Freddagosto? No!

Keine Überraschung am Morgen: heiß, besonders heiß, ferragosto! Außer Kakteen und Disteln gedeiht nicht sonderlich viel ohne permanentes Wässern… Immerhin hat mich diesen Morgen kein spärlich bekleideter Nachbar beim Blumengießen erfreut, als ich die Fenster geöffnet habe. Das war an Mariä Himmelfahrt 2011 anders (und nachhaltig verstörend gewesen, weil der werte ca. 75jährige Nachbar mehr so gar nichts getragen hatte)…
Heute ist Rom-Tag! Mein Bruder und ich machen Schmalspurerholungsprogramm. Eis zum Mittag, spätes Frühstück mit frischen Früchten, prosciutto crudo dolce und ein bisschen Mortadella. Zum Sonnenuntergang mit „vista cuppola“ warten bereits die typischen copiette, eingelegte Oliven, Baguette (Frankreich geht auch im Zentrum Roms!) und Büffelmozzarella… Nur muss man ja bis dahin noch ein bisschen Kultur und Stunden herumbringen. Also: kurzer Bummel übers Foro Italico!
Wenig Schatten, grell reflektierendes Licht und wir waren trotzdem nicht die einzigen. Ein einsamer Tennisspieler ohne Gegner machte vor, wie man die Stelen (noch dazu die, denen bislang keine Inschrift hinzugefügt worden ist) sinnvoll nutzen kann… Tennis! Besser als jedes Garagentor! Jedenfalls weniger laut und weit und breit keine Störenfriede.
Das Foro Italico (früher Foro Mussolini) war das erste faschistische Großbauprojekt in Rom in den Jahren 1927 (Planung) bis 1932 (Abschluss der Ausführung). Grundidee des Areals, das sich vor allem in den ungewöhnlichen Mosaiken am Boden präsentiert, war die Umsetzung der Idee des antiken Gymnasiums in die faschistische Moderne. Heute integriert in die olympischen Neubauten von 1960 und an den Wochenenden von zahlreichen Fußballfans besucht und in welcher Art und Weise auch immer „rezipiert“ zeigt sich bis heute die Interpretation der Era Fascista und ihres Erfolgs an großen weißen Marmorstelen sowie anhand des antikisierenden (aber total neu errichteten) 18m hohen Obelisken am Eingang zum Stadionkomplex. Eigentlicher Höhepunkt der faschistischen Anlage war jedoch das „Stadio dei Marmi“, das wir heute komplett umrundet haben. Wer will schließlich nicht den nackten Skispringer aus der Nähe besichtigen?! –
Um das ganze Stadion, in dessen Mitte sich ein gut gepflegter Rasen mit Sprengeranlage und eine moderne Gummiaschenbahn befindet, reihen sich moderne Statuen, die dem Körper- und Jugendideal der italienischen Faschisten Tribut zollen sollten und von sehr unterschiedlicher Qualität zeugen. Um es ‚mal vorsichtig auszudrücken. Dabei gab es meines Erachtens für jede Statue und deren Ausführung einzelne Bewerbungsphasen für Künstler, Steinbildhauer wohl… Ein lohnender Ausflug, wenngleich man sich doch tunlichst im Vorfeld ein bisschen einlesen sollte. Erklärende Tafeln findet man nämlich nicht einmal am frisch restaurierenten MVSSOLINI DVX Obelisken. Die Anlage steht nach wie vor für sich und wirkt auch vergleichsweise „ungebrochen“ fort. Es gibt allerdings eine Vielzahl an wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Foro Italico, seiner Nutzung, seiner Planung und dem Fortbestand bis heute.
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