Römische Wachsfiguren: kein must-see!

Giovanni Paolo IIEs gibt auch in Rom ein Wachsfigurenkabinett. Es ist sogar an zentraler Stelle zu finden, nicht weit von der Gregoriana und der Piazza Venezia. Ich habe es mir vor kurzem ‚mal angesehen und muss hier leider feststellen: Es lohnt sich nicht unbedingt. Es sei denn, man möchte die Entwicklung der Wachsfiguren ausgehend von den 1960er Jahren bis heute analysieren. Dieser Zweck macht einen Besuch fast unumgänglich. Denn es stehen nicht nur im Eingangsbereich drei verschiedene Figuren mit drei verschiedenen Techniken. Das ganze Museum – das im Übrigen winzig ist! – zeigt alte Figuren aus den 1960er und 1970er Jahren, deren Technik und Ähnlichkeit mit den Vorbildern nicht so recht überzeugt, neben zehn Jahre alten und vergleichsweise modernen Figuren. Allerdings sind die neuesten Figuren, die Obama, Papst Benedikt XVI. (leider besonders schlecht getroffen) und den Fußballspieler Totti zeigen, nicht notwendig auch die besonders gelungenen! Im Gegenteil: Man wird den Eindruck nicht los, dass es schlicht und einfach an den Künstlern liegt, die ihr Handwerk entweder gut oder gelinde gesagt miserabel verstehen.

Interessant war es allerdings, zu sehen, wie die Wachsfiguren entstehen. Dass zunächst bozzetti erstellt werden, dass jeder Wachsfigur eine gegossene Skulptur zugrundeliegt, auf der das Wachs dann erst aufgetragen wird. Das Inkarnat also nur als dünne Oberfläche. Damit es nicht schmilzt, wird das Museum auf einer konstanten, kühlen Temperatur gehalten. Das mag im Sommer ein richtiger Gewinn sein! Die Auswahl ist mitunter auch etwas unverständlich… Da steht Past Johannes XXIII. direkt neben Mussolini. Das Räumchen mit den Diktatoren Europas zeigt in einer Ecke dann Alcide De Gasperi (eigentlich Degasperi) und Luigi Sturzo… Ob die sich darüber gefreut hätten?!

Regalbord Museo delle Cere

Witzig ist allerdings, wie beobachtet man sich automatisch fühlt, wenn man plötzlich zahlreichen Wachsfiguren gegenübersteht. Die Werkbänke, die verschiedene Hände zeigen, die den Puppen nur noch angeschraubt zu werden brauchen, wirken vergleichsweise martialisch. Für mich, die ich noch nie in einem Wachsfigurenkabinett gewesen bin, hat sich der Besuch also doch gelohnt. Nur steht der Preis von 9 Euro in keinem Verhältnis zum Museum. 2,50 Euro hätten es auch getan und wären weit angemessener.

Bezeichnend ist allerdings wie dem – in aller Regel doch italienischen – Besucher das Charisma von Napoleon Bonaparte verdeutlicht wird. Der Korse erscheint als eine jüngere Version von Silvio Berlusconi: gut gebräunt, den Blick fest in eine unbestimmte Ferne gerichtet, das Haar sitzt! Ob er so die Franzosen für sich hätte gewinnen können, mag fraglich sein. Allen Klischees zufolge hätte er die Italiener sicherlich auf seiner Seite!

Napoleon Bonaparte Museo delle Cere

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4 Kommentare zu „Römische Wachsfiguren: kein must-see!“

  1. Die Figuren sind echt nicht gut gelungen, um es milde auszudrücken. 9 EUR dafür zu bezahlen um zu sehen wie manch ein bekiffter „Künstler“ billige Kerzen schmolz um aus den gewonnen Wachs diese Gestalten zu formen (die übrigens gut genug aussehen um damit Kinder zu erschrecken) ist wirklich ein No-Go für einen Besucher der ewigen Stadt! Da hat Rom wesentlich mehr zu bieten als dieses Gruselkabinett. Übrigens…ich werde hier öfters vorbei schauen, denn Rom ist für mich die erste Adresse wenn es darum geht eine pulsierende Großstadt an eigener Haut zu spüren.

  2. Ich war einmal bei Madame Tussauds in London. Handwerklich sicherlich eine gelungene Sache, aber es hat mir irgendwie nichts gegeben. Von daher ist es auch gut, wenn man weiß, was man in einer Stadt nicht unbedingt zu sehen braucht.

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