Rom: Ankündigung eines Rücktritts

Petersdom_Kuppel2012

Gestern hat – überraschend für viele – Papst Benedikt XVI. in Rom seinen Rücktritt für den 28. Februar um 20Uhr angekündigt. Zu Ostern soll es bereits einen neuen Pontifex geben. In Rom gab es gestern kein anderes Gesprächsthema mehr. Auch heute gibt es nicht viel anderes. In meiner „Bar um die Ecke“ liegt immer ein kostenloses Blättchen aus, das heute mit dem Titel Nuntio chok aufwartete… Mit dem Cappuccino kamen auch gleich die Fragen. Ich sei doch tedesca? Was ich denn zum Rücktritt des Papstes sage. – Ich schätze Bars, in denen ich morgens ohne große Gespräche einfach nur einen caffè und ein cornetto bekomme. Aber das konnte ich jetzt ja auch schlecht loswerden. Fabio ließ sich nicht abspeisen. In seinen Augen sei das in großer Entschluss, ein weiser Mann. Wer komme jetzt? – Ich habe gesagt, dass es mir ähnlich gehe, dass ich auch schlicht traurig sei, soviel Respekt ich vor der Entscheidung des Papstes habe. Basta! Ich hatte wirklich keine Lust auf solche Themen vor dem Frühstück und außerdem warteten zu Hause bereits die idraulici, um das Dach zu reparieren.

Was halte ich denn nun von dieser überraschenden Ankündigung des Rücktritts? Ich muss ganz ehrlich sagen, es machte mich gestern in erster Linie traurig… Irgendwie ist Benedikt XVI. einfach „mein“ Papst! So ein großer Schreck war die Nachricht für mich nicht. Dass ein Rücktritt prinzipiell in Frage kam, hatte sich abgezeichnet. Aber ich bin doch überrascht gewesen, dass der Papst diesen Schritt jetzt so rasch vollziehen möchte. Gleichzeitig bewundere ich seinen Mut und seine Konsequenz, das Amt niederzulegen. In einem Blog hieß es heute Vormittag, Benedikt XVI. sei „beispielhaft bescheiden“ – ja, das schon. Aber doch auch traurig, selbst wenn es schön ist, dass er seinen Pontifikat mit einer derart verantwortungsvollen und höchsten Respekt verdienenden Entscheidung krönt.

Es nieselt schon wieder. Ein ungewöhnlich feiner, sanfter Regen, dessen Tropfen in der Sonne glitzern. Wahrscheinlich, damit auch die letzten standhaften Journalisten sich jetzt ‚mal langsam überlegen, ob sie nicht ihre Zelte wieder abbauen. Der Papst lebt ja noch. Alles kann jetzt eine Spur weniger hektisch und euphorisch angegangen werden als bei der letzten Neuwahl. Und überhaupt: bis zum 28. Februar 2013 um 20Uhr ist Benedikt XVI. natürlich Papst. Solange kann auch noch kein Konklave einberufen werden. Vielleicht reisen die Journalistenscharen ja sogar nochmal wieder zurück in ihre Heimat und kommen dann ein zweites Mal.

Ob die nächsten Krisen jetzt immer mit der Forderung einhergehen, der Papst solle abtreten? Ich glaube nicht. Aber Benedikt XVI. hat ein souveränes, beeindruckendes Zeichen gesetzt. Das Amt ist wichtiger als die Person. Quapropter bene conscius ponderis huius actus plena libertate declaro me ministerio Episcopi Romae, Successoris Sancti Petri, mihi per manus Cardinalium die 19 aprilis MMV commissum renuntiare. Worte wie in Stein gemeißelt, das stimmt. Er ist ein Papst des Wortes. Darin ist er mir – auch als Protestantin – sehr nah.

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