RomAdvisor: Bioparco

zum Zoo hier entlangDer Zoo in Rom heißt „Bioparco“ – was zu einiger Belustigung führt, wenn man Schilder sieht, auf denen der „Bioparco“ ausgeschildert ist und die Pfeile dann auf drei große Dixi-Toiletten deuten. Ein klassischer Fall von irreleitenden Hinweisschildern? Vielleicht auch Strategie: Denn es gab ansonsten eigentlich gar keine Schilder! So irrte ich also zusammen mit mehreren anderen zoosuchenden Touristen ein bisschen durch die Gegend, bis ich mich entschloss, der Viale del Giardino Zoologico zu folgen.

Der Eintritt ist mit 14 Euro für Erwachsene und 12 Euro für Kinder bis zum Alter von 12 Jahren – kostenlos hingegen für Kinder, die nicht größer sind als 1m – nicht billig, aber im Vergleich zu anderen Zoos ziemlich normal. So kostet der Hamburger Hagenbeck-Zoo beispielsweise 20 Euro, im verarmten Berlin traut man sich immerhin, wenigstens 13 Euro zu verlangen. Überhaupt Hagenbeck: Carl Hagenbeck entwickelte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Idee von naturalistischen Tiergehegen und löste damit die engen Käfige mit Metallgittern ab, in denen exotische Tiere bis dahin vorgeführt worden waren. Hagenbeck war zunächst Tierhändler und eröffnete in Hamburg schließlich seinen ersten Zoo, in dem es tiefe Wassergräben statt Käfiggitter gab. Das Modell war so erfolgreich, dass es die Zoos weltweit veränderte. Man kann die Tiere ja auch viel besser studieren, wenn sie ein geeignetes Umfeld und Rückzugsorte haben!

PelikanIn Rom hatte sich 1908 eine Gruppe von Privatpersonen in einer Aktiengesellschaft zusammengefunden, die sich die Errichtung eines Zoos zum Ziel gesetzt hatte. Exotische Tiere sollten das römische Publikum unterhalten, belustigen, halt einfach irgendwie erfreuen. Bestimmt konnten kleine dicke ungezogene Kinder den Löwen heimlich Zuckerwatte hinüberwerfen etc. pp. Einen wissenschaftlichen Zweck wie in vielen anderen europäischen Zoos verfolgten die Gründungsmitglieder jedenfalls nicht. Aber sie engagierten den Deutschen Carl Hagenbeck, dessen Zoo in Hamburg so erfolgreich angelaufen war, damit er in Rom einen Zoo nach gleichem Konzept errichten sollte. Das Ergebnis war dann zwar deutlich kleiner als in Hamburg, aber Carl Hagenbeck gestaltete tatsächlich den ganzen römischen Tierpark. An einigen Gebäuden kann man die Architektur des frühen 20. Jahrhunderts noch herauslesen. Inzwischen sind das aber fast nur noch Ställe oder kleine Geräteschuppen, die man nie abgerissen oder umgewidmet hat.

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Das Interesse der Römer erlahmte aber zusehends und so wurde in den 1930er Jahren noch einmal ein Versuch unternommen, den marode gewordenen Zoo zu sanieren: Ein Reptilienhaus und eine große Voliere wurden ergänzt. Beides kann man – inzwischen erneut restauriert und umgestaltet – heute noch sehen.
Erst am Ende des Rundgangs kommen übrigens die Braunbären, Löwen, Elefanten und Nilpferde, auf die man geradezu wartet. (Am Eingang gibt es immerhin gleich das Giraffengehege!) Aber für Kinder ist es ein Rundgang, der gut zu bewältigen ist und durch einen Spielplatz aufgelockert wird.

Romulus und RemusBesondere Bedeutung kommt übrigens dem großzügig gestalteten Wolfsgelände zu. Schautafeln greifen die Legende der römischen Wölfin und der Zwillinge Romulus und Remus auf. Kleine Tafeln erklären, welche Spuren Wölfe in der Natur hinterlassen (Haarbüschel, Pfotenabdruck, Pup) und durch verschiedene Gucklöcher und  Glasscheiben lassen sich die Tiere gut beobachten.

Didaktik im Zoo...

Mir hat der Rundgang Spaß gemacht. Die Kühe und Schweine am Anfang sind vielleicht wirklich mehr etwas für (Stadt-)Kinder, aber inzwischen verfolgt der Zoo auch ein neues Konzept, das ihn eben als „Bioparco“ ausweist. Ein größerer Schwerpunkt wird auf die Erklärung der Zusammenhänge der Natur gelegt. Ansätze hierzu sind jedenfalls zu entdecken. Nur ein kleiner Tipp: Man sollte nicht darauf vertrauen, dass es ein Zoo-Ristorante geben könnte! Ich hätte mir jedenfalls unbedingt etwas zu Essen und zu Trinken mitnehmen sollen. Man ist sonst hoffnungslos verloren und läuft Gefahr, kurz vor dem Bereich der Zebras zu verdursten… Das soll ja nicht sein. Denn im Gehege gegenüber lauern schon die Aasgeier!

GeierAch, und hier noch die Auflösung des schwarz/weiß-Fotos… Die Errungenschaft der Farbfotografie hat eindeutig ihre Berechtigung. Zumindest wenn es um freilaufende Pfauen geht, die im ganzen Zoo herumspazieren und sich weigern, ein schönes Rad zu schlagen. Hier also in Farbe:

Pfau_02

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2 Kommentare zu „RomAdvisor: Bioparco“

    1. Ich bin sehr gespannt auf deinen Bericht!
      Lieben müden Gruß aus Regenmünchen (immerhin eine konsequent römische Eigenheit, die ich auch hier genießen darf: Sintflut!)

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