Hunde II

Ausblick

Stylish, aber orientierungslos!? Hunde und Römer sind eine ganz eigene Geschichte! Und dieser kleine Wuschel, der mir heute früh in der Nähe des Campo de‘ Fiori mit seinem Herrchen entgegenkam, ist nur einer von vielen…

Cave canem – Hüte dich vor dem Hund! Wer kennt nicht das berühmte Mosaik, das einen Hund an einer roten Leine zeigt. Beweis dafür, dass Hunde bereits in der Antike als Haustiere vom Menschen an die Leine gelegt wurden? Ja. Und noch viel mehr! Denn bereits vom Alten Ägypten haben antike Dichter überliefert, dass sie Trauer trugen, wenn ihre Hunde starben. Der Philosoph und Politiker Cicero, dessen Rhetorik noch heute so manche Lateinschüler ins Schwitzen bringt, betrachtete den Hund in seinem De natura deorum (45 v. Chr.) als Nutztier, aber auch als treuen Begleiter seines Herrn. Das lateinische catellus für „Hündchen“ wurde sogar als Kosename – nicht nur für Hunde, sondern auch für geliebte Menschen! – verwendet. Und reiche Römer ließen sich Accessoires für ihre Hunde ein kleines Vermögen kosten. Halsbänder aus Gold oder Koralle lassen sich nachweisen. Einige Hunde wurden sogar ehrenvoll bestattet und erhielten ein eigenes Grabmal in der Nähe der Familienmitglieder.

Mehr dazu hier.

Ging die Beziehung zwischen Mensch und Hund im Alten Rom bereits über reine Zweckgemeinschaften hinaus, so ist der Hund im heutigen Rom fast schon etwas wie ein vollwertiges und völlig verhätscheltes Familienmitglied! Wie viele Römer Hunde halten, ganz egal wie klein ihre appartamenti auch sein mögen, ist mir gleich zu Beginn meiner Zeit in Rom aufgefallen. Denn in meinem kleinen Wohngebiet war es vor drei Jahren noch üblich, dass der portiere allmorgendlich die Hinterlassenschaften der Hunde auf dem Gehweg mit einem Wasserschlauch in den Gulli spritzte. Sauberkeit und Ordnung. Tolle Sache! Grundsätzlich sollten die Hundehalter auch hier in Rom Säckchen dabeihaben und sich hinter ihren Vierbeinern bücken. In meiner Gegend passiert das allerdings ausgesprochen selten. Inzwischen haben leider auch die Pförtner aufgehört, hinterherzusäubern. Der Weg zu meinem Gartentor kann daher ein rechter Slalom sein…

Accessoires für den Hund

Im Winter sieht man zudem kaum noch Hunde ohne modische Jäckchen und Westchen! Knallige Farben sind diese Saison besonders angesagt und nicht selten werden die Viecherlein getragen. Manche Westen sehen aus, als ob zwei Großmütter sich in einen Strickmarathon gewagt hätten. Aber die meisten sind gekauft und glitzern. Hündinnen kriegen die langen Haare nicht so keck ins Gesicht gehängt wie der Wuschel. Für sie gibt es ja noch die rosafarbenen Spangen und Klemmen, die eine Art Ponyfrisur ermöglichen. Sollten Frühlingstemperaturen leider Gottes die Westchen und Jäckchen zur Qual für den Vierbeiner werden lassen, bleibt immerhin noch die modische Variationsmöglichkeit der Hundeleine. Inzwischen ist es ja üblich, sie nicht mehr um den Hals zu binden, sondern das Hundegeschirr um die Vorderläufe zu schnallen. Auch hier sind den Farben keine Grenzen gesetzt. Dackel erfreuen sich übrigens besonderer Beliebtheit! Kurzhaardackel in Teak-Optik passen anscheinend zum Mobiliar der klassisch eingerichteten Altbauwohnungen. [Eine ganz bestimmte im Ghetto habe ich bildlich vor Augen… der bassotto dort ist der eigentlich Herr im Haus! Aber sind Dackel das nicht eigentlich immer?!] Jedenfalls sieht man diese Dackel im centro storico auffällig oft. Auch der Mops hat natürlich weiterhin seine Liebhaber. Ganz nach Loriots Motto „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos!“

Hundegeschirr

So viele Hunde wie man in Rom allenthalben sieht, ist es übrigens erstaunlich, dass maximal zwei Hunde pro Bus erlaubt sind. Und nur so am Rande: ich habe auch noch nie mehr Hunde pro Bus gesehen… Blindenhunde sind die einzigen, die überhaupt ohne biglietto in der Metro oder in Bussen mitgeführt werden dürfen. Prinzipiell gilt laut Beförderungsordnung der ATAC – dem römischen Verkehrsverbund – auch ein Maulkorbzwang. Der scheint aber eher lax gehandhabt zu werden. Die meisten römischen Hunde werden ohne an der Leine geführt und sind durch den normalen Verkehrswahnsinn auch recht gelassen… Die wenigen Spielplätze, die es in Rom gibt, haben meistens nur ein kleines abgezäuntes Gebiet, auf dem Hunde frei laufen gelassen werden können. Die großen Parks wollen erst einmal mit dem Auto erreicht sein. Eigentlich ein Hundeleben für so ’nen Vierbeiner. Immerhin sind die meisten Touristen vernünftig genug, ihren besten Freund zu Hause zu lassen und nicht der Hektik einer Großstadt wie Rom auszusetzen.

Rom + Verkehr

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