Verkehrsprobleme in und um Prati

Es ist eigentlich ganz schön lange her, dass ich vor lauter Überforderung davor war, in Tränen auszubrechen. Das passiert. Keine Frage. Mir passiert es zum Beispiel, wenn man mich nach zu vielen Details fragt, wenn ich doch nur einen einfachen Salat bestellen wollte. „Dressing? To go, to stay? Mit Gabel, ohne, Pilze? Mais? Im Plastikpott oder doch mit gestärkter Serviette?“ – dann fange ich an zu weinen… Heute ist es mir aber in meinem ureigensten Hoheitsgebiet passiert: im Auto!

Ich fahre gern in Rom mit dem Auto. Der Verkehr liegt mir… Die Strafzettel waren bislang immer völlig ungerechtfertigt! Und zum Flughafen und zurück findet mein kleines Wägelchen eigentlich schon völlig von allein wie die zahlreichen Kurzparkscheine belegen…

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Aber heute musste ich erst nach Prati und dann direkt zum Flughafen. Und die Voraussetzungen waren von Anfang an nicht besonders erquicklich. Nachdem ich in den letzten Wochen vorrangig im Dunkeln mit dem Auto unterwegs war, habe ich erst heute früh bemerkt, dass es immer noch ins Auto hineinregnet. Seitdem man mir auf einem Parkplatz eine mittelgroße Beule in den Kotflügel gefahren und sich dann ohne gentile notizia hinter der Windschutzscheibe einfach verkrümelt hat, regnet es nämlich hinein. Irgendeine Dichtung muss es verzogen haben. Bei normalem Landregen hält sich das in Grenzen. Bei der üblichen römischen Sintflut hingegen, bei der in vier Stunden die Niederschlagsmenge herunterprasselt, die in London übers ganze Jahr verteilt ist, wird es im Wagen recht nass. Und das trocknet im Winter kaum.

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Zeitungspapier auf dem Boden nützt auch nicht viel und so habe ich heute früh beim Einsteigen bemerkt, dass es eher schlimmer als besser geworden ist. Nicht gut. Aber ich wollte ja jetzt erstmal einen Freund in Prati abholen und anschließend mit Geschenken beladen zum Flughafen bringen. Gesagt, getan…

DSC_0010Normalerweise fahre ich einen kleinen Umweg über die Via Baldo degli Ubaldi, aber da es sich dort bereits wieder staute, habe ich gedacht, ich kann auch über die Aurelia Nuova fahren und von dort über Valle Aurelia sogar noch Kilometer sparen. Der Plan war gut, die Umsetzung scheiterte an einer Absperrung des Parkplatzes, über den ich hätte fahren müssen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als eine Kolonne von macchine anzuführen, die sich hinter mir an der Vatikanischen Mauer entlangschlängelte. Die einzige Möglichkeit, in die Ecke zu kommen, in die ich wollte, wäre eine Vollbremsung mit Linksabbiegen gewesen, aber das verhinderten (Straßenschilder hatten nicht im Vorfeld angekündigt, dass es an dieser einen einzigen Stelle nach links ginge) zahlreiche Motorini, die in diesem Moment an mir vorbeischossen. Mist! Dass es anschließend nie wieder eine Möglichkeit geben würde, nach links abzubiegen, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen. Gar nicht gut! – Ahnungslos machte ich mich also auf den halben Weg nach Florenz. Erst hupend hinter einem Italiener hinterher, der am Steuer seines Fiat eine sms tippte, dann einmal um die Piazza Risorgimento herum und rechts in Richtung Metro Ottaviano. Aber auch dort: geradeaus und rechts.

Ok, also erstmal geradeaus und den Plan gefasst: nächste Straße rechts und dann halt IMG_0155irgendwie umdrehen, wenden , whatever. Haha, das geht aber nicht, wenn die einzige Abbiegeoption in einer 2,05 m breiten Straße besteht, die zu beiden Seiten eng beparkt ist. Noch dazu bot mir die Straßenverkehrsführung nur die Möglichkeit, einmal um den Block zu fahren und mich wieder vor Ottaviano zu sehen. Ok, leicht bis mittelschwer angefressen konnte ich an einer roten Ampel das Handy herauskramen und Bescheid geben, dass es knapp wird. Immerhin hat mein Amaturenbrett keine Uhr, so dass man nicht auch noch nervös schaut, wie spät es bereits ist. Kurz und gut: Ich habe nach weiteren 10 Minuten Prati voller irrwitziger Romtouristen am Steuer (das können keine Römer gewesen sein!) beschlossen, einem Wagen zu folgen, der entgegen allen Vorgaben rechts abbog… Einziges Problem: zu kreuzen war ein Radweg und alle Radfahrer, die an diesem zweiten Weihnachtstag in DSC_0297Rom unterwegs waren, radelten munter durch Prati. Vielleicht waren es auch Ausläufer der Tour de France für Senioren, jedenfalls war ein älterer Herr dabei, der doch allen Ernstes feixend mit einer Kamera ein Video drehte und mir auf Englisch zubrüllte, das sei verboooten und er werde mich melden!!! Zu gern hätte ich in dem Moment, mein Auto einfach stehen gelassen, wäre ausgestiegen und hätte ihn zum Zweikampf gefordert. Nur er und ich, kein Rad, kein Auto…

Aber das war jedenfalls der Moment, in dem ich beschloss, dass es langt. Nach weiteren gefühlten 10 Minuten kam ich zwar dann doch dort an, wo ich schon gefühlte Stunden vorher hatte einbiegen wollte. Aber ich bin sofort auf den Beifahrersitz gerutscht und habe das Steuer überlassen. Der Stadtverkehr an sich kann soo viel Spaß machen. Aber die Beschilderung ist unglaublich besch…en. So sehr, dass man sich fragt, ob sie nicht doch einfach alle Schilder in den Tiber werfen sollten. Oder man kommt doch auf die Idee zurück, auch für Fußgänger einen Einbahnstraßenverkehr einzurichten. Wieso auch nicht? In den 1930er Jahren wurde das in einigen Stellungnahmen als der Fortschritt im römischen Verkehrsknäuel gepriesen!

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3 Kommentare zu „Verkehrsprobleme in und um Prati“

    1. Ich glaube Celentano bezieht sich damit auf irgendwelche „prati“ (= Wiesen)… In Rom heißt so aber auch einfach der Stadtteil aus dem 19. Jahrhundert, der sich an den Borgo um den Vatikan anschließt. Aber wer weiß, wo Celentano seine festa angedacht hat 😉

      1. Jau:
        „Eine Partei auf dem Rasen
        Ein gutes Unternehmen Sandwiches,
        Wein, viel lacht
        Und hellen Augen der Mädchen in der Liebe
        Aber was für ein schöner Tag
        Wir sind alle gute Freunde
        Aber wer weiß, warum dies morgen zu Ende
        Ich möchte wissen, warum wir uns morgen hasse“ (mit Bing übersetzt)

        Partei ist cool übersetzt. Aber besser als lange blättern….

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