Makler und Termine…

Marmorboden

Das hier ist mein römischer Fußboden. Marmor. Im Sommer wunderbar. Im Winter viel zu kalt. Zum Glück habe ich im Schlafzimmer einen Holzboden… Noch! In drei Monaten ziehe ich aus. Und es lässt sich auch nicht mehr länger ignorieren, denn vorgestern stand die Maklerin wieder in der Tür, die mir vor etwas mehr als drei Jahren die Wohnung vermittelt hatte. Sie entschuldigte sich schon im Vorfeld zig Mal, denn sie wolle nicht stören. Aber Fotos müssten gemacht werden, ein paar Interessenten hätte sie bereits an der Hand. Es klingt fast so, als ob mein avvocato die Vermieter nicht herunterhandelt konnte und ich also doch noch Scharen von potentiellen Nachmietern durch meine vier Wände führen muss.

Zunächst stand aber nun Alessandra wieder vor mir. Ich hätte sie fast nicht erkannt. Sie wirkte viel moppeliger, erschöpfter als noch vor drei Jahren. Das letzte Mal hatten wir uns gesehen, als sie wie ein Zerberus vor meiner Wohnungstür saß. Ok, sie saß vor dem Eingang zu meiner Wohnung und bewachte einen Filzvorhang. Denn die Handwerker, die eine porta blindata einbauen sollten, hatten zwar erfolgreich die Tür ausgebaut, aber noch keine neue eingebaut. Stattdessen hängten sie einen Vorgang in de Türrahmen und erklärten, sie kämen dann so gegen Abend wieder. Da ich in der Probezeit nicht einfach meine fehlende Eingangstür bewachen konnte, sprang in diesem Fall die Maklerin ein. Überhaupt sind Makler und Wohnung hier in Rom enger miteinander verbunden als auf dem deutschen Immobilienmarkt.

salottoWenn es Probleme zwischen Mietern und Vermietern zu schlichten gibt, wendet man sich in der Regel an den Makler! Ich konnte das kaum glauben, habe mich also eher zögernd via eMail an Signora Alessandra gewandt, als ich wegen des tropfenden Wohnzimmers nicht mehr so recht aus noch ein wusste. Und sie kümmerte sich tatsächlich. Sofort. Kompetent. Bemüht. Als sie dann vorgestern mit Kamera und sichtlich abgehetzt, weil sie keinen Parkplatz gefunden hatte, vor der Tür stand, war sie seit drei Jahren das erste Mal wieder in der Wohnung. Und sichtlich positiv überrascht. Ihr gefiel mein „Einrichtungsstil“ – auch wenn ich mich frage: Welcher Stil?! Es war aufgeräumt, ok. Mit Einschränkung: Mein Schreibtisch und das Arbeitszimmer sahen eher aus wie mittleres Inferno! Aber selbst meine wurschtelige Küche gefiel ihr gut. Meine Handtaschensammlung im Flur sowieso. Und richtig rührend war, dass sie mir erklärte, ich hätte mich sehr verändert! Sie staunte, sah mich an und meinte dann, ich sei so viel italienischer geworden! Come sempre … un po‘ come Audrey ‚epburn, però con italianità, capisci?! – Ein großes Kompliment, wenn eine Italienerin sagt, man sei so italienisch… Und Audrey Hepburn ist seit „Ein Herz und eine Krone“ vermutlich auch eher in der Kategorie complimenti! Dabei hat sie mich halt nur ein paar Mal mit einem engen schwarzen Rollkragenpulli und/oder Rock gesehen. Wenn das schon reicht…

Alessandra machte also ihre Fotos, fragte, was denn die idraulici da auf dem Dach anstellten und notierte sich fleißig, dass ich das Sofa und einen weißen Wohnzimmerschrank, der eigentlich ein IKEA-Küchenschrank ist, gern an die Nachmieter verkaufen würde. Dann fragte sie noch, was ich denn zum Rücktritt des Papstes sage, denn als tedesca wäre ich ja quasi auf Du und Du mit Benedikt… Sie ließ mich auch kaum ausreden, es ging ja eigentlich nur darum, dass sie selbst gern loswerden wollte, wie beeindruckend, coraggioso und bescheiden sie diese Entscheidung fand.

Mir wird Benedikt fehlen, mir wird meine Wohnung fehlen, ja selbst das leidige Sintflutwetter in Rom. Schwere Zeiten… – Umbrüche sind einfach nichts für mich!

Regen in Rom

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2 Kommentare zu „Makler und Termine…“

  1. Ach, ich kann Deinen momentanen Seelenzustand gut nachfühlen! Ich wünsche Dir schöne letzte Wochen in Rom und einen aufregenden Neustart, der Dich ablenken wird!

    Die Sache mit dem Marmorfußboden sehe ich genauso. Jetzt im Winter ist er schrecklich. Ich habe Luigi schon gesagt, dass wir definitiv auch Teppiche haben werden. ich mag nämlich keine Hausschuhe, aber im Winter auf Marmor kann man einfach nicht anders.

    1. Danke! Hier in Rom wird ja auch genug los sein, um mich abzulenken… Und das mit den Hausschuhen ist richtig! Nicht einmal die dicksten selbstgestrickten Socken helfen da. Marmorboden ist a…kalt!

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