Wohnungssuche hüben wie drüben

Mein Zeitvertrag in Rom endet im Mai. Nach einer zweiwöchigen Verlängerungsoption habe ich – stolz wie ich bin – gar nicht erst gefragt. Mein Vertrag endet nämlich etwas blöd zur Mitte des Monats. Es wäre ja möglich gewesen, den Vertrag um zwei Wochen zu verlängern, um die Anschlussverträge dann zum ersten es nächsten Monats beginnen lassen zu können… Aber das ist eine andere Geschichte. Im Vordergrund steht die Wohnungssuche. Ich suche eine Wohnung mit zwei Zimmern und Küche und Bad und der avvocato – der Rechtsanwalt, dessen Kanzlei im Stockwerk unter meiner römischen Wohnung ist – hat im Gegenzug ein Auge auf meine römische Wohnung geworfen.

Palazzo

Ob mein Appartment jetzt unbedingt für einen Anwalt mit wehendem Brioni-Mantel und florierender Kanzlei angemessen ist? Vielleicht gerade ‚mal der Marmorboden… Die Fenster lassen sich nicht richtig schließen, es zieht bei mittelstarkem Wind durchs Wohnzimmer, das Bad I ist in einem akzeptablen, aber etwas ruinösen Zustand, das Bad II ist nicht wirklich zu empfehlen, auch wenn man die alten Abflussrohre mit dem richtigen Raumduft nicht mehr ganz so stark wahrnimmt. Zunächst dachte ich also, dass sich der avvocato dafür interessiert, weil er ein paar Büroräume hinzugewinnen möchte. Als mein portiere Miguel klingelte und fragte, ob der avvocato vielleicht ‚mal einen Blick in meine Wohnung werfen dürfe, wurde aber schnell klar, dass es vielmehr um eine Privatwohnung für das Anwaltsehepaar gehen sollte.

Ein Herr mit meliertem, welligem Haar, sehr schönem dunklem Mantel, eine Brille mehr in der Hand (selbstverständlich an einem Bügel, so leicht in der Hand schwenkend)  als auf der Nase… Zunächst bedankte er sich formvollendet, dass er in meine Wohnung darf, um sich ein bisschen umzusehen. Es war nicht wirklich aufgeräumt. Alles picobello! Außer den Papierstapeln im Arbeitszimmer, das aussah wie es halt kurz vor der Abgabe eines Aufsatzes aussieht… Aber er war höflich genug, das zu ignorieren. Umso erstaunter war er in der schlecht geschnittenen Küche, weil er gar nicht verstehen konnte, dass ich meine Waschmaschine neben dem Spültisch angeschlossen habe. So etwas, erklärte er mir, sei doch für die Spülmaschine. Niemals niemals niemals habe eine italienische Ehefrau – also la moglie perfetta – die Waschmaschine in der Küche. So was gehöre sich nicht, so etwas sei unpraktisch und überhaupt, wo sei denn der echte Waschmaschinenanschluss. Meine Privileg-Waschmaschine ignorierte er und tat sie als Fehler ab: da hätte halt eine Spülmaschine hingehört. Aber die Abstellkammer, die wars! L’avvocato konnte zwar wegen meinen vier Sommerreifen und ca. 8-12 Umzugskartons rein gar nichts sehen, aber da musste ja der gesuchte Anschluss sein. Witzigerweise ist da keiner. Wirklich nicht. Nada. Niente. Nicht die Spur eines Waschmaschinenanschlusses. Das ist ein absolut trockenes Abstellkämmerchen. Aber in den Augen vom avvocato war alles klar: la tedesca hatte halt nicht verstanden, wie man mit italienischen Wohnungen umgeht…

Auditorium

Aber anstatt mir weitere Lektionen zu geben, um zur richtigen italienischen Ehefrau werden zu können, fragte er mich nur noch, wie hoch die Miete denn im Monat sei. Anschließend verzog er eine Augenbraue und man sah ihm förmlich an, wie er sich freute, dass es jetzt ans Verhandeln gehen würde. Sein letzter Satz war nur noch: „Grazie per tutto – jetzt gehe ich zu den Vermietern und verhandele. Der Preis geht ja gar nicht!“ Es geht also weiter. Vorgestern stand wohl dann auch des Anwalts moglie vor meiner Haustür. Unangemeldet selbstverständlich. Da ich gar nicht da war, kam ein Anruf meiner Freundin, die gerade in meiner Wohnung war… Ob es ok wäre, wenn la moglie ebenfalls eine Besichtigung vornähme. Sì, sì, wenn die beiden sich tatsächlich entscheiden, direkt über die Kanzlei zu ziehen, um den Arbeitsweg abzukürzen (und die Arbeit quasi nach Hause zu holen), soll es mir ja nur recht sein. Denn dann müssen nicht noch Horden anderer Interessierter durch meine heiligen vier Wände stapfen…

Und um meine eigene Wohnungssuche geht es dann beim nächsten Mal! To be continued…

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