Fregene, Lido

Vor dem Fenster ist alles grau in grau. Es regnet, als ob es nicht mehr aufhören möchte. Meine Tomate ist endgültig zerdetscht, seitdem es letzte Nacht so gestürmt hat, dass alle kleinen grünen Tomätchen mehrfach gegen die Balkonwand gefegt wurden. Das ist Herbst in Rom! Es erscheint mir unglaubwürdig, dass ich vor wenigen Stunden noch am Meer gewesen bin. Die Idee, schwimmen zu gehen, stand nicht mehr zur Debatte, als ich mich mit einer Freundin auf den Weg nach Fregene gemacht habe. Aber ein Strandspaziergang kann ja auch bei Wind und Wetter sehr schön sein. Wind war da, Wetter ist immer. Beste Vorausetzungen also, um den Kopf ein bisschen frei zu kriegen, nachdem ich schon seit 3 Uhr früh wach gelegen hatte, um mir Sorgen über dieses und jenes zu machen.

Wir hatten den Strand fast allein für uns. Nur vereinzelt wanderten Zweier- oder Dreiergrüppchen im Gespräch den Strand entlang. Meistens ältere Frauen. Aber trotzdem auch Handtaschenverkäufer und ihre Kollegen, die unerbittlich bunte Stoffkörbchen anbieten wollten. Am meisten Spaß hatten aber Kinder, die mit einer Art Pfadfindergruppe bei einem fast leeren stabilimento lagerten und mit Unterwäsche im Meer herumsprangen!

Vielleicht war es die Begeisterung, mit der die Kinder in den Wellen herumplanschten, hinfielen, sich wieder aufrappelten und voll Vergnügen wieder in die nächste Welle liefen. Vielleicht war es aber auch nur die Tatsache, dass uns das Wasser nach dem Strandspaziergang gar nicht mehr so kalt vorkam. Wir haben jedenfalls beschlossen, doch einen Versuch zu unternehmen… Und es war wirklich gar nicht so kalt, wenn man endlich ‚mal den entscheidenden Punkt – sprich den Bauch – ins Wasser gekriegt hatte. Richtig hohe Wellen. Am Horizont ein Tanker. Über uns die Flugzeuge von Fiumicino. Unweit von unserer „Lagune“ ein paar Verrückte, die Jetski-Rennen veranstalteten und dazu viel viel Wind.

Das Szenario verlangte also einen Lifeguard… Es gab auch einen. Dachte ich jedenfalls. Bis ich feststellte, dass sich neben dem Rettungsboot einfach nur eine ältere Dame mit rotem Anorak niedergelassen hatte. Man muss also in der Nachsaison auf sich selbst aufpassen. Denn die Dame sah zwar recht agil aus, aber ob sie den Wunsch gehabt hätte, sich für abdriftende deutsche Frauen in die Wellen zu stürzen, mag ich bezweifeln. Vermutlich hätte sie erstmal ihre Mamma angerufen, um ihr mitzuteilen, was da am Strand von Fregene los sei – und dann wären wir schon hinausgetrieben gewesen… Nein, wir sind also ganz brav vor dem letzten Wellenberg geblieben und haben schlicht das gleiche gemacht wie die Kinder: spuckend, juchzend in und zwischen die Wellenberge springen, auf den Händen im flachen Wasser wieder herauskrabbeln und … wieder hinein. Das macht doch durchaus Spaß! Einziges Problem ist es, sich halbwegs schicklich wieder umzuziehen, wenn der Wind das Handtuch gern ‚mal 15m weit an den nächsten Sonnenschirmpflock weht und man ihm hinterherjagen muss.

Alles in allem aber ein fantastischer Ausflug. Dass wir alles richtig gemacht haben, sahen wir, als wir wieder im Auto saßen. Denn genau dann fielen die ersten Regentropfen auf die Scheibe. Dass es in Fregene nur einen einzigen schmalen Sandweg zum frei zugänglichen Strand gibt, der noch dazu zwischen zwei Schuppen und Stabilimenti-Lagern hindurchführt, ist schon vergessen. Was in Erinnerung bleibt, ist das blu del mare und der Horizont. Denn da trafen, als wir gingen, das helle, in der Ferne gar nicht mehr so aufgewühlt wirkende Meer und die Regenfront aufeinander.

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