Römisches Leben im Sommer: Tipps gegen die Hitze!

Via Appia AnticcaJe länger die Hitze in Deutschland anhält, desto häufiger kriege ich diesen Satz zu hören: „Du bist an solche Hitze ja gewöhnt!“ Ja, ein bisschen… Aber es gibt einen ganz entscheidenden Unterschied zu Rom: Hier nördlich der Alpen werden die Kinder mit Sonnencreme eingeschmiert, man zieht möglichst wenig an und der Tag wird draußen verbracht. Soundscape ist ein fröhliches Gequietsche und manchmal hört man selbst in der Stadt das Federn eines Sprungturms im Freibad. In Rom ist meine Erinnerung an Sommersonnenhitze eine andere! Um die heiße Zeit, die oft schon im Juni Spitzentemperaturen über 30°C erreicht, auszuhalten, steht man sehr früh auf und macht die wichtigsten Besorgungen vor 9Uhr. Spätestens um 8Uhr hat man bereits alle Fenster verschlossen und die Jalousien, Gardinen oder Rollläden heruntergelassen. Meine römischen Sommer waren geprägt von einem gedimmten Halbdunkel, Ruhe und wenig Bewegung. Das römische Leben beginnt erst nach Einbruch der Dunklheit wieder so richtig. Nicht dass es dann überhaupt noch abkühlt, aber man muss nicht mehr von Schatteninsel zu Schatten springen. Achten Sie ‚mal drauf: die wenigstens Römer werden Sie überhaupt jemals in der Sonne laufen sehen. Keine übertriebene Eile und immer im Schatten.

Kühlregal am römischen Bahnhof TerminiKühle Getränke sind zwar gern genommen und an jedem kleinen Kiosk werden gekühlte Stücke von Kokosnüssen feilgeboten, aber die alte Weisheit, dass warme Getränke viel eher dazu beitragen, dass man weniger schwitzt, zeigt sich halt doch in den vielen römischen Bars. Auf den caffè verzichtet kein Römer! Allerdings kommt auch der caffè freddo zum Zug! Da ist in Rom ein normaler caffè – espresso – der mit ein wenig Zucker gesüßt und dann mit etwas Wasser verlängert wird, bevor er in den Kühlschrank gestellt wird. Andere Versionen sehen vor, dass er „on the rocks“ – wie ein Whisky auf Eis – getrunken wird. Das habe ich aber noch nie gesehen. In der Regel holt der barista eine große Glasflasche aus dem Kühlschrank und schenkt in ein kleines Glas ein. Die Menge: etwas mehr als ein normaler caffè. Durch den bereits vorhandenen Zucker schmeckt der caffè freddo sehr erfrischend mit einer kleinen süßen Note!

Zahlreiche Schriftsteller geben sich immer wieder aufs Neue Mühe, den italienischen Sommer und den Umgang mit der großen Hitze in Worte zu fassen. Der SZ-Korrespondenz Stefan Ulrich hat das vielleicht erfolgreichste Buch der letzten Jahre über ein Jahr in Rom geschrieben. Im August kühlte er seine Füße unterm Schreibtisch in einer Wasserschüssel, wenn ich mich richtig erinnere. Belehrt mich aber gern eines Besseren, es ist schon vier oder fünf Jahre her, dass ich das Taschenbuch in der Hand hatte. Nachzulesen in Quattro Stagioni! Den letzten Beitrag hat gerade Ulrichs FAZ-Kollege (in der FAZ vom 26.07.2013) verfasst. Auch ihm geht es darum, zu zeigen, wie wenig dolce vita das Korrespondentenleben ist und dass es in Venedig gewisser Überlebensstrategien bedarf, um durch den schwülen und heißen Sommer zu kommen… In Rom gelingt es zwar besser, den Touristenströmen zu entgehen, auch ist es weniger schwül, dennoch sind auch für eine Städtereise in Richtung Lazio nötig, sich auf ein paar kleine Trick und Tipps zu verständigen. Ich habe im attico gewohnt und hatte nie eine Klimaanlage und mich auch so erfolgreich geschlagen, dass ich mir keinen Ventilator gekauft habe!

Es ist anzuraten …

1. … möglichst früh aufzustehen, um die ersten noch etwas kühleren Stunden am Morgen zu nutzen. Das gilt für Besucher der Stadt ebenso wie für ihre Bewohner. Und wenn ich „früh“ schreibe, dann meine ich mindestens 6Uhr! Es tut gut, wirklich!

2. Abends lohnt es sich, alle Fenster aufzureißen, wenn es ins Bett geht. Mit meinem Dachgeschoss brauchte ich mir vergleichsweise wenig Gedanken um Einbrecher zu machen. Das ist von Vorteil. Aber auch sonst: es wird schon vergitterte Fenster geben, die Durchzug garantieren. Erst weit nach Mitternacht kühlt es ein wenig ab. Und diese Luft will dann leider meistens nichtmal in die Wohnung hinein…

3. Bevor man versucht, ein bisschen Schlaf zu kriegen: die Beine mit kaltem Wasser abspülen. Von von Füßen langsam über die Schienbeine und Waden nach oben bis zum Knie. Das ist ergiebiger als ein eiskaltes Duschbad. Und lagern Sie die Beine ruhig ‚mal auf einem Kissen. Sieht vielleicht bescheuert aus, aber hilft ein bisschen.

4. Wenn man in der Stadt unterwegs sein muss/will, lohnt es sich stets eine kleine Plastikflasche bei sich zu tragen. Es gibt schließlich überall die kostenlosen Trinkwasserbrunnen, die man gezielt in den Stadtparcours einplanen kann. Am Ende der Straßenbahnhaltestelle „Piazza Venezia“ ist ein solcher Brunnen, oben auf dem Kapitol auf dem Weg zum Forum Romanum (links vom Rathaus) ist ebenfalls wieder ein kleiner Brunnen etc. etc.

5. Ich spiele immer den Grottenolm und spaziere (so gut es geht) im Schatten.

6. Altmodisch eine Mittagspause mit kleinem Nickerchen – einem pisolino – hilft ebenfalls. Der Nachtschlaf kommt ja eh zu kurz.

7. Und das eigentliche Leben beginnt erst nach Einbruch der Dunkelheit… Am Tiber gibt es in den beiden Sommermonaten Juli und August Stände mit Musik und Essen, Bars und Sitzgelegenheiten. Die Caracalla-Thermen haben im Sommer die Opera open Air und wenn ich um 2Uhr dann doch  im Bett lag, konnte ich das Hupen des Nachbarjungen hören, der gerade erst seine ragazza abholen kam, um zum Abendessen zu fahren! Der Sommer ist eine riesengroße Umstellung… – aber es gelingt und dann ist es wirklich eine großartige Zeit des Jahres!

Buon estate!

Sommer in Italia

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1 Kommentar zu „Römisches Leben im Sommer: Tipps gegen die Hitze!“

  1. Kann ich alles auch für Süditalien unterschreiben. Einkäufe werden bis neun erledigt. In die Sonne geht man gezielt nur am Strand oder auf dem Liegestuhl auf dem Balkon. Die öffentlichen Trinkwasserbrunnen werden alle wieder angestellt, wenn sie über den Winter abgestellt wurden.

    Zwischen zwei und fünf sind die Städte tot, denn die Geschäfte schließen über Mittag, fast alle fahren nach Hause, essen und machen ein Nickerchen. Gegen fünf wachen alle so langsam wieder auf und gegen acht steppt der Bär.

    Die Caffes bieten vestärkt Granita an – ein Fruchtsaftsorbet. Und ich glaube, der Speiseeisverbrauch steigt exponenziell an. 🙂

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