Leere! Wo?

„Bahnhofstraßen und Rueen,
Boulevards, Lidos, Laan –
selbst auf den Fifth Avenueen
fällt Sie die Leere an.“

Was Gottfried Benn mit dem Reisen verband, scheint in Rom jedenfalls im August 2012 ein frommer Wunsch zu sein.

Nach mehreren Tagen (gefühlt wie Wochen) war ich heute ‚mal wieder mit Muße und ohne Termindruck in der Innenstadt von Rom. Morgen beginnt die „heilige“ ultimative und nicht in Frage zu stellende Ferienwoche der Italiener. Am Mittwoch ist Mariä Himmelfahrt und alles wird geschlossen sein. Wenn ich morgens aus meinem Haus komme, wehen mir ein paar trockene Piniennadeln vor die Füße, weil sie sich nicht mehr zwischen eng an eng geparkten Autos verfangen. Es stehen noch genau zwei Autos in der Straße. Beide sind fahruntüchtig. Ansonsten ist es leer. Ein leichter Wind. Allzu heiß ist es nichtmal. Aber ich konnte mir keine rechte Vorstellung machen, wie es wohl im Centro Storico ist. Also haben mein Bruder und ich einen Stadtbummel gemacht…

Ergebnis: ernüchternd voll, nasser Rock und Mückenstiche! Aber der Reihe nach… Es ist wirklich überraschend, wie viele Touristen sich Mitte August Rom für eine Städtereise aussuchen. Es erschien weder auf der Piazza Navona leerer (Vermerk: ein bisschen leerer vielleicht!), noch in den kleinen Gassen um die Piazza di Spagna herum. Es saßen lediglich weniger Leute in der prallen Sonne auf den Stufen der Spanischen Treppe. Sehr viele Geschäfte, Bars und Restaurants haben allerdings geschlossen. Ferie – Ferie – Ferie – an jedem heruntergelassenen Rolladen ein solcher Zettel.

Und überall leider unachtsame Mitbürger vor den eigenen Füßen. Die Idee „al banco“ noch einen Cappuccino bei S. Eustacchio zu nehmen, war dann leider zu viel. Erst wurde ich wiederholt mit ein-Wort-Sätzen abgespeist, denen ich nicht entnehmen konnte, was der Barista denn eigentlich von mir wollte. Dann weigerte er sich standhaft, mir die Cappuccini an den rechten Rand des Tresens zu bringen. Dabei war nur dort ein bisschen Ruhe zwischen dem Gewimmel. Was tut man also? Ja, man nimmt die beiden Tassen und trägt sie übel gelaunt selbst nach rechts. Leider schafft es nur die eine Tasse kleckerfrei auf den für sie bestimmten Platz. Die andere zerbrach beim Versuch, sie abzustellen, fiel mit viel Schwung auf den Boden, wobei sich der gesamte frisch gemachte Cappuccino über meinen neuen Leinenrock und das Top ergießt. Es war wenigstens nicht mehr allzu heiß…

Trotzdem! a) doch irgendwie sehr blöd, b) nass, und c) hatte ich den gesamten Rückweg über ein bisschen Sorge, ob sich der Rock wieder säubern lässt. Ich weiß es noch nicht. Aber eingeweicht und mit Gallseife bearbeitet ist er jedenfalls. Kaffee soll sich ja noch ganz gut herauswaschen lassen. Schlimmer ist wohl die Milch des Cappuccino. Jedenfalls hat die Kurzexkursion ergeben, dass die Frauen auf der Straße zwischen „sehr mitleidig“ bis „geringschätzig“ gucken, wenn sie sehen, dass eine andere junge Frau von oben bis unten besudelt ist. Männer hingegen merken gar nichts. Was ja beruhigend war!

Also morgen hinein ins Gewimmel aus Franzosen, Spaniern, Briten, Japanern, Brasilianern, Österreichern und Deutschen. Alle noch da. Alle von der Hitze erledigt. Man sollte vielleicht doch das Strafgeld riskieren und einfach ‚mal in den Trevibrunnen jumpen… Es würde sich lohnen! Jedenfalls dann, wenn es möglich wäre, einfach ein bisschen mit den Beinen im Wasser zu planschen, chillig am Rand zu lehnen und die Kühle des Wassers zu genießen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s