Konklave: Es hat begonnen!

Kuppel

Wen wundert es, wenn die Journalisten jetzt langsam schon keine Lust mehr haben. Seit Tagen stehen diese großen Gerüstgerippe vor dem Petersplatz und am Ende der Via Conciliazione, damit die Fernsehkameras einen guten Blick auf die Fassade des Petersdoms haben – und natürlich auf die Sixtinische Kapelle. Das am häufigsten fotografierte Detail der Sixtina ist wohl zur Zeit der Schornstein, aus dem heute zum ersten Mal während dieses Konklaves schwarzer Rauch gequollen ist: Die 115 Kardinäle haben sich also noch nicht auf einen Papst einigen können.

Sixtinische Kapelle SchornsteinNun, anders war es auch nicht zu erwarten. Trotzdem habe ich heute Abend eine lange halbe Stunde frierend auf dem nassen Petersplatz gestanden. Ich hatte mich mit einer Freundin gegen halb sieben verabredet, um zunächst Schuhe anschauen zu gehen (für sie – erstanden habe dann ich welche!) und anschließend Essen zu gehen. Erstaunt war ich, wie viele Menschen gegen viertel vor sieben dann auf den kalten, nassen, dunklen Petersplatz strömten. Die minimale Wahrscheinlichkeit, dass es doch nach nur einem Wahlgang weißer Rauch sein könnte? Einfach nur da sein? Was es auch immer ist, es waren nicht nur Touristen und Gelegenheitsbesucher. Ganze Schulklassen, Familien, Nonnen, Römer…

Es ist natürlich dunkel am Abend. Es ist daher extra angekündigt worden, dass der Rauch beleuchtet sein wird, damit man das Ergebnis auch zweifelsfrei beurteilen könne. Ich bin aber gegangen, bevor der Rauch herauskam. Es war einfach zu kalt! Es hat den ganzen Tag geregnet, der Boden war nass und es war anzunehmen, dass man auch an der Fernreaktion hätte erahnen können, was passiert. Wäre schwarzer Rauch – was ja dann auch zu sehen war – aus dem Schornstein gekommen, hätte sicherlich ein allgemeines Raunen eingesetzt. Wäre völlig unerwartet doch weißer Rauch in den Himmel gestiegen, hätte es erst ein lautes, überraschtes, weithin hörbares Hallo gegeben und dann Totenstille, weil die Hälfte vor Schreck/Überraschung/Überforderung in Ohnmacht gefallen wäre. Soweit der Plan! Jenseits der Piazza Risorgimento haben wir dann aber schlicht gar nichts gehört. War aber auch ok. Eigentlich sogar ganz angenehm.

kalte Füße

Es wird nämlich sonst an jeder Ecke gequatscht und gequasselt, was die Mikros hergeben. Als ich an St. Peter aus dem Bus stieg, stand dort bereits eine spanische Journalistin bereit, die einen x-beliebigen Kleriker mit „Scusi, Padre, Padre!“ bedrängte, um ihm ein paar ebenso x-beliebige Antworten auf nicht-gestellte Fragen zu entlocken. Sympathischerweise beschleunigte Signor PadrePadre seine Schritte und hielt einfach ‚mal den Mund.

Interviews KonklaveDas ist leider nicht jedem in die Wiege gelegt. Denn angesichts von mehr als 5.000 akkreditierten Journalisten in der Stadt wird selbst der kauzigste Pilger noch interviewt, bevor er eine Dusche gesehen hat. Ich habe mir also in der Mittagspause ein  Vergnügen daraus gemacht, eine halbe Stunde über den Petersplatz zu bummeln und die Leute zu beobachten, wie sie unbekannte Monsignore um ein Foto bitten,  Nönnchen zuwinken und sich plötzlich katholischer fühlen als je zuvor in ihrem Leben. Radiosender geben inzwischen schon Listen aus, auf denen nachzulesen ist, welche Antworten man bitte nicht geben möge, wenn man z.B. gefragt werde, was dieses Konklave jetzt so besonders mache. Dass der letzte Papst noch lebt, sei allgemein bekannt und solche Binsenweisheiten hat man halt schon 3.649.462mal aufgezeichnet. Allora, endlich ‚mal ein bisschen Abwechslung!

Abwechslung übrigens auch bei uns im Haus. Denn die Frau meines Portiere arbeitet für einen der italienischen Kardinäle. Ja, genau. Die moglie des bewährten Pförtners aus Ecuador. Sie hat jetzt ‚mal außer der Reihe frei. Heute früh ging sie noch mit den anderen Bürokollegen und dem Kardinal – wenn wohl auch mit etwas Abstand zum Kardinal selbst – in die Messe. Jetzt ist der Chef eingesperrt und muss in sich gehen, um den richtigen Nachfolger Benedikts XVI. zu wählen. Seine Angestellten wiederum haben ein bisschen Ruhe vor dem möglichen Sturm danach. Auf diese Weise greift das Konklave eben doch in den ganz normalen römischen Alltag ein. Sei es in meinem Wohnhaus. Sei es in den überfüllten Bussen oder wenn man feststellt, dass selbst im Terminal-Ristorante im Gianicolo ein Pressezentrum eingerichtet worden ist.

Wann es wohl heißt „Habemus papam!“? Vor übermorgen wohl kaum. Aber bitte spätestens am Sonnabend, denn ich muss doch Montag/Dienstag zu einer kurzen Recherchereise nach Venedig. Und ich will eigentlich nicht für den Rest meines Lebens auf die Frage „Du warst doch während des sagenumwobenen alle überraschenden Konklave damals 2013 in Rom dabei, nicht wahr?!“ antworten müssen, dass ich eigentlich theoretisch schon dabei gewesen wäre, wenn halt nicht eine Reise nach Venedig angestanden hätte… Also: Ich habe natürlich wie jeder andere meine ganz persönlichen Wünsche, Vorstellungen und Hoffnungen für und auf den nächsten Papst… In erster Linie wünsche ich mir aber, dass die Kardinäle sich vor dem Sonntag auf einen Kandidaten einigen können. Und dann: Ab auf den Balkon da…

Balkon, Petersdom

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2 Kommentare zu „Konklave: Es hat begonnen!“

  1. Ja, so früh! Und nun steht meiner Recherchereise nach Venedig ja auch nichts mehr im Weg. Muss da nämlich nochmal ein paar Akten nachsehen und hatte die Zugtickets schon gebucht.

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