Heute ‚mal … Schnecken!

Schnecken, genau! Nicht weil es regnet… Nein, Schnecken auf dem Teller. Auf Italienisch: lumache!

Also ich hätte solche Weinbergschnecken erwartet, wenn der Kellner frische Schnecken vorschlägt… Was wir bekamen waren diese kleinen Schnecken, die man recht häufig über Gehsteige oder in Blumenbeeten herumkriechen sieht:

lumache

Aber sie schmeckten famos… Sicherlich in erster Linie wegen des hervorragenden sugo, den man extra noch mit einigen Brotstücken aufsaugen musste! Mein Rom-Tipp ist heute aber kein ausgewiesener Schnecken-Tipp. Denn die Karte in der Osteria della Suburra direkt an der Metro Cavour (nicht Piazza Cavour!) hat nur die Allerweltsgerichte zu bieten. Bei tripadvisor.it wird wohl deshalb auch oft geklagt, die Osteria sei normalissima, ja geradezu eine Enttäuschung gewesen. Wenn man sich allerdings das Publikum anschaut (mit enormer Beständigkeit wiederkehrende Büro-Italiener, die ihre stundenlangen Mittagspausen hier verbringen) und man sich auf die Angebote der Kellner einlässt, dann kann man dort sehr gut und sehr traditionell römisch essen. Das schließt natürlich all die Innereien ebenso ein wie fettige Schneckengerichte. Aber es lohnt sich!

Die Osteria da Silvio liegt in der Via Urbana, 67/69, eine Straße, in der man eh wunderbar bummeln kann. Monti ist ein Viertel, in dem man noch Entdeckungen machen kann und wunderbare aperitivi zu finden sind.

schnecke 2Aber zurück zu den Schnecken. Ich frage mich nämlich immer noch wie man die Biester eigentlich essen soll… Wir bekamen nämlich keine Schneckenzange (die wäre sicherlich bei diesen kleinen Schnecken auch zu groß gewesen), aber wir bekamen auch sonst kein Hilfswerkzeug. Erst auf Nachfrage gab es dann immerhin eine Portion Zahnstocher. Super. Das Essen ist also etwas für Schmaddelfinken! Aber Rippchen isst man ja auch mit der Hand. Was solls also. Viel interessanter: Die alten Römer sollen Schnecken auch bereits als Delikatesse gekannt haben. Was wundert einen noch bei lukullischen Gelagen und deren Vielfalt. Aber die Schnecken haben die Römer wohl mit Milch „gemästet“ und sie dann mit Gewürzen gebraten. Mm. Wie kriege ich eine Schnecke dazu, sich mit Milch mästen zu lassen? – Im Mittelalter waren Schnecken in Klöstern übrigens eine der begehrten Fastenspeisen, weil sie nicht zum Fleisch gezählt wurden, also auch unter kein Fastengebot fielen. Dass man auch Biber verzehrt hat, weil die ja mit ihrem schuppigen Schwanz quasi wie Fische zu betrachten waren, ist eine andere Geschichte und gehört hier nicht hin.

Und eine Schlaumeierei aus der Küche: Bevor man Schnecken aus dem Garten in der Küche zubereiten kann, müssen sie nicht erst mit Milch gefüttert werden, sie müssen eigentlich erstmal auf Diät gesetzt werden und fasten. Ich glaube wegen des Schneckenschleims, der weniger werden soll. Dann werden sie mit Essigwasser abgerieben und kurz abgekocht, bevor man sie aus ihrem Haus herauszieht. Wie Frühstückseier muss man sie dann erstmal unter kaltem Wasser abschrecken, dann die  Eingeweide entfernen und das Schneckenfleisch mit grobem Salz austrocken und noch ein paar Mal waschen. Bevor sie dann überhaupt erst zubereitet werden, kommen sie wohl auch noch für Stunden in eine gewürzte Brühe. Es grenzt bei dieser umständlichen Prozedur an ein Wunder, dass sich überhaupt noch irgendjemand ein Schneckengericht leisten kann! Buon appetito oder bei dem Thema lieber auf Französisch?! – Bon appétit!

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Ein Gedanke zu „Heute ‚mal … Schnecken!“

  1. Hier auf den Märkten gibt’s diese Schnecken auch zu kaufen und ich habe mich schon immer gefragt, wie man so etwas essen kann. Jetzt weiß ich’s ja… aber mir gefallen sie im freien Gelände wirklich besser.

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