Melagrana

Der Baum heißt melagrano, die Frucht melagrana! Und ich weiß immer noch nicht so genau, wie man das Zeug eigentlich isst!

GranatäpfelVielleicht sollte man so ’nen Granatapfel einfach nur von außen betrachten? Innen besteht er aus vielen mittelkleinen Körnern. Daher auch der Name. Mela ist ja nach wie vor im Italienischen Apfel und grana leitet sich eben vom lateinischen granum [Sg.] – grana [Pl.] für Körner ab. Witzigerweise habe ich erst beim Nachschlagen gelernt, dass der lateinische Name für den Granatapfel auch Punica ist. Also wie der Safthersteller… Ob die im Blick hatten, dass die Punier – also die Phönizier im antiken Römischen Reich – diese Bäume besonders zahlreich anpflanzen und die Früchte aus religiösen Gründen verbreiteten? Vermutlich steckte da ein wirklich guter Marketingexperte dahinter, der insbesondere Althistoriker als Zielgruppe für den Saftmarkt entdeckt hatte!

Ich bin eigentlich nur draufgekommen, weil es am Campo de‘ Fiori in Rom nicht nur frisch gepressten Orangensaft gibt. Den gibt es ja in jeder Bar: klassische spremuta! Am Campo de‘ Fiori wird jetzt aber auch zunehmend frisch gepresster Granatapfelsaft angeboten. Getraut habe ich mich noch nicht. Bin kein Fan des doch sehr herben melagrana. Aber ich muss es wohl doch nochmal testen. Wer weiß, vielleicht schmeckt der Saft ja großartig. Sonst ist der Markt um das Denkmal von Giordano Bruno herum ja auch bekannt für seine leckeren Spezialitäten… Der Stand ist jedenfalls, wenn man vom Corso Vittorio Emmanuele kommt, direkt links am Weg zur Piazza Farnese. Gegenüber vom Zeitungskiosk und zwei Blumenständen. Nicht zu verfehlen. Man stolpert quasi direkt über die Holzkisten mit den Granatäpfeln.

Campo de' Fiori_2013

Und wenn man dann eh schonmal da ist, sollte man sich den Blick in den Innenhof der Essigmacher nicht entgehen lassen. Am Anfang der Via dei Pellegrini befindet sich ein Durchgang, der Arco degli Acetari (Bogen/Durchgang der Essigmacher) heißt und auf den ich hier im Blog schonmal aufmerksam gemacht habe. Anscheinend wird dort inzwischen Arco degli Acetari_2013im Erdgeschoss sogar ein bezahlbares Appartment für Touristen vermietet. Es scheint ruhig zu sein, was ich nur glaube, wenn keine amerikanischen Studentengruppen die kleinen Bars um die Ecke bevölkern. Aber das Bad wird in verschiedenen Touri-Portalen als „Witz“ bezeichnet, weil es wohl winzig ist und etwas renovierungsbedürftig. Aber wer Lust hat, direkt im Centro Storico zu wohnen und weniger als 100 Euro auszugeben, der wäre hier richtig! Eine Idee der mittelalterlichen Bebauung vermittelt der Innenhof auf jeden Fall. Und das Mittelalter kommt in der Wahrnehmung Roms ja oft zu kurz, weil der Fokus viel zu schnell auf der glorreichen Antike oder der immer noch prägenden Barockzeit liegt…

Sonstiges: Granatäpfel sind vielfach ein Symbol der Liebe, der Fruchtbarkeit und auch der Unsterblichkeit. In der christlichen Kirche wurde der Granatapfel zu einem Symbol für Jesus Christus. Der Granatapfel ist aber genauso ein Symbol für Macht (vgl. Reichsapfel), Blut und Tod. Die Granate hat ihren Namen vom Granatapfel. Und der Schmuckstein Granat natürlich wegen seiner dunkelroten Farbe auch. Und apropos Rom: Auf dem Campo Santo Teutonico liegt der deutsche Schriftsteller Stefan Andres begraben, der 1950 einen Gedichtband mit dem Titel „Der Granatapfel“ veröffentlicht hat (Piper, München). Das reicht jetzt aber an Smalltalkthemen. Lasst es Euch schmecken!

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2 Kommentare zu „Melagrana“

  1. Ich pule Stück für Stück die Schale ab, bis ich mit den Händen die Kerne reihenweise herausbrechen kann. Wenn die Hand voll ist, kommen sie in den Mund. Das macht ein unheimliche Schmadderei und ist auf jeden Fall nur in abwaschbarer Umgebung und abgetragenen Klamotten zu empfehlen. Außerdem spucke ich die durchgekauten Kerne überwiegend wieder aus, was auch kein schönes Bild macht.

    Aber ich finde Granatäpfel eben sehr, sehr lecker. 🙂

    1. Ah, jetzt bin ich schon etwas mehr im Bilde… Erinnert mich an meine Reise nach Singapur. Da steckt man so Garnelen am Spieß gern komplett in den Mund, um den Kopf dann wieder auf den Boden neben sich zu spucken. Dagegen ist ein Granatapfel mit dem Herumgepule eigentlich eine total feine Sache!

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