Giorno delle donne / Weltfrauentag

In Italien hat der Weltfrauentag seinen festen Platz im Frühjahrskalender. Schon morgens stehen an allen Ampeln Verkäufer, die anstatt der sonst üblichen Zeitungen, Taschentücher und sonstigem Alltagskrams Mimosensträußchen feilbieten. Das sind diese knallgelben Blüten, die in Büscheln an Sträuchern wachsen, die eher wie Bäume aussehen. Zur Zeit sind fast alle geerntet und warten straußweise darauf, Frauen zu beglücken…

Mimosen Campo de' Fiori In Italien werden den Frauen gelbe Mimosen überreicht. Die ersten Frühlingsboten! Von Corinna habe ich heute gelernt, dass die italienischen Mimosen gar nicht so empfindlich sind wie das deutsche Pendant. Denn in Deutschland kennt man eher die Mimosen, deren gegeneinander stehende Blattrispen sich bei jeder Berührung „mimosenhaft“ schließen… Erschütterungen, Temperaturwechsel, sogar veränderte Lichtverhältnisse können dazu führen, dass die Pflanze ihre fächerartigen Blätter schließt! Kein Wunder also, dass ich hier in Italien etwas enttäuscht war, als ich die Mimosen hier im Park der Doria Pamphilj zig Mal angefasst habe, ohne dass etwas nennenswertes passiert ist. Ganz umsonst versucht. Hier ist eine andere Mimosenart heimisch.

Weltfrauentag Italien Mimosen

Jedenfalls freue ich mich über die zahlreichen gelben Farbtupfer in der Stadt! Und wollte Euch den Fotobeleg nicht vorenthalten, dass wirklich jeder Frau mit einem solchen Sträußchen eine Freude gemacht wird! Da ist es dann auch egal, ob es regnet, stürmt oder schneit. Diese Dame hier links, die mehr oder weniger auf der Straße lebt, hielt ihr Sträußchen eisern fest. Ein Zigarillo noch dazu. Was wünscht man sich mehr an so einem verregneten Tag in Rom!? Es war wirklich kein schöner Tag. Regnete es ‚mal nicht von oben, kam garantiert irgendein Taxi, um durch eine Pfütze zu brettern, damit möglichst alle Passanten im Umkreis von 20m nasse Hosenbeine bekamen. Drei Kreuze, wenn hier endlich der Frühling Einzug hält!

In eigener Sache

Vor wenigen Tagen ist meine Dissertation erschienen…

Britta Kägler, Frauen am Münchener Hof (1651–1756), Verlag Michael Laßleben, Kallmünz 2011 (Münchener Historische Studien: Abteilung Bayerische Geschichte/Philosophische Fakultät, Bd. 18), 624 S.

ISBN 978 3 7847 3018 9

Cover

Die Farbwahl orientiert sich am Vorgängerband in der Schriftenreihe „Münchener Historische Studien“… Immerhin harmoniert der Gelbton aber gut mit dem gewählten Titelbild, das auf den ersten Blick drei Hofdamen bei einer gemeinsamen Handarbeit zeigt. Das Bild von Nikolaus Prugger gehört zum sogenannten Herzkabinett der Münchener Residenz und die drei Hofdamen sind sogar namentlich bekannt: Anastasia Catharina von Törring ist links mit einem Kakadu auf der Lehne ihres Stuhls zu sehen, in der Mitte ist es Anna Maria Agliè di San Germano aus Savoyen, die zur Turiner Entourage der bayerischen Kurfürstin gehörte. Vom Betrachter aus rechts befindet sich Catharina Barbara von Spaur.

Die drei sind bei genauerem Hinsehen als Parzen (lat. parcae) dargestellt. Als Schicksalsgöttinnen knüpfen sie den Lebensfaden der Menschen, spinnen ihn weiter und schneiden ihn schließlich ab…

Worum geht es in meiner Studie und weshalb lohnt sich die Lektüre? Das lässt sich vielleicht auf zweierlei Weisen erklären.

(1) wissenschaftlich…

Die Studie geht erstmals mit sozialgeschichtlichen Fragestellungen den Frauen am Münchener Hof nach. Besonderes Interesse gilt hierbei den Strukturen des höfischen Alltags. So werden Normen für die Hofämter und die Lebenswirklichkeit der Frauen gegenübergestellt und der Blick auf religiöse, soziale und kulturelle Handlungsspielräume sowie die Rolle der Frauen in Transferprozessen innerhalb Europas geweitet.

Es geht um die Entwicklung des „Frauenzimmers“ am Münchener Hof der Frühen Neuzeit. Dieser Quellenbegriff bezeichnet sowohl Frauen selbst als auch die Räumlichkeiten in der Residenz, in denen sich der Hofstaat einer Fürstin weitgehend aufhielt.

Frauen konnten am Fürstenhof unterschiedliche Aufgaben und Hofämter wahrnehmen, die mit verschiedenen Privilegien und Pflichten verbunden waren. Neben Fürstinnen und Prinzessinnen begegneten dort zahlreiche Bedienstete, von der Wäscherin bis zum Kammerfräulein, von der Küchengehilfin bis zur Obersthofmeisterin. Es geht um die Frage, ob die weit verbreitete Annahme zutrifft, dass Frauen am frühneuzeitlichen Hof keine nennenswerte Rolle spielten.

Begnügten sie sich in der Regel wirklich mit der Begleitung der Männer, die eindeutig als Protagonisten des Geschehens in Politik, Gesellschaft und Kultur gelten? Ich arbeite u.a. heraus, dass Frauen zumindest im Bereich religiöser und sozialer Fürsorge eine klar erkennbare Vorbildfunktion wahrnahmen.

Und es waren nicht nur die Kurfürstinnen, sondern auch ihre Töchter oder adelige Amtsträgerinnen, die hier in den Blick rücken. Der Hof in München zählte im 17. und 18. Jahrhundert nach dem Wiener Kaiserhof zu den größten im Alten Reich und strahlte überregional aus. Dennoch ist er bislang kaum systematisch erforscht worden.

(2) nicht ganz so wissenschaftlich…

Es geht in meinem Buch also wirklich vorrangig um Frauen. Aber eben nicht nur. Es geht um das Leben an einem Fürstenhof im 17. und 18. Jahrhundert. Der Hof in München hielt sich einige Zeit in der Residenz auf, die man noch heute (wenn auch nach Kriegsschäden neu errichtet) in der Innenstadt besichtigen kann. 

Das höfische Leben mit einem Großteil des Hofstaates spielte sich aber genauso in den Sommer- und Jagdschlössern, in Kirchen, Klöstern oder auf Reisen statt. Der Hof wird lebendig, wenn nachvollzogen wird, mit welchen Bediensteten sich Fürstinnen und Prinzessinnen umgaben. Der Hofstaat einer Kurfürstin bestand genausowenig nur aus Frauen wie der Hofstaat einer Prinzessin. Neben Obersthofmeisterinnen, den höchsten Amtsträgerinnen am Hof, gab es natürlich auch Hofmeister, Erzieher, Beichtväter und andere Stellen mit ehrenvolle Tätigkeiten. Dass Frauen in bezahlten Positionen über Jahre, gar Jahrzehnte an frühneuzeitlichen Höfen tätig sein konnten und diese Position auch nutzten, um Familienmitglieder für andere „Jobs“ ins Gespräch zu bringen oder selbst eine – modern gesprochen – Karriere voranzutreiben, wird oft genug vergessen.

Genau deshalb lohnt es sich jedoch, auch einmal eine wissenschaftliche Studie in die Hand zu nehmen. Ein bisschen schwerer als die alltägliche Frühstückslektüre ist mein Buch sicherlich… Aber es ist kein Ziegelstein, sondern ein Buch mit zahlreichen Kapiteln, die immer wieder die frühneuzeitlichen Frauen in ihren ganz unterschiedlichen Facetten beleuchten. Sei es, dass fremdsprachige Prinzessinnen aus Turin, im heutigen Norditalien, oder aus Warschau ohne wirklich berauschende Deutschkenntnisse (fast ist man versucht zu sagen: ohne Bayerischkenntnisse!) als Braut des Kurfürsten nach Bayern kamen, sei es dass der Orangenverbrauch im Kurfürstentum anstieg, als das mehrheitlich italienische Gefolge von Henriette Adelaide in München lebte. Lauter Puzzlestücke, die man nicht von vorn nach hinten lesen muss. Die Gliederung legt es auch nahe, dass man bei den Kapiteln beginnt, die am spannendsten klingen…

Viel Spaß beim Lesen!