Konklave: Schon wieder zu Ende!

Papst

Na, das ging ja schnell! Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es nur fünf Wahlgänge braucht. Insofern hatte ich heute Abend einen Termin. Gerade als ich in der Metro saß und unter Prati hindurchfuhr, kriegte ich allerdings die Nachricht „weißer rauch!“ per sms. Ich war also zur richtigen Zeit fast am richtigen Ort und bin einfach direkt an der nächsten Haltestelle ausgestiegen: Ottaviano! Musste dann allerdings noch ewig auf dem Petersplatz frieren, bevor sich etwas tat… Ich bin jetzt auch zu müde für einen richtigen Bericht. Wir haben also einen Franz! Franz I. Na, servus. Ich muss da jetzt erstmal drüber schlafen.

Francesco I.Andere hatten da wohl schon eher Wünsche (Ahnungen?) in die richtige Richtung. Zumindest hat dieser enthusiastische Fan  schon am Vortag stundenlang ein Bettlaken mit „Francesco il Papa!“ in die Gegend gehalten. Strategisch geschickt ist er munter immer um die Journalistennester gekreist. Hat sich direkt vor deren Kameras gestellt, mit dem Fähnchen gewackelt, sobald Carabinieri in seine Richtung kamen und zwischendurch ‚mal Gesänge angestimmt. Der Mann war der Zeit einfach einen Tag voraus! Am Abend der Wahl wurden gleich von vielen begeisterten Römern Gesänge mit „Fraaaaancesco, Fraaaancesco!“ laut und zwischendurch immer ‚mal wieder das klassische „Viva il Papa!“, das aber dazugehört und keine besonders große Begeisterung für den neuen Pontifex im Speziellen ausdrückt…

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Spoleto und Goethe

„Terni, den 27. Oktober, abends. … Spoleto hab‘ ich bestiegen und war auf der Wasserleitung, die zugleich Brücke von einem Berg zu einem andern ist. Die zehen Bogen, welche über das Tal reichen, stehen von Backsteinen ihre Jahrhunderte so ruhig da, und das Wasser quillt immer noch inSpoleto an allen Orten und Enden. Das ist nun das dritte Werk der Alten, das ich sehe, und immer derselbe große Sinn. Eine zweite Natur, die zu bürgerlichen Zwecken handelt, das ist ihre Baukunst, so steht das Amphitheater, der Tempel und der Aquadukt. Nun fühle ich erst, wie mir mit Recht alle Willkürlichkeiten verhaßt waren, wie z. B. der Winterkasten auf dem Weißenstein, ein Nichts um Nichts, ein ungeheurer Konfektaufsatz, und so mit tausend andern Dingen. Das steht nun alles totgeboren da, denn was nicht eine wahre innere Existenz hat, hat kein Leben und kann nicht groß sein und nicht groß werden.“ Goethe, Italienische Reise

Goethe, Spoleto, Ponte

Ungefähr dieser Teil des Eintrags vom Oktober 1786 muss auf dieser großen Tafel stehen, die an einem Ende der Ponte delle Torri in Spoleto steht. Vielleicht treffe ich ja nochmal jemanden von der Casa di Goethe bei einem der nächsten Vorträge in Rom. Denn ich glaube zwar nicht, dass die ihr Augenmerk auf die Goethe-Verbindungen in Umbrien legen, aber vor wenigen Jahren war das noch eine lesbare, gepflegte Tafel. Und die zwei Male, die ich bereits in Spoleto war, habe ich jeweils Leute vor der zweisprachigen Tafel stehen und lesen sehen, was Goethe zur beeindruckend langen Brücke in den Bergen zu schreiben hatte. Er hielt sie übrigens (wie viele Touristen von heute) für einen Aquädukt. Es ist aber eine mittelalterliche Brückenanlage, die wegen ihrer Länge (230m) und dem Aufgreifen der Aquäduktform (selten im 13./14. Jh.) berühmt geworden ist.

Die Tafel mit Goethes Zitat wird inzwischen vor allem benutzt, um Liebesschlösser anzubringen. Die steinerne Brücke selbst bietet hierzu keine Gelegenheit. Wie viele Schlüsselchen unterhalb der Brücke tief im Wald zu finden sind, kann ich nur ahnen. Überprüfen wollte ich es nicht, denn es hatte geschneit und die Wege waren schon auf Asphalt rutschig. Der Domvorplatz ganz besonders, weil er gepflastert ist. Aber mit dem wegtauenden Schnee hatte die Stadt einen ganz eigenen Charme.

Spoleto, Dom, Domfassade, Fresko

Hatte aber auch den Nebeneffekt, dass es schweinekalt war. Ich hatte extra Handschuhe und eine warme Wollmütze dabei, aber irgendwann nützte das dann auch nichts mehr. Drei Jahre Rom und ich verweichliche zusehends…

Die abschüssige Treppe bin ich nur schööön langsam hinunter- und hinaufgestiegen. Immerhin: ich bin nicht ausgerutscht. Hat man das falsche Objektiv dabei, muss man eben weit hinaufsteigen, um überhaupt einen größeren Teil der Domfassade aufs Foto zu kriegen. Der Bau ist 1175 begonnen worden, nachdem ein Vorgängerbau von Barbarossas Truppen zerstört worden war. Inzwischen ist der Dom innen weitgehend barockisiert, hat aber auch noch einige deutlich ältere Fresken. Mich hatte (da ich Spoleto ja bereits kannte) aber vor allem Foligno fasziniert, das zwar die Nebensaison tapfer nutzt, um wirklich jeden Fußweg und jeden größeren Platz mit neuem Straßenbelag oder Pflaster zu erneuern, aber die Kirchen waren allesamt sehr sehenswert. Mein Archivausflug nach Umbrien hat sich also auch angesichts der kleinen Stadtbummel bei Eiseskälte gelohnt!

Spoleto, Dom, Domplatz

Capodanno a Roma: Silvesterkulturen

Jetzt steht morgen schon wieder der nächste Feiertag an, dabei war doch gerade erst Neujahr!

Ich habe zu Weihnachten eine ganze Menge Karten bekommen, in denen ich gefragt wurde, ob ich denn nach „italienischer Tradition“ feiere… Nein! Es ist auch ein weit verbreiteter Irrtum, dass es in Italien die Geschenke nach wie vor am 6. Januar gibt. Das war ‚mal so, inzwischen hat sich aber Weihnachten als Geschenkefest durchgesetzt und die kleinen dicken Kinderchen bekommen dann von der Befana zum 6.1. gleich nochmal Geschenke! Weiterlesen „Capodanno a Roma: Silvesterkulturen“

Verkehrsprobleme in und um Prati

Es ist eigentlich ganz schön lange her, dass ich vor lauter Überforderung davor war, in Tränen auszubrechen. Das passiert. Keine Frage. Mir passiert es zum Beispiel, wenn man mich nach zu vielen Details fragt, wenn ich doch nur einen einfachen Salat bestellen wollte. „Dressing? To go, to stay? Mit Gabel, ohne, Pilze? Mais? Im Plastikpott oder doch mit gestärkter Serviette?“ – dann fange ich an zu weinen… Heute ist es mir aber in meinem ureigensten Hoheitsgebiet passiert: im Auto! Weiterlesen „Verkehrsprobleme in und um Prati“

Babbo Natale II

SockeEinen frohen Nikolaustag, Euch allen! 

Vor Jahren habe ich ‚mal gelesen, dass ein deutscher Spion in Irland [oder war es England?] enttarnt wurde, weil er mit den lokalen Nikolausbräuchen nicht vertraut war. Hier in Italien bekommt man aber auch Geschenke zum Nikolaus. Und zwar entweder in den geputzten Schuh oder in eine Socke… Soviel also zum gelungenen Kulturtransfer! Was – aus deutscher Perspektive – noch nicht so richtig gelungen ist, das wäre die Weihnachtsdekoration. Die Worte „gemütlich“ und „besinnlich“ Weiterlesen „Babbo Natale II“

Italienische Orte: der öffentliche Bus oder: ATAC Roma

In der Wochenzeitung DIE ZEIT gibt es auf der letzten Seite, die so rosa eingefärbt ist wie CORRIERE DELLO SPORT (scusatemi!) LA GAZETTA DELLO SPORT eine Rubrik, in der Leserinnen und Leser mit dem zu Wort kommen, was ihr Leben reicher macht.

La Gazzetta Sportiva

Vor ein oder zwei Wochen habe ich dort gelesen, dass es für jemanden, der in Cannes/Frankreich lebt, besonders schön sei, dass die Leute sich dort beim Busfahrer bedanken, wenn sie aussteigen. Der Leser wollte das so natürlich auch nicht einfach stehen lassen, sondern kommentierte süffisant, so etwas stelle möge man sich ‚mal in Deutschland vorstellen. Lassen wir die ewigen Vergleichereien einmal außen vor… Ja, auch ich bedanke mich bei meinen römischen Busfahrern zuweilen, wenn ich aussteige. Weiterlesen „Italienische Orte: der öffentliche Bus oder: ATAC Roma“