Piazza San Pietro / Petersplatz

Das Castel Sant’Angelo, die Engelsburg ist mein Lieblingsgebäude in Rom. Es gibt aber auch noch andere Kategorien. Der Lieblingsplatz ist irgendwie der Petersplatz. Dabei suche ich immerzu in der Stadt herum, mag einige andere Plätze ebenfalls gern. Aber keiner kommt an den Petersplatz heran. Dabei ist er, seitdem ich in Rom bin, eigentlich eine Dauerbaustelle. Zugestellt, als Parkplatz oder als Postfiliale missbraucht… Trotzdem fasziniert es mich, dass sich dieser ovale Platz so plötzlich eröffnet, wenn man durch die Arkaden kommt. Und das tue ich oft, weil ich meistens an der Bushaltestelle „Porta Cavaleggeri“ aussteige und dann zu Fuß über den Petersplatz in Richtung Tiber laufe.

Der Platz gehört noch zum Staatsgebiet des Vatikanstaats. Die Kolonnaden markieren die Grenze zu Italien. Ok, der Campo Santo Teutonico steht mitten im Vatikan und ist auch auf italienischem Staatsgebiet, aber diese Spitzfindigkeiten lasse ich jetzt erstmal außen vor. Der Platz vor der Fassade von Sankt Peter wurde – so wie wir ihn heute noch sehen können – unter Papst Alexander VII. (zählen Sie ‚mal, wie oft der Name an, auf, unter, neben dem Petersplatz in Stein gemeißelt zu finden ist!) angelegt. Der Architekt war der berühmte Barockkünstler Gian Lorenzo Bernini.

Der Platz ist oval, also in Form einer Ellipse konzipiert, die auf zwei Seiten von Säulengängen umfasst wird. Bernini wird zugeschrieben, dass

die Kirche Petri sozusagen die Mutter aller anderen Kirchen ist und sie daher Kolonnaden haben muss, die wie mit mütterlich ausgebreiteten Armen die Katholiken aufnehmen, um sie in ihrem Glauben zu bestärken, die Irrgläubigen, um sie der Kirche zuzuführen und die Ungläubigen, um sie im wahren Glauben zu erleuchten.

Es gibt zum Glück genug Platz um diese ganzen Schäflein aufzunehmen, denn die Fläche beträgt etwa 35.300 m² und der Platz ist an seiner breitesten Stelle 240m lang. Unmittelbar vor der Fassade des Petersdoms schließt sich die trapezförmige Piazza Retta an, die etwas abschüssig ist, um den Blick auf die religiösen Feiern zu ermöglichen und um die Fassade optisch in die Ferne zu rücken. Klappt ganz gut. Zwischen den beiden Brunnen und dem Obelisken in der Mitte des Platzes markieren zwei runde Marmortafeln im Pflaster die Brennpunkte der Ellipse. Von dort aus sieht man die Säulen wie in einer Reihe stehen.

Übrigens wurde zur Zeit Kaiser Konstantins um 326 die erste Petersbasilika  über der Grabstätte des Apostels errichtet. Damals scheint lediglich eine freie Fläche vor der Kirche gewesen zu sein. Von einer Platzanlage kann nicht die Rede sein.Erst im 5. Jahrhundert wurde auf dem Vorplatz ein Brunnen errichtet, der dann aus der Fläche eine Art Platz machte. Folge: erstmals wird auch von einem „Platz“ vor de Basilika gesprochen. Jahrhunderte werden übersprungen und bevor Papst Nikolaus V. Mitte des 15. Jahrhunderts erste städtebauliche Maßnahmen koordinieren ließ, riss man unter Papst Bonifaz IX. einige Gebäude ab, so dass der Platz bis an die Leoninische Mauer heranreichte.

Was man heute leicht vergisst, wenn man den Platz auf sich wirken lässt, sind zwei Dinge: Erstens plante Bernini ursprünglich noch einen dritten Kolonnadenbogen, der den Platz vollkommen eingerahmt hätte. Das hätte einen typischen barocken Baueffekt mit sich gebracht, weil die Pilger, Kirchgänger und sonstige Besucher des Platzes unvermittelt aus dem Gassengewirr in die Kolonnaden und mit einem Wow!-Effekt direkt auf den Platz getreten wären.

Weil Alexander VII. 1667 starb, wurden diese Pläne nicht mehr weiter verfolgt. Gerade wegen der erwähnten engen Bebauung des Borgo, eines der historischen Hotelviertel der Stadt Rom, kam der Effekt aber fast automatisch durch die Gebäuderiegel der normalen Bebauung zustande. Zweitens war es dann die Anlage der Via della Conciliazione, die unter Mussolini angelegt wurde, die diesen Effekt zugunsten einer geradlinigen Blickachse zunichte macht. Aber auch so immer noch ein wunderbarer Platz, den so leicht nichts entstellen kann!

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