Zurück zum Tee?

Back to TeaIn Deutschland bin ich täglich verleitet, einfach still und leise zum Tee zurückzukehren. Ich habe bis Mitte 20 eigentlich nichts anderes als Tee getrunken. Bei meinem ersten Romaufenthalt mit 25 bin ich dafür noch milde belächelt worden. Man kommt auch kaum zurecht in Rom: Trinken die anderen schnell einen caffè wäre es vermessen, einen Tee zu bestellen, der erst noch ziehen muss, dann zu heiß ist, dann langsam Trinktemperatur bekommt… – da sind ja die anderen schon längst wieder am Schreibtisch gewesen. Ein Deutschrömer sagte damals zu mir, als ich immerhin latte macchiato mit extra viel Milch bestellte, dass man in Rom halt mit dem Kaffeegenuss überhaupt erst die Soziabilität erlange. Gut, gut, guuuut… Point taken!

Und langsam kam ich dahinter… Allerdings schmeckt mir caffè – also espresso – aus den Nescafé-Maschinchen noch immer nicht so gut wie ein gezuckerter caffè aus einer dieser großen Bar-Apparate, die schon von weitem silbern und messingfarben leuchten, mindestens sieben caffè gleichzeitig zubereiten können und die genau neben den kleinen kreisrunden Spülmaschinen aufgestellt sind, die eigentlich ununterbrochen zu laufen scheinen. Hach!

Ein Bruch mit den Bars und dem cremigen Cappuccinoschaum? Nein! Ich habe hier nämlich gestern einen sehr anständigen deutschen Cappuccino bekommen. Trotz des luftigen Milchschaums hatte er wenigstens eine Schokoladenblumen oben drauf und mit der Schokolade stellte sich dann auch das entsprechend römische Cappuccio-Gefühl bei mir ein. Wenn das so einfach geht!? Nein, es gehört mehr dazu… Und bevor ihr aus meinen Beteuerungen, dass man an jeder x-beliebigen Autobahnraststätte hervorragenden caffè bekommt, ableitet, dass Gleiches auch für x-beliebige Bars in und um Rom gilt, dann muss ich Euch warnen. Gerade in touristifizierten Vierteln wird der caffé manchmal schon mit so viel Nachlässigkeit zubereitet, dass man lieber zum deutschen Filterkaffee greifen sollte. Aber nicht verzweifeln… Hier eine kleine Liste, die gern erweitert werden kann!

Bars a Roma

Nicht fehlen dürfen wirklich die beiden großen Bars, die im centro storico nicht weit vom Pantheon gelegen sind: „Tazza d’Oro“ und „Sant’Eustacchio“ – beide rösten den Kaffee auch selbst und bieten Kaffeebohnen zum Verkauf an. Ob der dann zu Hause noch genauso schmeckt wie in der Bar?! Probiert es aus…

Tazza d’Oro, Via degli Orfani, 84 (Roma)

* Steht man vor dem Pantheon und blickt auf die Fassade, dann findet sich Tazza d’Oro links einige Meter in Richtung Monte Citorio. Wenn ihr granita noch nicht kennt und es ist heiß, bestellt Euch eine granita und lasst Euch überraschen. Die ist bei Tazza d’Oro wirklich empfehlenswert!

Sant’Eustacchio, Piazza di Sant’Eustachio, 82 (Roma)

* Gleich um die Ecke. Steht man vor dem Pantheon und blickt es an, dann spiegelt Tazza d’Oro und geht in die rechte hintere Ecke, an einem Papiergeschäft rechts in die Querstraße. Man sieht dann nach wenigen Metern die Kirche S. Eustacchio mit dem Hirschkopf mit einem christlichen Kreuz zwischen den Geweihstangen. Die Kirche verweist auf den Märtyrer und Nothelfer Eustachius [der Standhafte/Standfeste] und die Bar, die ebenfalls ihren selbstgerösteten Kaffee vertreibt, führt den Hirsch mit Kreuz als Signet. Bestellt einen caffè al banco. Er ist bereits gezuckert und leider ist es der beste der Stadt… Leider, denn ich bin immer wieder enttäuscht von der (Un-)Freundlichkeit der barista. Solltet ihr ‚mal einen vollen Cappuccino umwerfen und die Tasse auf dem Boden zerbrechen, dann wünscht ihr, es wäre ein anderes Lokal! Ich spreche da aus Erfahrung. Aber auch wenn man ganz harmlos und freundlich seinen caffè genießen möchte, ist Freundlichkeit nicht unbedingt zu erwarten. Probiert stattdessen die mit Schokolade überzogenen Kaffeebohnen. Mmmm, ein Traum! (– und ein schönes Mitbringsel!)

Wer nebenbei auch noch einen Blick auf die Einrichtung und den Fußboden (wenn nicht zu voll) werfen kann: Die Einrichtung und insbesondere auch der Marmorboden sind noch von 1938, als die Bar eröffnet wurde.

Ebenfalls empfehlenswert ist – wir bleiben im Viertel – das Emporio della Pace. Gegenüber vom ungleich teureren und romantisch verklärten „Caffè della Pace“ (was so ein bisschen Efeu ausmacht!) an der Piazza Santa Maria della Pace. Es ist ein in Rom seltener Mix aus Buchhandlung, Bar, Café und Kommune. Man kann dort sogar bei einem cappuccino deutlich länger in den samtroten Sesseln sitzen bleiben, lesen oder im Internet surfen, als man für den Verzehr des Getränks bräuchte. DAS ist in Rom nicht unbedingt üblich. Umso lieber habe ich mich dort ins Emporio della Pace gesetzt. Und mit Glück kriegt ihr abends den Platz an der geöffneten Fensterfront, sitzt wie auf der Piazza und genießen für 5 Euro einen Spritz Aperol mit ein paar Nüsschen und Kartoffelchips. 75m weiter tobt die Piazza Navona mit ganz anderen Preisen…

Und zum Schluss noch ein Schmankerl direkt um die Ecke vom Campo de‘ Fiori und der Piazza Farnese: die Peru Bar! Vor kurzem war das noch eine in Neonlicht getauchte leicht angesiffte Bar mit herzlichen Besitzern und einem dauerhaft eingestellten Kellner, die bis nachts um 2Uhr geöffnet hatte. Inzwischen ist der frühere Besitzer nun selbst nur noch angestellt (auch der Dauerkellner natürlich nach wie vor dabei) und die neuen Inhaber haben der Bar „Peru“ eine Generalüberholung verpasst. Saß man vorher in einem gekachelten Nebenraum, so ist es jetzt ein gemütlicher Raum mit offener Fensterfront, die bei gutem Wetter ganz zur Seite geschoben werden kann und Blümchensesseln! Auch hier kann man mit seinem Getränk ein Weilchen bleiben und die Füße ausruhen. Bilder wechselner Künstler werden ausgestellt und der neu gemachte Fußboden im Verkaufsraum greift die Kniebank der Cappella Spada in der gegenübergelegenen Kirche auf. Unbedingt einen Besuch wert. Kirche wie Café/Bar! Ob das altertümliche Wasserklosett der Peru Bar inzwischen ebenfalls renoviert wurde, weiß ich selbst nicht. Schaut ‚mal nach, ob es noch an die 1960er erinnert oder ob man sich dazu entschieden hat, das Loch im Boden durch ein herkömmliches Klo zu ersetzen 🙂

Ansonsten achtet einfach auf die ausgesteckten Schilder. Wo man in Bayern die Biersorte, die man im Gasthaus anbietet, auf großen Schildern aussteckt, kann man an römischen Bars die Kaffeesorte schon von draußen erkennen. Illy, der neapolitanische Kimbo (z.B. im Caffè „Orange“ an der Via dei Banci Vecchi oder in der „Pasticceria Piemontese“ an der Via Madonna del Riposo/Ecke Via di San Pio V). Probiert euch durch, bis ihr euren caffè findet! Und lasst es mich wissen. welcher, wo, wieso… Solche Tipps leben ja auch gerade vom Austausch!

Austausch a Roma

 
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7 Kommentare zu „Zurück zum Tee?“

  1. Ja, ich glaube, den besten Cappucino habe ich in Bari bisher in der Bar einer Bahnstation getrunken.

    Aber vom Teetrinken bin ich trotz alledem bisher nicht abgekommen: Schwarzer Tee (gern mit Geschmack) mit Milch… das ist einfach etwas ganz anderes als schnell einen Kaffee hinterzustürzen, das ist der genussvolle Ausklang eines Tages oder ein langsamer Tagesbeginn, bei dem man sich in der Küche noch ein wenig austriefen kann, bevor’s richtig losgeht. Von meinem letzten Deutschlandbesuch bin ich mit einem Koffer halbvoll mit Tee zurückgekommen. Maria war. mhm, sagen wir … überrascht. 😉

  2. Ich habe den Eindruck, bereits wenige Kilometer nach dem Brennerpass beginnt eine andere Welt in der noch vieles genossen wird und nicht nur schnell und irgendwie gefühllos verzehrt/getrunken!

      1. Erst wenn die Berge langsam flacher werden, die beidsprachige Straßenschilder verschwinden und mich irgendwo bei Bologna polizia stradale auf den Parkplatz lotst und ich auf deutsch mit den Beamten nicht streiten kann…dann bin ich erst in Italien angekommen 🙂

  3. Kaum ist man über die Grenze nach Italien gefahren, schon ist die Kaffeewelt eine andere als daheim. Interessant ist, dass es in Italien selbst in der miesesten Bar besten cafe gibt, wobei ich jetzt nicht verfolge, welche Sorte ich gerade genieße.

    Lustig, einmal in Siena in einer schönen blitzsauberen, nicht gerade preisgünstigen Bar, in der ständig gewischt und poliert wurde, da schmeckte der Kaffee am schlechtesten…
    lg

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