Müllfrauen II

Die Müllfrauen lassen mich nicht so richtig los. Ich hab sie ja schon immer bestaunt, bewundert, beobachtet… Aber seitdem ein Freund meinte, sie seien stolz darauf, diese schöne Stadt sauber zu halten, versuche ich auch noch dieser These auf die Spur zu kommen. Vielleicht ist das sogar der entscheidende Aspekt. Jedenfalls für die Putzerei im centro storico! Denn gerade auf der Piazza Farnese, in der Via Giulia und auf den Tiberbrücken werden sie natürlich bei ihrer Arbeit von zig Touristen beobachtet. Will sagen (s.o.): bestaunt, bewundert und beobachtet. Ich will ja gar nicht erst wissen, wie viele Touristen genau solche Paparazzifotos schießen wie ich… Da will man natürlich auch entsprechend hübsch zurechtgemacht sein. Als ledige Müllfrau vielleicht sogar gleich nochmal so sehr!

Müllfrauen RomUnd dass zum normalen Stolz des Römers auf seine Stadt bei einer solchen Tätigkeit, die das intensive Säubern der Kopfsteinpflasterzwischenräume ebenso vorsieht wie das Kehren der Marmorstufen vor diversen Kirchen, nochmal ein ganz besonderer Stolz hinzukommt, liegt zumindest nahe… Erklärt ist aber noch nicht, wieso die Müllfrauen auch in den Außenbezirken so eine hübsche Figur abgeben!? Denn da beobachtet sie – außer mir – nun wirklich kein Mensch! Und – so leid es mir jetzt auch tut! – die Römerinnen sind nunmal nicht alle immer hübsch, adrett, modisch gekleidet und sorgfältig manikürt. Das ist dann eben doch nur ein Topos der Reiseführer nordalpiner Verlage. So wie sich die Römer alle überschlagen, wenn sie nach einem Kurzurlaub in München von den hübschen Bayerinnen schwärmen, so hält sich eben hartnäckig die Mär, dass die Römerinnen alle so wunderbar hübsch und beeindruckend seien. Halten wir fest: Die Müllfrauen sind und bleiben ein Phänomen, das aus der Menge hervorsticht! Und sollte ich meine Floristin um die Ecke ‚mal dazu bewegen können, dass ich ein Porträtbild von ihr machen darf, dann ergänze ich meine Studie italienischer Berufe gern mit einer Reflexion über Springerstiefel tragende mürrisch dreinschauende Floristinnen in Latzhosen und mit strähnigem Haar… Eine geborene Römerin übrigens, wie ich mir bereits versichern ließ!

Tulpenbaumblüte

 

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3 Kommentare zu „Müllfrauen II“

  1. Seit Deinem ersten Müllfrauenartikel habe ich mal ganz besonders darauf geachtet, aber hier gibt’s nur Müllmänner. … was mir in den letzten Tagen hingegen an den Süditalienerinnen aufgefallen ist, ist, dass sie sich in viel zu enge Hosen zwängen und dazu auch zu enge Shirts tragen. Auf der anderen Seite ist hier plötzlich die Hälfte der weiblichen Verwandtschaft auf Diät, wobei ich mir denke, dass man sich dahingehend viel ersparen könnte, wenn man nicht immer erst um acht Uhr zu Abend essen würde.

    Schön, dass Du noch eine Verlängerung bekommen hast; wo es gerade so schönes Wetter geworden ist. 🙂

  2. Ja, genau… Aber da mein Vertrag bis Ende des Monats verlängert wurde, hab ich den Countdown jetzt gleich noch angepasst. Wie mir das durchrutschen konnte… unverzeihlich! Bin immer noch krank und kann Rom nur durchs Fenster des salotto anschauen. Seufz.

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