eine Art Verschenkbörse. Umeinfach ‚mal auszuprobieren wie das geht und um entsprechend vorbereitet zu sein, wenn dort ‚mal ein original Grammophon oder eine Eichenholztruhe zum Abholen angeboten wird, habe ich das heute ‚mal ausprobiert. D.h. ich habe bereits am Montag einen Verschenker kontaktiert. Nennen wir ihn Giulio Pompi. Signor Pompi hatte drei Dinge angeboten: 1 asse da stiro & 2 portavini / 1 Bügelbrett (kein Bedarf, hab ich schon) & 2 Weinregale. Letzere nicht besonders teuer und von IKEA. Also der Neupreis liegt bei ca. 10 EUR.

Aber ich wollte ja auch nur das Verfahren testen und ein zweites Weinregal kann ich gut gebrauchen (zumal das eine, das ich besitze, exakt das gleiche IKEA-Modell ist). Gestern bekam ich also die Adresse. Janz weit draußen an der Via Prenestina.

Google Maps verändert ungefragt den Maßstab, wenn es sooo weit draußen ist und gaukelte eine vergleichsweise vertraute Nähe zur Porta Maggiore vor. Denkste. Man musste noch ungefähr 14 Straßenbahnsationen ins soziologische Vorstadtumfeld hineinfahren. Ich bin also nach ca.  1 Stunde und 15 Minuten an der Haltestelle Prenestina/Tor de‘ Schiavi angekommen, finde das Haus, klingele und höre ein freundliches „ultimo piano – oberster Stock“. Ein altertümlicher Fahrstuhl (immerhin!) und dann eine Übergabe, die ca. 7 Sekunden dauert. Das Weinregal war bereits in eine Plastiktüte verstaut und neben der Tür. Ein Student (bloße Mutmaßung aufgrund des Alters (bissel weniger als ich) und des Dreitagebarts – ok, Falsifizierung möglich!).

Aber amüsant war der kurze Blick in die Küche. Da stand la nonna vom Giulio und machte selbstgemachte Tagliatelle wie auf den Bildern oben! – Die Pastatreifen trockneten über Stuhllehnen und auf der abwischbaren Plastiktischdecke. Wunderbar! Ich habe das auch nur gesehen, weil Oma natürlich neugierig war, wer denn da die Weinregale bekommt… Sobald ich den Blick erwiderte, verschwand sie aber schnell mit ihrer riesigen Schütze hinter der Küchentür. Was 10 Sekunden alles an Einblick ermöglichen!

Und beim nächsten Mal berichte ich von der Fahrt ins römische Nirgendwo kurz hinter den noch sichtbaren Monumenten der antiken Villa Gordiani. Und vielleicht geht es dann um eine der anderen kulinarischen Freuden in Italien…

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