RomAdvisor: Cinecittà

Die erfolgreiche BBC-Serie „Rome“ ist nicht etwa irgendwo in Londoner Studios oder den Hollywood Hills entstanden, sondern tatsächlich in Rom! 

BBC Rome

Fast wollte ich schreiben „mitten in Rom“ – aber so ist es dann doch nicht. Forum und antike Straßen mit mehrgeschossigen Häusern wurden nämlich etwas außerhalb des historischen centro storico mit viel Holz und wenig Stein nachgebaut. In den Cinecittà Studios entstanden auf diese Weise Straßenzüge und eine Platzanlage von großen Ausmaßen. Die beeindruckenden Kulissen lassen sich übrigens auch besichtigen!

Für einen Betriebsausflug waren die Filmstudios schon einmal angedacht. Aber da wurde doch nichts draus, weil Cinecittà sich unflexibel zeigte und uns nur eine Standardführung gestattete…

Ich hatte allerdings erwartet, dass sich inzwischen einiges getan hat, denn ganz Rom ist zur Zeit übersät mit Plakaten, die einen Besuch in Cinecittà World anpreisen…

Cinecittà WorldIch würde zu gern wissen, wie viele den gleichen Fehler gemacht haben wie ich! Denn Cinecittà World ist ein neu eröffneter Freizeitpark an der Pontina. Wenn man Rom in Richtung Süden verlässt, kann man von der Straße aus sogar die Spitzen der Achterbahnen erkennen. Die Filmstudios mit gleichem Namen sind dagegen nicht ansatzweise erneuert und hergerichtet. Es ist vielmehr so, dass einen das Gezirpe von Grillen empfängt, wenn man bei Cinecittà aus der Metro kommt. Egal… – man gibt dem Ganzen ja eine Chance, vor allem so ein Cineast wie ich einer bin!

Also hinein… Der Eintrittspreis ist mit 18 Euro stolz genug, um Erwartungen zu wecken. Ein Rundgang durch Ausstellungen ermöglicht es in etwa einer Dreiviertelstunde einen Blick in die Geschichte der Studios zu bekommen, die 1937 zur Zeit Mussolinis gegründet wurden.

Am 28. April 1937 öffneten die Filmstudios und bis 1943 wurden etwa 300 Filme gedreht, darunter auch zahlreiche Propagandafilmchen, die Benito Mussolini beim Besuch der Studios zeigten. Diese Aspekte werden in kurzen Filmen und Tafeltexten präsentiert. Was die Ausstellung hingegen gar nicht thematisiert ist die Tatsache, dass die Cinecittà nach 1943 durch verschiedene Bombentreffer nicht mehr genutzt werden konnte und dort nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vom U.S. Militär ein Lager für Displaced Persons (DP-Lager) eingerichtet wurde. Als zentrales Lager für die gesamte italienische Halbinsel lebten in der Cinecittà bis zu 1.800 Menschen.

Die Ausstellungsräume sind zum Teil selbst Gegenstand von Inszenierung, der Besucher muss viel Hintergrundwissen mitbringen. Wer Federico Fellini war, wird mit großer Selbstverständlichkeit nicht erklärt. Dass es Regisseure wie Roberto Rossellini, Luchino Visconti und eben Fellini waren, die ihre großen Filme zum Teil – oder wie Fellini ganz und gar – in der Cinecittà drehten, wird allerdings mit Requisiten (wenig) und Texten (etwas mehr) ganz gut veranschaulicht.

Dass auch „Ben Hur“ oder der in Roms Andenkenshops allgegenwärtige Film „Ein Herz und eine Krone“ mit Gregory Peck und Audrey Hepburn in den römischen Filmstudios entstanden, unterstreicht den Mythos der Gesamtanlage. Die Kulissenstädte dürfen jedoch ausschließlich mit einer Führung betreten werden. Guide in English wurde mir angekündigt. De facto war es dann aber eine Führung auf Italienisch. Das war für mich jetzt kein Problem, allerdings für die 5 Franzosen, die ebenfalls die Führung mitmachen wollten und sich auf die Ankündigung einer englischen Führung verlassen hatten. Sie verlangten nachher mehr als genervt ihr Geld für die Eintrittskarten zurück. Denn das Engagement der Führerin ließ eher nicht vermuten, dass sie für das Kino lebt und sich ihr Regiestudium mit einem Nebenjob in den Cinecittá finanziert.

Bestimmt zehn Minuten durften wir uns zu Beginn eine leere Halle ansehen, während erzählt wurde, was dort ‚mal gewesen sei… Merke: Zeige bei Führungen nur das, was man auch sieht! – Dass der Lack inzwischen ab ist, ließ sich eh nicht verheimlichen!

Cinecittà

Diese Kulissen bieten Potential für eine umwerfende Präsentation. Ließe man zwei Hollywood-Fans die Gestaltung übernehmen, wären vermutlich in kürzester Zeit Leinwände da, in denen einzelne Filmausschnitte mit der Kulissenwelt verglichen werden könnten. Filmmusik würde das ihre dazu tun, den Besucher da abzuholen, wo er seine Motivation hernimmt, die Filmstadt zu besuchen: im Kinosessel! Spannend sind die dünnen Kulissen, die hölzernen Säulen und der Kunststoffboden allemal. Aber es ist erschütternd wenig geboten. Der Eintritt ist definitiv zu hoch und die Erwartungen werden enttäuscht, wenn wirklich alle Führungen so unterirdisch schlecht sein sollten wie meine. Oder der eigentliche Charme wird den eventi vorbehalten, die man buchen kann, um inmitten der Kulissen zu feiern…

Forum

Schönes Ambiente ist das natürlich… – vielleicht muss aber hinzugefügt werden: noch! Die Kulissen werden zum Teil auch schnell umgestaltet und für neue Sets vorbereitet. Bei einem Bereich vor einer florentinischen Kirche entsteht gerade das Set für Nazareth. Der Film „Christ the Lord“ mit Cyrus Nowrasteh als Director wird also in einem umgestalteten Alt-Set gedreht werden. Ob ich mir den Film ansehe? Wenn wirklich Vampire vorkommen, sicherlich nicht. Aber vielleicht wusste der französische Filmfan auch nicht genau, worum es bei dem Film gehen wird…

Seit 1997 sind die Filmstudios privatisiert und mit viel Aufwand modernisiert worden. Seitdem buchen auch zunehmend wieder U.S. Produktionen Drehstätten in der Cinecittà!

Nazareth

 

 

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2 Kommentare zu „RomAdvisor: Cinecittà“

  1. ha, Cinecitta, darauf wären wir nicht gekommen…
    der Liebste hat was von Palast der Livia phantasiert, in der Nähe von SM Maggiore, ehemalige Markthalle oder so, aber ich konnte mich nicht daran erinnern … eh klar 😉
    lg

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