Italienische Orte: der öffentliche Bus oder: ATAC Roma

In der Wochenzeitung DIE ZEIT gibt es auf der letzten Seite, die so rosa eingefärbt ist wie CORRIERE DELLO SPORT (scusatemi!) LA GAZETTA DELLO SPORT eine Rubrik, in der Leserinnen und Leser mit dem zu Wort kommen, was ihr Leben reicher macht.

La Gazzetta Sportiva

Vor ein oder zwei Wochen habe ich dort gelesen, dass es für jemanden, der in Cannes/Frankreich lebt, besonders schön sei, dass die Leute sich dort beim Busfahrer bedanken, wenn sie aussteigen. Der Leser wollte das so natürlich auch nicht einfach stehen lassen, sondern kommentierte süffisant, so etwas stelle möge man sich ‚mal in Deutschland vorstellen. Lassen wir die ewigen Vergleichereien einmal außen vor… Ja, auch ich bedanke mich bei meinen römischen Busfahrern zuweilen, wenn ich aussteige. Bevorzugt, wenn ich nach 21Uhr mit dem Bus unterwegs bin. Denn dann bedanke ich mich dafür, dass der „autista“ – der italienische Name für den Busfahrer – ausnahmsweise nicht voller Elan und Schwung an meiner Haltestelle vorbeigefahren ist, sondern auch tatsächlich angehalten hat. Das quittiere ich dann mit einem „grazie!“, während ich aussteige. Dabei kann ich den Fahrer auch nicht anlächeln, denn ich muss ja in der Regel aufpassen, dass ich es schaffe, vom Bus aus bis zum Gehsteig zu springen.

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Prinzipiell reicht aber ein Blick auf dieses herzerwärmende Foto links, um zu bestätigen: Auch römische Busse sind inzwischen nicht mehr zwangsläufig rappelnde, knatternde und nur noch durch Rost und Farbe zusammengehaltene Gefahren auf Rädern. Nein, meine Strecke ist sogar die, auf der zuerst die neuen Mercedes-Busse zum Einsatz gekommen sind. Linie 881 war auserkoren worden, die neuen Busse mit Ansage der Haltestellen, neuer Federung und Klimaanlage zu testen… Ein Gefühl! Unbeschreiblich! Allerdings auch nur im Vergleich zu den sonstigen Bussen. Denn die glänzen eben immer noch mit abenteuerlichen Mängeln. Neulich bin ich mit einem Freund  verabredet gewesen. Wir wollten an der Piazza Fiume ins Kino. Das ist eigentlich eine ganz bequeme Sache für mich.

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Ich steige bei mir zu Hause in die Buslinie 495 und fahre über den Corso d’Italia hinauf zum Treffpunkt. Es regnete in Strömen und ich habe den Schirm möglichst schnell eingefaltet, um in kürzester Zeit in den trockenen Bus springen zu können. Das Übel konnte ich von außen ja nicht ahnen… Der Bus hatte nämlich diverse Löcher im Dach. Es regnete hinein. Wäre das einfach nur ein blöder Film gewesen, hätten alle Leute sicherlich amüsiert ihre Schirme im Bus aufgespannt. In Wirklichkeit funktioniert das nicht:

a) zu eng

b) tropft dann der Regen an den Seiten herunter und der nächstbesten Oma in den Kragen

c) wie soll man beim wackelnden Bus in voller Fahrt mit dem Schirm balancieren?!?

Vergnüglich war immerhin, dass es im vorderen Teil des Busses eigentlich wohl (von oben) trocken blieb. Nur schoss das Wasser, das sich im hinteren Teil in der Dachabdeckung gesammelt hatte, bei jeder scharfen Bremsung gesammelt nach vorn und entlud sich dort schubweise über einem älteren Herrn mit Zeitung. Ein Bild für die Götter!

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Ansonsten sind die Busse einfach oft nur nicht dort, wo man sie braucht. Sie fahren gern zu dritt hintereinander, um sich gegenseitig überholen oder an Ampeln ein Schwätzchen halten zu können. Oder sie machen sich auf den Weg ins Depot, wenn man sie ‚mal wirklich dringend bräuchte (s.o.). Eingehalten wird der Fahrplan aber bis auf die Minute, wenn der Bus an der Capolinea steht und ca. 35 Insassen darauf warten, dass es losgeht… Da kann dann schonmal die 12. Minute zur Qual werden. Für die 35, nicht für die 36. am Steuer…

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Aber ich komme mit dem Verkehr in Rom – meistens – gut zurecht. Heute war wieder sciopero – also Streik – aber es fuhren erstaunlich viele Busse. Später habe ich dann erfahren, dass ausnahmsweise nur die Regionalzüge bestreikt wurden, die Busse hingegen regulär fuhren. Meistens ist es genau andersrum. Gibt man übrigens das deutsche Wort „Busfahrer“ in eines der herkömmlichsten deutsch-italienisch online-Wörterbücher ein, erhält man als Beispielsatz ungefragt: „Morgen streiken die Busfahrer“ – Aber man darf auch nichts sagen. Es wird zur Zeit viel gemacht.

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Allüberall werden Gehwege angelegt. Breite, schöne, auf die dann vielleicht sogar ‚mal ein Kinderwagen passt. Gestern bin ich auf dem Weg ins Archiv allerdings auf eine lose Gehwegplatte getreten, unter der sich bei der morgendlichen Sintflut ein See gebildet hatte. Ergebnis I: bis zum Feierabend nasser Schuh und feuchte Hose bis zum Knie… Ergebnis II: mein permanentes Niesen störte heute meine Bürokollegin kolossal. Aber die Baustellen geben ja Anlass zu Hoffnung! Für die Gehwege und meine Erkältungen! Oder wie heißt das credo im römischen Straßenverkehr? Immer nach vorne schauen – hinten gibts nicht! In diesem Sinne: es ist grün!

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