RomAdvisor: Aperitivo in Jazz

Cinema47Aller guten Dinge sind drei: Nach dem Wachsfiguren-Kabinett und dem gestrigen Abend frage ich mich deshalb, was der dritte Reinfall in Folge sein wird! Ich hatte bei einem Bummel durch den Rione Monti gesehen, dass es in einer Bar im Januar und Februar verschiedene Jazz-Abende gibt. Mit Tram-Jazz habe ich in Rom bereits gute Erfahrungen gemacht. Jazz erinnert mich immer an die USA. So, why not?! Kurzentschlossen haben wir also nachgefragt, ob man denn vorbestellen müsste. Die Kellnerin war gewieft genug, um uns zu versichern, dass wir das natürlich tun könnten, wenn wir in der ersten Reihe sitzen wollten. Aber eine gewisse Verwunderung war ihr anzumerken. Hätten wir doch nur diese ersten Zeichen richtig gedeutet. Noch etwas unentschlossen, haben wir also erst später angerufen, zwei Plätze bestellt und uns dann gestern Abend rechtzeitig auf den Weg gemacht.

Ambiente_Cinema47

Vorgesehen war beim Aperitivo in Jazz ein alkoholhaltiges Kaltgetränk – offeriert wurde erstmal nur Wein – und dazu eben Jazz… Da ich Hunger mitgebracht hatte, sind wir erst noch zum Aperitivo-Aperitivo gegangen. Direkt an der Metro „Cavour“ gibt es eine kleine Kneipe, in der ein reichhaltiges Pasta-Buffet mit Aperitivo angeboten wird. Die Auswahl war recht gut. Ich bin satt geworden und weil der zweite Teller sauber geblieben war, haben wir auch nur für ein Essen gezahlt! Wunderbar, untergehakt und ab zum ziel des Abends: Cinema47 in der – kreative Namensgebung zählt nicht zu den Kernkompetenzen der Betreiber! – Via Urbana, 47!

Bar a RomaHier hätten wir bereits die zweiten, dritten und vierten Zeichen deuten können, ja deuten sollen! Also um es gleich vorwegzunehmen: Ohne eine Club-Card ging schonmal gar nichts. Wir müssten eine Mitgliedskarte erwerben, mit der wir dann die nächsten zwei Monate in den Genuss all der kulturellen Angebote kommen, die das Cinema47 zu bieten hat! Leichte Verwunderung… Aber ok, 5 Euro pro Person und wir bekamen ein Kärtchen, das mit meinem bis dato kümmerlichsten Papierausweis* problemlos konkurrieren kann… (*dem Ausweis der örtlichen Videothek in Eichstätt aus den 1990er Jahren) Va be‘ – wir durften also unsere neuen Mitgliedsausweise einstecken und anschließend passieren. Hinein ins Verderben Hinterstübchen. Uns empfing … gewollte Lässigkeit mit Werkstattcharakter!

Wir waren die ersten, will sagen: die einzigen! Unsere Kellnerin erkannte uns auch gleichwieder und wies uns die beiden Plätze in der ersten Reihe zu. Natürlich waren wir die einzigen, die auf die Idee gekommen waren, zu reservieren… Völlig unnötig! Wir

Spraybotschaft_VOTA BERLUSCONI

ließen uns einen Weißwein und einen Brandy bringen und setzten uns erst nochmal auf die Ledersofas im Eingangsbereich. Die einzige Musik, die zu hören war, kam aus der Konserve. Nicht einmal besonders gute. Jedenfalls kein Jazz… Das Licht wurde immerhin auf schummerig geschaltet. Wir fragten trotzdem lieber nach: Die Musiker?! Wir bleiben doch nicht die einzigen Gäste? Dooooch, es kämen naturalmente noch andere Besucher und die Musiker seien halt noch beim Essen – im ristorante nebenan. Und überhaupt: pazienza!

Man glaube aber nicht, dass uns auch eine entsprechende pazienza entgegen gebracht worden wäre! Kaum standen die Gläser auf dem Tisch, flitzte der junge Mann, der eben noch die Clubausweise gebastelt hatte, zu uns und verlangte die 12 Euro fürs Getränk. Immerhin 12 Euro für Wein und Brandy zusammen! Das ist aber nur ein schwacher Trost gewesen.

Soweit so gut. Dann passierte eine ganze lange Weile nichts. Den Fehler meines Lebens machte ich vielleicht in dem Moment, in dem ich zwei Touristen, die neugierig um die Ecke schauten, darüber informierte, dass hier schon längst ein kleines Jazz-Konzert hätte beginnen sollen. Sie blieben… Werde ich deswegen jetzt in die Hölle kommen? Ungefähr eine Stunde nachdem es hatte losgehen sollen, trudelten langsam zwei, drei Damen ein… Gäste? Musiker? Sollte es nicht ein Giuliani sein, der spielt? Zwischenfazit: Suchen Sie Anschluss an mittelalte kulturinteressierte Römerinnen, dann ist Cinema47 genau das Richtige. Sie müssen sich allerdings durch einen Abend quälen, der viel verspricht, wenig hält und schon gar keinen live Jazz präsentiert.

Glas Wein

Fragen Sie vorher, ob der Musiker auch spielt! Und spezifizieren Sie: spielt er live?! Der Saxophonist, der schließlich etwa 90 Minuten zu spät die kleine Programmbühne betrat, spielte … nicht! Wieso auch? Schließlich ist er Italiens größter Wurf im modernen Jazz! So jedenfalls seine eigene bescheidene Meinung. Und da er uns mitteilte, dass er für die Aufnahme seines letzten Albums für eine Woche nach New York eingeladen worden sei, muss da natürlich was dran sein! Wer wird sonst  e i n g e l a d e n ?! Bei so einem Superstar muss ein desinteressiertes Interview ausreichen.

Der Betreiber des Cinema47 – der Interviewpartner – hatte sich im Sinne eines guten Zusammenspiels ebenfalls nicht(!) vorbereitet. Wozu auch?

Ein Zettel mit ein paar Fragen sollte reichen, um den Abend zu bestreiten. Noch dachten wir ja, das sei ein etwas missglückter Einstieg, an dessen Ende der Musiker zum Saxophon greift. Ein überzeugender Musiker will doch schließlich seine Kunst am Instrument vorführen. Oder? ODER? Sagen wir so: Rosario wollte nicht. Zumindest nicht gestern Abend! Er nuschelte sich ein paar Antworten zurecht. Mal mehr (selten), mal weniger (öfter) interessant, aber immer im Brustton der Überzeugung des einzig wahren italienischen Jazzmusikers. Denn überhaupt sei ja Italien – heute – das Land des Jazz. Was Miles Davis und Co. vor längerem bereits ausgeformt hätten, sei eben in Italien verspätet angekommen, so dass er jetzt quasi derjenige sei, der dem Jazz seine freschezza, seine modernità gebe… Obwohl ich keine Musikkritikerin bin und ich mich ggf. auch eines Besseren belehren lasse: Ich bezweifle das! Vielleicht war ich gestern aber auch einfach zu mimosig…

Mimosen, Rom

Von den vier Musikstücken, die uns dann doch immerhin auf CD vorgespielt wurden, war eines ganz ok. Der Rest höchstens herkömmlich… Um 22Uhr haben wir uns angeschaut, unsere Taschen gepackt und sind schlicht gegangen. Prinzipiell scheut man sich ja, wenn es die Paradeplätze in der ersten Reihe sind, die dann leer bleiben… Aber weder der Musiker-des-Jahrhunderts, noch der Cinema47-Mann hatten bis dahin auch nur einen Blick ans Publikum gerichtet. Obwohl… ich will ‚mal nicht so sein: Zu Beginn begrüßte der Herr des Hauses und lobte, dass so viele Gäste gekommen seien. Beim letzten Mal wären sie zu zweit geblieben und dieses Mal seien ja doch zehn Leute gekommen! Schwups, nach kürzester Zeit waren es dann nur noch acht! Und ich verwette meine rechte Hand, dass wir damit einen Exodus ausgelöst haben. Finaler Ratschlag: ein schnuckeliger Abend bei Mac Donalds mit Jazzlounge vom Band ist allemal empfehlenswerter als das normale Programm bei Cinema47! Allerdings gibt es dort immerhin free wifi. Hier das Passwort: cinema47. Viel Spaß beim Surfen! Anderes Entertainment wird man dort kaum erwarten dürfen.

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Ein Gedanke zu „RomAdvisor: Aperitivo in Jazz“

  1. „Pazienza“ kann ich schon nicht mehr hören. Da stellen sich bei mir sämtliche Nackenhärchen auf.

    Allerdings dürte mit den drei Reinfällen die Pechsträhne jetzt vorbei sein, also unternimm‘ doch mal wieder etwas. 😉

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