Und immer wieder Mimosen – Festa delle donne in Italien

Mimosen am Campo de' Fiori

Mimosen wohin das Auge schaut… Es regnet regnen, stürmen oder schon richtig warm sein, aber ganz egal wie das Wetter ausfällt: Am 8. März schenken römische Männer ihren Frauen (oder einfach Kolleginnen, Freundinnen, Nachbarinnen) gelb blühende Mimosensträußchen! Die Blumenstände am Campo de‘ Fiori sind übervoll mit den empfindlichen kleinen Blütenzweigen. Alles muss raus – aber auch alles erst am 8. März. Festa delle donne ist der Internationale Frauentag oder Weltfrauentag. In der DDR kam ihm als einer Art „sozialistischem Muttertag“ ganz besondere Bedeutung zu… Aber so überfrachtet der Tag in Deutschland oft daherkommt, wenn Debatten über die gleiche Bezahlung von Mann und Frau, Gewalt gegenüber Frauen und andere wichtige Themen angestoßen werden. So leicht und gelb und fröhlich wird der Frauentag in Italien begangen, obwohl auch hier historisch immer auf Meilensteine wie beispielsweise das Frauenwahlrecht hingewiesen wird. An der Piazzale Stadio Olimpico, 5 wird abends zur Female Night per festeggiare la festa delle donne geworben. Shopping für den Mädelsnachmittag dominiert den Corso, die Straße um die Spanische Treppe und die kleinen Geschäfte in Monti oder in Trastevere…

festa-della-donna-romaAber warum ausgerechnet Mimosen? – In der deutschen Sprache gilt jemand als „Mimose“, der ausgesprochen empfindlich ist. Mimose, Heulsuse, rohes Ei… Mimosen sind Pflanzen, deren Blätter bei Windstoß oder der geringsten Berührung empfindlich zusammenklappen. Selbst der Blattstiel kann sich empfindlich zur Seite bewegen, sie wenn Erschütterungen wahrnehmen. In Italien gelten die leuchtend gelben Blüten aber als Frühblüher, die den Frühling willkommen heißen! Was nördlich der Alpen also Schneeglöckchen, Krokusse oder die ebenfalls gelb leuchtenden Winterlinge sind, ist in Italien der Mimosenstrauch!

Die Tradition, Mimosen zu verschenken, ist allerdings noch vergleichsweise jung. Auf den Frühling im Jahr 1946 geht diese Tradition zurück. Im zerstörten Italien der Nachkriegszeit waren die leuchtenden Blüten ein unversehrter Lichtblick, der dazu führte, dass ein Jahr nach Kriegsende Männer ihren Frauen gelb leuchtende Sträußchen mit nach Hause brachten. Etwas anderes wäre nicht verfügbar gewesen oder hätte ein Vermögen gekostet. Die Tradition mit den Mimosen gibt es am Weltfrauentag übrigens nur in Italien! Und ich? – Ich habe bislang eigentlich immer ein Mimöschen bekommen. In meinem ersten Jahr in Italien von einem Carabinieri, anschließend schonmal von Kollegen oder – zur Not – einfach von Freundinnen! Buona festa delle donne!

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Giorno delle donne / Weltfrauentag

In Italien hat der Weltfrauentag seinen festen Platz im Frühjahrskalender. Schon morgens stehen an allen Ampeln Verkäufer, die anstatt der sonst üblichen Zeitungen, Taschentücher und sonstigem Alltagskrams Mimosensträußchen feilbieten. Das sind diese knallgelben Blüten, die in Büscheln an Sträuchern wachsen, die eher wie Bäume aussehen. Zur Zeit sind fast alle geerntet und warten straußweise darauf, Frauen zu beglücken…

Mimosen Campo de' Fiori In Italien werden den Frauen gelbe Mimosen überreicht. Die ersten Frühlingsboten! Von Corinna habe ich heute gelernt, dass die italienischen Mimosen gar nicht so empfindlich sind wie das deutsche Pendant. Denn in Deutschland kennt man eher die Mimosen, deren gegeneinander stehende Blattrispen sich bei jeder Berührung „mimosenhaft“ schließen… Erschütterungen, Temperaturwechsel, sogar veränderte Lichtverhältnisse können dazu führen, dass die Pflanze ihre fächerartigen Blätter schließt! Kein Wunder also, dass ich hier in Italien etwas enttäuscht war, als ich die Mimosen hier im Park der Doria Pamphilj zig Mal angefasst habe, ohne dass etwas nennenswertes passiert ist. Ganz umsonst versucht. Hier ist eine andere Mimosenart heimisch.

Weltfrauentag Italien Mimosen

Jedenfalls freue ich mich über die zahlreichen gelben Farbtupfer in der Stadt! Und wollte Euch den Fotobeleg nicht vorenthalten, dass wirklich jeder Frau mit einem solchen Sträußchen eine Freude gemacht wird! Da ist es dann auch egal, ob es regnet, stürmt oder schneit. Diese Dame hier links, die mehr oder weniger auf der Straße lebt, hielt ihr Sträußchen eisern fest. Ein Zigarillo noch dazu. Was wünscht man sich mehr an so einem verregneten Tag in Rom!? Es war wirklich kein schöner Tag. Regnete es ‚mal nicht von oben, kam garantiert irgendein Taxi, um durch eine Pfütze zu brettern, damit möglichst alle Passanten im Umkreis von 20m nasse Hosenbeine bekamen. Drei Kreuze, wenn hier endlich der Frühling Einzug hält!