-eria!

Nein, beim Titel fehlt nicht die Hälfte… oder doch, eigentlich schon. Aber der Reihe nach: Seit Jahren fotografiere ich in Rom allerhand Schriftbilder. So ist eine abwechslungsreiche typographische Sammlung entstanden. Neonschilder, Werbezeichen, manchmal auch Graffitis oder Straßenschilder. Mir geht es einerseits um die Schrifttypen, eben Typographie. Andererseits habe ich eine Spezialsammlung angelegt, die aus den verschiedensten „eria-Wörtern“ besteht. -eria? Ja, genau: Profum-eria, Salum-eria, Bigiott-eria, Pizz-eria, Joghurt-eria …

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Man glaubt gar nicht, was es neben den üblichen Bezeichnungen wie Trattoria oder Pizzeria alles gibt. Sehr gern mag ich ja die Latterie, die vielleicht am ehesten an die deutsche Bezeichnung der 1950er „Milchbar“ erinnert: latte – Milch! Selbst eine Salsicceria hatte ich in meiner Sammlung, die ich gern als ein eigenes Buch herausgegeben hätte. Ja, hätte … meine externe Festplatte hat den Geist aufgegeben und bis auf einige wenige Digitalfotos, die ich zufällig in anderen Ordnern gespeichert hatte, sind alle meine Bilder futsch!

Ich hätte gedacht, dass ich mit unregelmäßigen Sicherheitskopien meiner Archivrecherchen auf der sicheren Seite bin, seitdem ich in Rom einmal durchleben musste, wie es sich anfühlt, wenn der Laptop mit dem größten Teil der Archivrecherchen gestohlen wird und eben nicht das vollständige Backup bereitliegt. Aber dass ich auch die Daten der externen Festplatte doppelt hätte sichern müssen? Gleich morgen sichere ich alle meine Vortrags- und Aufsatzdateien sowie die Transkriptionen von Quellenbeständen, die ich für mein laufendes Forschungsprojekt bereits erstellt habe.

Ja, -oria war natürlich auch dabei …

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Aber es ist ja nicht eilig … ich werde wieder von vorn beginnen, neue Schriften entdecken und eine sichere(re) Dokumentation anlegen. Einem Historiker ist es im vor-digitalen Zeitalter ‚mal passiert, dass die Ergebnisse von wohl einem Jahr intensiver Recherchen in ausländischen Archiven gestohlen wurden, als jemand das Auto aufbrach … Was tut man dann? Genau, man beginnt noch einmal von vorn. Vielleicht sogar mit einem noch gezielteren Blick fürs Wesentliche, denn man sitzt ja sprichwörtlich nicht zum ersten Mal über den Akten. So schlimm ist es mir ja nichtmal ergangen. Es sind schöne Fotos verloren gegangen, aber nicht meine Ergebnisse aus den Archiven in Nürnberg, Stuttgart, Berlin, Eichstätt und Augsburg. Ich werde also in meinen Arbeitspausen wieder mehr mit der Kamera unterwegs sein. Jedenfalls in Rom!

Tanti auguri!

Carlo Pedersoli_SZ_Sagen Sie jetzt nichts...

Carlo Pedersoli wird 85. Herzlichen Glückwunsch! Und zur Erinnerung hier zwei meiner Lieblingsbilder aus der Reihe „Sagen Sie jetzt nichts“ vom Magazin der Süddeutschen Zeitung. Dieses Bild betrachte ich als Inbild von Demut. Vielleicht will er aber auch einfach nur sagen: „Ach, lass sie reden…“ – Vermutlich steckt aber eben doch ein Quentchen Demut mit drin, denn Carlo Pedersoli antwortet mit diesem Bild auf die – etwas dämliche – Frage  „Wie schafft man es, über 50 Jahre verheiratet zu sein?“

Das Foto, das mir das zweitliebste ist, erklärt sich ebenfalls nur im Zusammenhang mit der Frage, die ihm gestellt wurde, bevor Heinz Augé abdrücken durfte: „Was lieben Sie am meisten an Ihrer Frau?“ – entweder ihr Köpfchen oder dass Sie einen leichten Vogel hat 😉

Bud Spencer_SZ_Sagen Sie jetzt nichts...

Beides wäre sehr sympathisch! Die SZ verweist noch einmal auf seine Erfolge als Leistungsschwimmer. Aber auch darauf, dass Pedersoli insgesamt zwölf Patente angemeldet hat. Seine Erfindungen reichen von der elektrischen Spielzeugmaus bis zu einem Spazierstock mit eingebautem Stuhl, so ähnlich wie die klassischen Jägersitze. Und für eine Premiere war „Bud Spencer“ auch wieder gut: Er ist der erste Prominente, der in der Reihe „Sagen Sie jetzt nichts“ im Sitzen porträtiert wurde. Nachdem er sich gerade von einer Hüft-Operation erholte, durfte Pedersoli einen Stuhl verwenden. Ich mag die Bilder sehr.

Gli Azzurri – Champions auf dem Laufsteg!

Das Bild ging ja schon seit dem 12. Juni durch Facebook und trotzdem will ichs hier gern auch nochmal zeigen. Es ist einfach zu schön… Modehäuser und zuletzt auch die Süddeutsche Zeitung griffen das schöne Bild auf und verhalfen zum Klickerfolg:

Gli Azzurri vs. English GentlemenEngland – Italy

Sunglasses: 0-13
Long hair: 0-8
Suit obviously from the 80’ies: 25-0
Ability to organize a photo-shoot: 1-0
Ability to look good in a photo-shoot: 0-19
Missing Mum already: 0-19

Der Vergleich ist wirklich ein Augenschmaus!

Aber das Ergebnis zählt und da ist in Italien gerade die Freude groß und es gibt ohnehin die nächsten Wochen – voraussichtlich bis zum 13. Juli! – kein anderes Thema, das die italienischen Zeitungen so bestimmen wird wie die Fußball WM 2014! Darf man eigentlich in privaten Blogs noch WM2014 schreiben oder liest die Fifa mit und ich muss Tantiemen zahlen?! Egal… Wie haltet ihrs mit der WM? Seid ihr dabei? Oder eher Badesee, wenn alle wie gefesselt vorm TV sitzen?

Milch und Päpste

Milchschaum

Es ist natürlich nicht die ganze Zeit Dauerregen in Rom, nur weil ich gerade in Arbeit ertrinke und nicht zum Bloggen komme… Es ist also an der Zeit ein neues Bild voranzustellen. Was liegt mir da näher als ein original italienischer Milchschaum, zumal ich ja immer noch versuche dessen Geheimnis zu entschlüsseln. Ob es doch die latte alta qualità ist? Oder wieso sind selbst österreichische Milchschaumbläschen viel zu groß und fallen damit auch viel zu schnell in sich zusammen, während der italienische Milchschaum eine einfach einmalige Konsistenz hat (und hält)…

Aber genug der Milchschaumphilosophie! – Eigentlich verfolge ich zur Zeit ja die Vorbereitungen zur Heiligsprechung von Johannes XXIII. (weitgehend unumstritten) und Johannes Paul II. (nicht unbedingt völlig unumstritten). Die Seligsprechung von JPII habe ich ja noch selbst in Rom miterlebt. Das heißt, ich habe Teile im Fernsehen verfolgt. Am Vorabend war ich noch in Trastevere mit Freunden in einer Pizzeria, da war es schon kaum noch möglich mit Bussen nach Hause zu kommen, weil so viele polnische Pilgergruppen auf der Straße vorm Petersplatz ihr Lager aufgeschlagen hatten. Ich würde dieses Mal also vermutlich genau das tun, was zahlreiche Römer schon längst getan haben: Fluchtartig die Stadt verlassen, den römischen Feiertag am 25. April für ein verlängertes Wochenende nutzen, den Massen entgehen. Rund 1,5 Millionen Besucher werden morgen erwartet. Die Idee von Papst Franziskus, auch die Heiligsprechung von Johannes XXIII. auf den 27. April zu legen, obwohl sich damit die Besucherscharen noch einmal vermehren, war sicherlich organisationstechnisch fragwürdig. Aber es wird immerhin vermieden, dass die Medienvertreter auf die Idee kommen, den Besucheransturm bei der Heiligsprechung des einen Papstes gegen die Besucherzahlen bei der des anderen gegeneinander aufzurechnen.  Außerdem hat man so nett das liberale Element mit abgedeckt. Na, ich verfolge das ‚mal aus der Ferne weiter… Bis dahin: buona fine settimana – & buona fortuna wenn Sie in Rom sein sollten.

Entwirren!

Weihnachten vorbei, der Schmuck wird abmontiert. Entwirrung wird dauern. Straßenszene, Rione Ponte, Roma.

Weihnachten entwirren

Auch Christkinder haben manchmal Hunger

Der zweite Weihnachtsabend neigt sich dem Ende… Da bietet es sich an, mal wieder ein Bild aus der Reihe „Ungewöhnliche Madonnenbilder“ zu präsentieren. Die Darstellung einer stillenden Maria ist altbekannt und erfuhr im Barock (muss ja meine Lieblingszeit hier immer ‚mal wieder einstreuen!) auch so faszinierende Ausformungen wie Springbrunnen, deren Wasserstrahl durch die Brust der Madonna geleitet wurde. „Madonna lactans“ ist der Fachbegriff für diese Mariendarstellungen. In Spoleto habe ich jedoch ein Bild gefunden, das den Moment vor dem Stillen zeigt: Jesus hat Hunger! Ok, der Kleine sieht auf dem Bild – der Zeit entsprechend – eher aus wie ein kleiner Erwachsener. Schauen wir darüber halt hinweg, aber genau hin:

San Gregorio Maggiore, Spoleto

„Mama! Hunger!“ – Die Kirche, in der das Bild hängt, müsste San Gregorio Maggiore Santa Eufemia(!) gewesen sein. Eine romanische Kirche wars in jedem Fall. Wenn ich das nächste Mal dort bin, prüfe ich es nochmal nach, aber ich denke, dass mein Freund und Kunsthistoriker und Galerist und Epigraphiker Ingo schon Recht hat… Er korrigierte mich gerade. Andere Kirchen kommen jedenfalls nicht in Frage, obwohl Spoleto noch deutlich mehr Kirchen zu bieten hätte. Da wären San Nicolò, der Dom S. Maria Assunta, San Paolo inter Vineas, San Domenico, SS. Giovanni e Paolo, San Lorenzo, San Filippo, S. Ansano oder S. Maria della Manna d’Oro.

Rom stilisiert!

nycKennt ihr diese Poster von Tobias Svenlöv? Verschiedene Städte werden in absolut stilisierter Form dargestellt. New York assoziiert der Künstler offensichtlich mit dem Central Park. Dargestellt ist nichts anderes als eine gleichmäßig grüne Fläche in Form eines Rechtecks. Central Park, klar. Oder vielleicht genau das richtige für den St. Patrick’s Day! Leben nicht mehr „Iren“ in New York als auf der ganzen irischen Insel?! Ok, lieber nicht in irrigen Annahmen verstricken, vermutlich ist das nur ein launiger Journalistengag, der jedes Jahr wieder angebracht wird.

Das Poster für München gefällt mir persönlich jetzt nicht so gut, auch wenn die Idee natürlich ihre Berechtigung hat! Ein Hoch auf die Gemütlichkeit… Wie heißt es beim Vertrieb über Monoqi so richtig:

munich„Gizeh, New York, Paris… typische Postkartenmotive? Ja und nein. Der schwedische Künstler und Grafikdesigner Tobias Svenlöv a.k.a. I’m Not Wordy stellt in seiner Posterserie „Minimalistic Places“ weltbekannte Orte dar, die wir schon tausendfach gesehen haben – aber nicht so. Durch eine kluge und humorvolle Komposition der farbigen Flächen und schlichten geometrischen Formen überlässt er es der Fantasie des Betrachters, in jedem Motiv etwas Verblüffendes zu entdecken, das sich manchmal erst erschließt, wenn man um die Ecke denkt oder die kleine Überschrift am oberen Bildrand gelesen hat.“ – Gilt zum Beispiel für das Poster, das Texas anhand einer stilisierten Fahne präsentiert, während Gizeh eine aufs Wesentliche heruntergebrochene Pyramide zeigt. Das Poster, das Paris darstellt, nimmt wohl auf die sternförmig zulaufenden Straßenachsen Bezug. Oder was seht ihr hier?

Paris

Weitere Minimalistenposter findet ihr auf der Homepage von Svenlöv. Was ich mich jetzt seit längerem frage: Wie sähe ein perfektes Rom-Poster aus? Greift es die Windung des Tiberknies auf? Die Starenschwärme? Die Abbruchkante des Kolosseums? Oder den knallroten Galonstreifen an der Seitennaht von Carabinieri-Uniformhosen? Es gibt so viele Ideen. Was meint ihr? Für den Vatikan würde ich die gestreifte Uniform der Schweizer Gardisten oder die Kuppel von St. Peter heranziehen. Beginnt Spaß zu machen… Irgendwie muss man ja die Zeit bis zum Gottesdienst  herumkriegen. Bevor dann wieder ein unsägliches Krippenspiel den Heilig Abend einläutet. Ich wünsche allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest! – Vielleicht auch ein Obelisk? Oder das typische San Pietrini-Pflaster? Oder oder oder…