Der Tag danach

Frühlingsblüher

In Rom war heute die häufigste Frage: „Warst du gestern auch am Petersplatz?!“ – Ins Detail gingen eigentlich nur die Journalisten. Ansonsten hatte ich mich, hatten sich offensichtlich auch meine Kollegen schon direkt nach der Bekanntgabe des neuen Papstes ausgesprochen… Es blieb also bei den Fragen nach dem wo, wann, wie lange? Die meisten meiner Kollegen waren noch im Institut, von dort ist es schon noch ein gutes Stück zum Vatikan. Ich war eigentlich auf dem Weg zu einer ganze anderen Ecke von Rom, aber kriegte die Nachricht, dass weißer Rauch aus dem Schornstein gekommen sei, just in dem Moment, in dem meine Metro durch Prati fuhr. Sehr praktisch so etwas. Zu Anfang waren wir uns auch gar nicht ganz sicher: Stimmt das? Fehlalarm? Es gab noch so viele Menschen, die uns entgegen kamen. Ihre Aktentasche in der Hand, ganz normal auf dem Heimweg. Aber innerhalb von 5 Minuten änderte sich das Bild. Kaum hatten die sms die Runde gemacht, jubelten junge Leute in ihre Handys und flitzen gen Petersplatz. Zwischen Rauch und Verkündigung des „Habemus papam!“ vergehet aber schon noch eine Stunde. Irgendein Naseweis sprach von 20 Minuten. Bertone hatte bei einer Pressekonferenz im Vorfeld allerdings zu Protokoll gegeben: Nachdem der weiße Rauch aufgestiegen ist, habe man noch 45 Minuten, um zum Petersplatz zu kommen. Das war optimistisch. Es dauert dann wohl doch etwas länger. Oder es fühlt sich draußen, im Dunkeln, bei Nieselregen einfach nur viel länger an!

Konklave PetersplatzEs war auch gar nicht so voll und gar nicht so jubelig, wie die Fernsehbilder es vermitteln wollen. Ich stand gemütlich mit 3m freiem Platz vor mir, wenigen Pärchen neben und hinter mir am hinteren Ende des Platzes. Dabei hatte ich auch noch gute Sicht auf zwei der Großbildschirme und den Balkon des eigentlichen Geschehens! Die Nönnchen schräg hinter mir waren zwar ganz ergriffen, aber ansonsten waren wir zwanzig Personen wohl eher das gefasste Eck. Der Name sagte uns erstmal gar nix. Ein junger Mann mit internetfähigem Handy war also die Rettung, denn er konnte immerhin vermelden: „Un Argentino!“ Boh… Ok. Ein bisschen heikel war eigentlich nur das Unterfangen, nach dem Segen wieder vom Platz zu kommen. Die Gitter waren nicht an den Stellen geöffnet, an denen sonst die Tore sind. Wir mussten uns also gemeinschaftlich behelfen, indem wir einfach eine Lücke zwischen zwei Absperrgittern geschaffen haben. Denn so herzerwärmend fand ich es nun nicht, dass ich aufgehört hätte, zu frieren… Ab nach Hause war die Devise! Herausfinden, ob Francesco denn wirklich Ordensmann ist. Tee. Ruhe. Feststellen, dass alle Printmedien nur voneinander abgeschrieben haben und es eigentlich wenig informatives gab, außer dass ein Bescheidenheitsmythos die Runde zu machen begann, das war dann die Abendbeschäftigung. Ich bin gespannt auf die nächsten Wochen mit Franz.

Engel

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