Rosenblätter im Pantheon

Überall kann man lesen, dass die wenigsten Menschen noch erklären können, was an Pfingsten gefeiert wird. Dabei ist das Fest, dass daran erinnert, dass der Heilige Geist über die Apostel kam – wie flammende Zungen – eines der wichtigsten für die Verbreitung der Frohen Botschaft in alle Welt. Während sich beim Turmbau zu Babel niemand mehr verständigen konnte, redeten die Apostel nach dem Pfingsterlebnis in allen Sprachen bzw. jeder, der zuhörte, konnte sie in seiner jeweiligen Muttersprache sprechen hören. Flammen, Zungen – und dann doch Rosen? – Genau!

Rosenregen an Pfingsten im PantheonAm Pfingstsonntag regnet es durch das berühmte Loch im Dach des Pantheon in Rom Rosenblätter. Sie sollen an das Pfingstwunder erinnern. Eigentlich sogar an zwei Pfingstwunder: Zum einen an den heiligen Geist, der über die Jünger kam, zum anderen an das Pfingstwunder des frühen Mittelalters. Im Jahr 609 wurde der bisher allen heidnischen Göttern geweihte Pantheon-Tempel als christliche Kirche geweiht. Das Pantheon heißt daher als Marienkirche auch Sancta Maria ad Martyres. Bei einer Papstpredigt im Jahr 609 soll dann erstmals ein Regen aus roten Rosenblüten, der optisch an die „Feuerzungen“ erinnert, auf die Gläubigen niedergegangen sein.

Blütenmeer am Boden 2014Die Tradition des Rosenregens gibt es auch in einigen Pfarrkirchen auf dem Land. Aber im Pantheon ist er besonders eindrücklich. Zahlreiche Reiseführer enthalten den Hinweis auf das spettacolo und viele Touristen – und Römer – strömen zur Heiligen Messe, um Fotos zu machen. So sieht man eigentlich nach dem Rosenregen vor allem Handykameras, kniende Fotografen und zum Glück auch noch ein paar Kinder durch die Blütenblätter toben… Aufgeräumt wird rasch! Im Hintergrund ist schon der Besen zu erkennen!

Was häufig nicht in den Reiseführern nachgelesen werden kann: Die Tradition des Rosenregens im Pantheon wurde erst Mitte der 1990er Jahre wiederbelebt. Maßgeblich hierfür verantwortlich war Don Antonio Tedesco, der vormalige Leiter des Deutschen Pilgerbüros in Rom. Hier finden Sie einen informativen Artikel von Jan Bentz aus dem Jahr 2012:

„Es ist Msgr. Don Antonio Tedesco, dem Kaplan der Kirche, der seit 1995 diese mittelalterliche Tradition im Pantheon in Rom, der Kirche „Sancta Maria ad Martyres“, wiederbelebt hat, zu verdanken, dass man die eindrucksvolle Zeremonie hier wieder alljährlich am Pfingstsonntag erleben kann. Der einstmals allen Göttern gewidmete heidnische Tempel, seit 608 in kirchliches Eigentum übergegangen und von Papst Bonifatius IV. am 13. Mai 609 Maria und allen Märtyrern geweiht, bietet mit seiner 43 Meter hohen und ebenso breiten Kuppel – als größte nicht verstärkte Zementkuppel der Welt ein architektonisches Meisterwerk-, einen Rahmen für dieses Ritual, der großartiger und angemessener nicht sein könnte.

Die Heimatstadt Don Tedescos, Giffoni Valle Piana in der Provinz Salerno, hält ihm hierfür seit 1995 die Treue: mit der Spende in Höhe von 5000 langstieligen Rosen und sieben Säcken Blütenblättern, die aus einer Baumschule im Picentino Tal stammen. Um diese Rosenblätter liefern zu können, ist in der Kommune so ziemlich die ganze Bevölkerung an der Ernte der Rosen und dem Auseinanderpflücken der Blüten beteiligt. Es ist für die Einwohner Ehrensache, nach Kräften zu helfen, stolz darauf, dass es einer von ihnen ist, der in der italienischen „Nationalkirche“ mit den Gräbern italienischer Könige, dem Pantheon in Rom, diese wunderschöne religiöse Tradition wiederbelebt hat.

Um dieses Ereignis gebührend zu begehen, ist in diesem Jahr wiederum zum Pfingstfest eine Delegation von 50 Bürgern zusammen mit Bürgermeister Paul Russomando angereist, der zur Gabenbereitung der festlichen Eucharistiefeier dem Zelebranten einen Korb mit den langstieligen Rosen aus seiner Stadt überreichen darf.

Die langstieligen Rosen schmücken auch die Sitzplätze der überfüllten Kirche; sieben Säcke der feuerroten Blütenblätter transportieren fünf Feuerwehrleute in die schwindelerregende Höhe von 43 Metern, von wo aus sie sich dann durch das neun Meter große „Auge“ im Zentrum der Kuppel im Strahl des Sonnenlichts auf die Gläubigen in den Innenraum ergießen werden.“

Und es lohnt sich wirklich… Wer noch nicht da war, sollte es sich zumindest ein Mal vornehmen. Buona festa di pentecoste!

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s