Italienische Orte: Archivio di Stato di Roma

Italienische Orte… In dieser neuen Rubrik soll es nicht um Bologna, Pisa und Palermo gehen. Ich möchte im Gegenteil einen Blick auf die Schuhläden, die Postämter, die Märkte und die Bars werfen. Also italienische Orte betrachten, die es so zahlreich gibt, aber die dennoch sehr typisch und eigenwillig sind.

Den Anfang macht allerdings ein Ort, den vielleicht nicht jeder kennt: das Archivio di Stato in Rom, stellvertretend für zahlreiche andere Archive. Die schönsten Archive, die sinnvoll, durchdacht und modern eingerichtet sind, habe ich bislang in den USA kennengelernt. Gefolgt von Österreich. In Deutschland ist die Archivlandschaft sehr durchwachsen und kann mit vielen veralteten Archiven aufwarten. Auch in Italien sind die meisten Archive in Altbauten untergebracht, was einen wunderbaren Charme mit sich bringt. In Venedig ist das Archivio di Stato in einem Teil des Franziskanerkonvents. Die Infrastruktur und die Nutzersäle sind aber recht nüchtern und möglichst praktikabel gehalten. Abgesehen davon, dass man unter einem riesigen Tonnengewölbe arbeiten darf, das jedes Stuhlscharren und Quietschen wiederhallen lässt und kein wirklich ruhiges Arbeiten zulässt; – dafür ist es schön!

In Rom sind die älteren Bestände in der Nähe der Piazza Navona im alten Gebäude der Universität Sapienza untergebracht. Sant’Ivo, die Kirche, die dem Schutzheiligen der Juristen geweiht ist, liegt im Innenhof der Palazzo della Sapienza. Bis 1935 war der Palazzo Bestandteil der Uni und Sant’Ivo Universitätskapelle. Dann ließ Mussolini die Città Universitaria errichten und die Universität zog um. Sehr nett für mich, die ich das Archivio di Stato regelmäßig nutze, denn jetzt kann ich morgens in den schönen Innenhof hineingehen und links die Treppe nehmen, um in den ersten Stock zu kommen. Dort ist der Lesesaal untergebracht. Auch dort – wie in Venedig – ein ständiges Kommen und Gehen. Aber im Lesesaal selbst ist es immerhin vergleichsweise ruhig. Die Stühle lassen sich leise über den Steinboden schieben und die meisten Nutzer gehen für Gespräche und Zigarettenpausen in den Innenhof.

Einen aufschlussreichen Einblick in den Arbeitsalltag von Historikerinnen und Historikern bietet aber die einzige Toilette, die den Mitarbeitern und den Nutzern des Archivs zur Verfügung steht. Immerhin: Man kann die Tür abschließen!

Und es gibt auch eine Lüftung. Oder ist es eine Art Abzug? Jedenfalls ein dickes großes Plastikrohr, das zwar nicht unbedingt vertrauenserweckend ist, aber zumindest sehr viel Lärm verursachen kann!

Die Lüftung springt allerdings nur an, wenn man eine Lichtschranke passiert, die irgendwo – unsichtbar und unauffindbar – an der Tür angebracht sein muss. Jedenfalls steht man in kürzester Zeit im Dunkeln. Aber das heißt immerhin, dass man nicht alles sehen muss. Auch von Vorteil… Dabei ist es nicht einmal verschmutzt, es ist nur ein etwas desolater Zustand.

Oder mag das „Kritik“ auf zu hohem Niveau sein? Es gibt jedenfalls einen Spiegel! Formschön, aus Holz mit Astlöchern. Sieht aus, als ob ihn ein Archivar aus seinem Privatbad mitgebracht hat.

 

Außerdem hat es hier auch einen Seifenspender. Nein! Stop… Es gab einmal diesen Seifenspender. Aber inzwischen ist man zu einem anderen Modell übergegangen. Das immerhin den Bedürfnissen von Archivnutzern sehr entgegenkommt: nicht parfümierte, möglichst schonende neutro-Flüssigseife! Die steht da so neben dem Waserhahn und droht immer herunter zu rutschen. Tut sie dann aber in der Regel doch nicht…

Es ist alles durchdacht: Denn nicht einmal das Licht überanstrengt die empfindlichen Augen der Bücherwürmer…

Und wofür dieses Rohr ist, weiß keiner… Wozu auch… Lieber nicht fragen. Solange Wasser aus dem Hahn kommt!

Aber es ist ja im Grunde alles gut. Das Gerät, das einem behilflich sein soll, die Hände zu trocknen, wird von Siemens hergestellt. Und es ist erstaunlich, dass doch fast alle, etwas Toilettenpapier abreißen, um sich damit notdürftig die Hände abzutrocknen. Tss, deutsche Markenware hält doch noch, was sie verspricht… Oder?

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