Dramen im Fahrstuhl oder: Makler und Termine II

FahrstuhlFahrstühle in Italien haben oft noch kleine schnörkelige Metallgitter. Doppelte Außentüren, die per Hand geschlossen werden müssen, damit sich der Fahrstuhl überhaupt in Bewegung setzt. Einige haben noch kleine mit Leder bezogene Sitzbänke im Inneren. Mein Fahrstuhl hat nichts dergleichen. Er ist so eng, dass ich ihn nicht benutze, wenn der Kettenraucher aus dem zweiten Stock gerade eingestiegen ist. Hätte man den Brad Pitt des Universums, den ultimativen Lieblingsmann neben sich, dann heißt die Devise natürlich: Ab in meinen Fahrstuhl! Da ist es so eng, dass man sich im Handumdrehen näher kommt!

Mein Drama im Fahrstuhl hat allerdings nichts mit Enge, nichts mit Steckenbleiben und auch nichts mit Traummännern zu tun! Alle Gedanken in diese Richtung bitte streichen! Ersetzt Brad Pitt einfach durch eine ältere Dame Mitte 60 mit Pelzmantel und zu viel Make-Up. Aber sie hatte gut sitzendes Haar, frisch onduliert und eine leicht getönte Ray-Ban-Sonnenbrille auf den Kopf geschoben. Für ihr Alter also ausgesprochen stylish. So,  dann seid ihr in meinem Fahrstuhl! Gestern Abend lernte ich nämlich dort die Ehefrau des avvocato aus dem dritten Stock kennen. Nennen wir sie Madam

WohnungssucheAls ich müde, nassgeregnet und mit einer Tasche mit schweren Büchern unter dem Arm nach Hause kam, folgten mir zwei Frauen durch das Tor. Sie klingelten. Also hielt ich sie zunächst für Klienten, denn gesehen hatte ich beide noch nicht. Eine jüngere Frau in meinem Alter und Madam. Ich hielt die Fahrstuhltür auf und fragte, in welches Stockwerk sie denn wollten: „Terzo piano!“ Ok, gedrückt. Ich müsse halt in den vierten und würde dann weiterfahren. Schon war das Interesse geweckt. Madam schob die Regensonnenbrille ins Haar, strahlte mich an und stellte fest, dass ich dann die Signorina sein müsse, deren Wohnung sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem avvocato, vor wenigen Wochen in meiner Abwesenheit besichtigen durfte. Ja, genau. Erfreutes Händeschütteln folgte und ich machte den Fehler des Abends, indem ich frage, wie es denn ihrer Ansicht nach nun weitergehe. Ob die Wohnung für sie in Frage käme. Ob sie glaube, dass die Waschmaschine in meiner Abstellkammer eine heimelige Umgebung hätte etc. Jetzt wurde es ernst. Der Blick verfinsterte sich! Madam holte tief Luft…

Die junge Frau – wir steckten allen Ernstes zu dritt in dem kleinen Fahrstuhl (vgl. Foto I)  – entpuppte sich jetzt als Tochter von avvocato und Madam übernahm die Rolle des beipflichtenden Ja-Sagers und nickte eifrig zu allen Worten ihrer Mutter. Denn Madam kriegte sich gar nicht mehr ein. Die Wohnung sei prinzipiell natürlich ganz wunderbar und so nah an der Arbeit ihres Mannes wäre alles so kommod und angenehm und der Parkplatz vor der Tür. Aber die Vermieter hätten ja nicht einmal mit ihrem Mann über den Mietpreis gesprochen. Sie seien einfach nicht erwünscht. Man hätte sich diversamente entschieden, hieß es von Seiten der Vermieterinnen. „Diversameeeeente!!“ wiederholte Madam und reckte ihren Zeigefinger in die Luft, als ob sie dem Fahrstuhl ein Loch in seine niedrige Decke bohren wollte. Was das denn bitte für eine Ausrede sei. Man sei ihnen nicht gut genug?!? Ein avvocato wohlgemerkt sei ihr Mann, ein avvocato!

Vermutlich werde ich nie erfahren, ob sie versucht hätte, ihre Waschmaschine in der absolut anschlusslosen Abstellkammer anzuschließen. Denn dazu kommt es ja nun nicht mehr. Wir standen noch 5 Minuten halb im, halb außerhalb des Fahrstuhls. Meine Arme wurden mir lang (die Bücher waren so schwer) und ich erfuhr alle Details des unverschämten Gesprächs bzw. Nicht-Gesprächs mit den uuuntragbaren Vermieterinnen. Vermutlich haben die geschäftstüchtigen Damen einfach nur verstanden, dass sie tunlichst wieder nach zahlungskräftigen Ausländern suchen sollten, anstatt sich einen italienischen Advokaten einzubrocken, der im Zweifel auch noch weiß, was ihm zusteht… Es wird also in eine weitere Runde gehen. Meine Maklerin rief mich heute früh an und sagte, es gäbe Mitbürger, die Interesse an der Wohnung hätten: Deutsche!

Durchsicht

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2 Kommentare zu „Dramen im Fahrstuhl oder: Makler und Termine II“

  1. Tja, ich hatte auch ein wenig erfreuliches (zumindest aus meiner Perspektive) Abenteuer vor paar Tagen in einem Aufzug als ich mit zwei Frauen in der Kabine gefangen wurde…seitdem weiß ich wie gesund es manchmal ist, die Treppe zu nehmen 🙂

  2. Vermutlich wieder jemand, der mehrere Jahre braucht, um sich zu italienisieren, und die von Dir beschriebenen Zustände daher noch eine ganze Weile ertragen wird. 😉

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