Autofficine

La macchina, das Auto, spielt eine zentrale Rolle im römischen Alltag. Auch ich bin mit meinem kleinen PKW nach Rom gekommen. Unter der Woche steht es oft nur auf einem Parkplatz. An den Wochenenden bin ich froh, dass ich es für Ausflüge und den Einkauf zur Verfügung habe… Nur so ist es sicherlich zu erklären, dass sich fast alle deutschen Kollegen der Notwendigkeit aussetzen, das Auto alle zwei Jahre bis nach Deutschland zu fahren, um es dort vom TÜV kontrollieren zu lassen. Europäische Union hin oder her: Der TÜV ließ sich auch für meinen Wagen nur in Deutschland machen lassen. 

Der Termin stand bereits fest, als vor einigen Wochen eine komische Warnleuchte imArmaturenbrett aufleuchtete. Handbuch herausgekramt und nachgelesen: Es war die Motorwarnleuchte. Also ausgerechnet ein möglicher Defekt, mit dem man keine 1000km über die Alpen fahren sollte. Und so habe ich mir eine Autowerkstatt herausgesucht, die von meiner Wohnung leicht zu erreichen ist und die einen guten Ruf genießt: The Art of Engine!

Schön langsam hingefahren, Auto abgegeben. Ok, die Betreuung übernahm mein „Assistent“ und Freund, der sich dankenswerterweise mit der Werkstatt absprach. Ein erstes Ergebnis war nur vorläufig. Unser Mechaniker namens Stefano wollte einen Motorscan machen und nach einer Woche die Daten auswerten. Unsere Aufgabe bestand nur darin, mit dem Auto ein bisschen hin- und herzufahren. Gesagt – getan. Wetter schlecht, egal: Kleine Fahrten gehen immer. Interessant wurde es allerdings, als ich meinen Freund samt Auto auf dem Parkplatz vorm Büro traf und er mich fragte, weshalb ich denn bitte einen ausgewachsenen, uralten Scanner in meinem Auto hätte. „Einen was?“ – „Na, einen Scanner. So ein uraltes beigefarbenes Ding, das aussieht wie die Teile früher in der Schule…“ Ich hatte keinen Scanner in meinem Auto! „Doch, doch, warte, ich zeigs dir!“ – Kofferraum auf und es bot sich mir folgendes Bild:

Ein großer dicker Scanner. Wir haben selten so gestaunt! Allerdings hat mich ja sofort verunsichert, ob die Werkstatt mit „Motorscanning“ vielleicht schlicht eine Art vorsintflutliche „Scan-Methode“ meinte, zu der dieses Gerät gehört. Sebastian konnte mich aber gleich beruhigen: es gebe keinerlei Kabelverbindung zwischen dem Kofferraum-Scanner und dem Motorraum. Dafür lag aber noch eine Sporttasche mit –immerhin frischen! – Sportklamotten und einem japanischen Haiku-Band auf der Rückbank. Weder Tasche noch Inhalt gehört mir. Es stellte sich später heraus, dass Stefano schlicht einige Male mit meinem Wagen zwischen Werkstatt und seiner Wohnung gependelt war und seinen Krams in meinem Auto vergessen hatte. Immerhin ein an japanischer Lyrik interessierter Mechaniker. Hrmpfl. Der Scanner verschwand also wieder in den Untiefen der Werkstatt und meinem Auto wurde eine neue Lambdasonde eingebaut. Damit hätte ich jetzt munter weiter durch Italien fahren können. Wenn…

… ja, wenn nicht kurz darauf jemand mit meinem Auto zum Wandern gewollt hätte und ein paar Jacken im Wagen liegen gelassen hätte. Sichtbar! Sprich: Der Anreiz war groß genug und es war versucht worden, den kleinen Honda aufzubrechen. Erstaunlicherweise hat es nicht geklappt. Dafür war das Schloss an der Beifahrerseite zerstört. Damit nicht genug: beim Einparken ist auch noch ein anderes Auto einmal an der Beifahrerseite entlang geschrammt. Dieser Umstand führte zum zweiten Besuch bei „The Art of Engine“… Dieses Mal dauerte es noch länger, denn zunächst hatte Honda (in Italien vor allem für Zweiräder aufgesucht) kein Seitenschloss zur Verfügung. Auch die Lackfarbe musste bestellt werden. Und als ich mein Auto nach mehr als zwei Wochen wieder abholen konnte, fuhr ich vom Hof der Werkstatt und sah nach 2km die Benzin-Warnlampe anspringen.

Da es mir beim ersten Besuch der Werkstatt schon komisch vorgekommen war, dass der Tank anschließend vollkommen leer war, hatte ich mir dieses Mal den Kilometerstand gemerkt. Und was war? Ein Plus von 400km und ein komplett leerer Tank. Mut und Italienischkenntnisse zusammengenommen und mich beschwert! Bei den italienischen Benzinpreisen, die noch die Literpreise an deutschen Tankstellen schlagen, ist das kein Witz… Zumal ich mir nicht vorstellen konnte, dass ein auszuwechselndes Schloss an der Beifahrertür notwendigerweise Probefahrten von 400km nach sich ziehen. Nach meiner Beschwerde erhielt ich einen einseitigen Bericht, demzufolge die römische Werkstätten von Ersatzteillagern nicht mehr beliefert werden. Sie mussten also zum Honda-Lager fahren. Beim ersten Versuch hatte das Lager geschlossen. Obwohl es eigentlich Öffnungszeit gehabt hätte. Beim zweiten Versuch klappte es dann endlich. Hinzu kamen noch Fahrten für die Farbe. Dass man diese Fahrten mit  m e i n e m  Auto macht, leuchtet mir zwar versicherungstechnisch nicht ein. Aber ansonsten muss man diese besonderen Bedingungen in Italien wohl akzeptieren. Trotzdem blieb ein ungutes Gefühl. Beim nächsten Mal probiere ich jedenfalls eine neue autofficina aus. Es bleibt also spannend! Und immer schön dran denken: nichts, aber auch gar nichts sichtbar im Auto liegen lassen. Am besten sogar das leere Handschuhfach geöffnet lassen. Anders lockt man doch nur Einbruchskünstler an. The Art of Robbing…

Auf viele weitere Fahrten!

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