10 Tipps für stressfreien Umgang mit Handwerkern

Es ist eigentlich das gleiche mit den idraulici in Italien wie mit vielen Handwerkern in Deutschland. Wenn man sie braucht, trinken sie Cocktails auf den Azoren oder sind bis Dezember 2016 ausgebucht und nur bereit, einen Notfall einzuschieben, wenn man draufzahlt.

In Rom habe ich inzwischen vielfältige Erfahrungen sammeln können. Tropfende Wohnzimmerdecke, herunterfallende Dachteile, zugige Fenster, zersprungene Balkontür, defekte Heizkörper… Weiterlesen „10 Tipps für stressfreien Umgang mit Handwerkern“

Advertisements

Vorsicht Steinschlag!

Dass mein italienischer Palazzo nicht ohne Macken auskommt, ist nicht weiter ungewöhnlich. Der Wasserschaden, die Sägespäne im Wohnzimmer und die über ein Jahr gesprungene Fensterscheibe sind nur ein Teil. Man wird gelassener. Und lernt das Zugreifen im rechten Moment. Konkret heißt das: ein idraulico ist im Foyer zu hören? Sofort hinunterflitzen und erwähnen, Weiterlesen „Vorsicht Steinschlag!“

Capodanno a Roma: Silvesterkulturen

Jetzt steht morgen schon wieder der nächste Feiertag an, dabei war doch gerade erst Neujahr!

Ich habe zu Weihnachten eine ganze Menge Karten bekommen, in denen ich gefragt wurde, ob ich denn nach „italienischer Tradition“ feiere… Nein! Es ist auch ein weit verbreiteter Irrtum, dass es in Italien die Geschenke nach wie vor am 6. Januar gibt. Das war ‚mal so, inzwischen hat sich aber Weihnachten als Geschenkefest durchgesetzt und die kleinen dicken Kinderchen bekommen dann von der Befana zum 6.1. gleich nochmal Geschenke! Weiterlesen „Capodanno a Roma: Silvesterkulturen“

Babbo Natale I

DSC_0072_2

Der Weihnachtsmann klettert auch in Rom an Fassaden herum und dudelt einem in fast jedem Kaufhaus ins Ohr. „Last Christmas“ gibts dagegen in den kleineren Läden. Und es sind soo viele Cover-Versionen darunter, dass man sich fragen muss, ob überhaupt noch etwas anderes als Weihnachtslieder übers Jahr gespielt und eingeübt werden. Aber Babbo Natale, der italienische Weihnachtsmann, hat wenigstens nicht mit Glatteis und Schnee zu kämpfen. Hier ist es zwar kalt, aber es regnet nur. Dafür habe ich gestern erfahren, mit welchen Risiken italienische Kinder vor Weihnachten zu kämpfen haben… Weiterlesen „Babbo Natale I“

Buon natale e buon anno 2011!

Buon natale e … buona fortuna!

[21.12.2010]

Normalerweise gibt es ja nichts schöneres als im Bett zu liegen und leisen oder lauteren Regentropfen zu lauschen. Als ich in der Grundschule war, gab es in meiner Fibel ein Gedicht, das nur von Regentropfen, die tropfen handelte… Und jetzt?! Regnet es in mein Wohnzimmer. Der Charme ist dadurch definitiv verringert! Man schläft übrigens auch gar nicht mehr gut, wenn wieder einmal römische sintflutartige Regenschauer niedergehen. Zur Beruhigung empfehlen sich regelmäßige nächtliche Kontrollgänge. Hat aber den Nachteil, dass man dann gar nicht mehr schläft…

Wasserschaden – braucht jeder!

Tatsächlich, seit mehr als drei Wochen regnet es also durch das Flachdach meines Palazzo. Erzählt man Italienern, dass mitten im Wohnzimmer eine feuchte Stelle von ca. 2qm zu bewundern ist, von der alle paar Augenblicke dicke Tropfen herabfallen, dann zucken viele nur mit den Schultern. Ja und?! Selbst Schimmel löst keine aufgeregtere Reaktion aus. Ja und? Gibts doch überall. Wer hat eigentlich keinen Wasserschaden? Dass es dann aber doch in den eigenen vier Wänden nicht ganz so locker genommen wird, zeigt in erstaunlicher Vielfalt das Expertenregal im stadtrömischen Baumarkt: Anti-Muffa in gelb, weiß, rot, grün, schwarz gegen Schimmel in gelb, weiß, rot, grün oder schwarz und mit oder ohne Pelz. Dann natürlich noch Anti-Muffa-Forte und und und… Lautmalerisch dürfte es leicht sein, Italienisch zu lernen. Alles in allem bestand mein diesjähriger Advent vor allem darin, meinen Vermieterinnen klar zu machen, dass dringend etwas unternommen werden müsse. Ein erster „idraulico“ sah sich mit besorgtem Gesicht den nass durchtränkten Beton des Daches an, um fachmännisch zu bemerken, dass es a) sehr ernst sei, man aber b) nichts unternehmen könne, bevor es nicht absolut trocken sei. Ein Mann, ein Wort – er ging. Diese Expertise war leider dann das Statement, auf das sich die Vermieter verließen. Sì, ma certo, è orribile, ma… [an dieser Stelle dann theatralisches Achselzucken & rhetorische Pause] … wir können ja nix machen, weil es erst trocknen muss! Der Einwand, das könne gegebenenfalls bis Mai oder Juni dauern, bis ‚mal eine dreiwöchige Regenpause eintrete, wurde allen Ernstes mit dem Hinweis „volontà di dio!“ zur Seite gewischt. Der Regen sei ja nunmal Gottes Wille, was könne man da tun?!

Landregen im Sommer kann soo schön sein. Starker Sintflutregen im November/Dezember ist es gar nicht mehr…

In Italien ist es übrigens durchaus üblich, sich bei solchen Querelen an den Makler zu wenden. Tatsächlich: egal wie lange der Abschluss des Mietvertrages zurück liegt, das Maklerbüro kümmert sich darum, dass größere Probleme in den Griff gekriegt werden. Zumindest mit einer provisorischen Lösung traue ich mich jetzt also für einige Tage nach Deutschland zu fahren, um dort Weihnachten zu feiern: vom Dach, das mehr schon einem Schwimmbad glich, wurde 1 1/2 Stunden lang Wasser abgepumpt und falls es doch noch hineinregnen sollte, wurden sicherheitshalber in meiner Wohnung SÄGESPÄNE verteilt… Auch das ist also Winter in Rom! Damit die Sägespäne nicht so orientierungslos herumliegen, habe ich sie jetzt mit kleinen Kamelen zu einer Wüstenlandschaft umdefiniert. Spaß muss sein.
Übrigens bin ich da nicht allein… Bei einem Kollegen platzte vorige Woche in Abwesenheit der Familie ein Wasserrohr in der Wand, woraufhin die Nachbarn über den Balkon kletterten und eine Glasscheibe einschlugen, um das Wasser zu stoppen. Nach wie vor haben sie ein Loch in der Scheibe und die Heizung ist solange abgestellt, bis das Rohr geflickt worden ist. Voraussichtlich wird das vor Weihnachten nicht mehr möglich sein. Andere Kollegen haben in der Küche einen so großen schimmelnden Wasserfleck an der Wand, dass ich ihnen vorgeschlagen habe, dem neuen Mitbewohner doch einen Namen zu geben. Wir haben uns auf Vincenzo geeinigt…

Weihnachtsdekoration 2.0

Trotzdem ist Rom an sich im Dezember ganz wunderbar. Man muss lediglich die Haupteinkaufsstraßen meiden. Dann ist es unvermutet ruhig, sobald für kurze Zeit die Sonne scheint, sogar mild und gleichzeitig gibt es ein fantastisch schönes Licht. Es blinkt und glitzert vielleicht ein bisschen viel, aber umso dankbarer ist das ungeübte Auge dann für weiße, nicht blinkende Lichterketten! Nur eines ist wichtig: bloß keine echte Tanne! Das wäre Qualitätsmangel… was soll man schließlich mit einem Adventskranz oder einem Weihnachtsbaum, den man im nächsten Jahr nicht einfach wieder aus der Abstellkammer holen und erneut verwenden kann? Unvorstellbar! Ob ich im nächsten Jahr wohl hier feiern werde? Morgen geht es nun aber erstmal zurück nach Deutschland. Und nur am Rande: der neue Portiere ist immer noch da! Er heißt Miguel, ist seit zehn Jahren in Rom und kommt eigentlich aus Südamerika. Allerdings spricht er in meinen Ohren so gut Italienisch, dass ich ihn für einen Italiener gehalten habe… Meine Vermieter und meine Nachbarn nennen ihn eh Michele. Integrationsmedium Vorname: Miguel – Michele – Michael! Das Wichtigste: er bleibt noch ein Weilchen! Dieser Umstand spricht dafür, doch noch nicht nach neuen Wohnungsanzeigen zu gucken. Vielleicht wird das Dach ja doch noch abgedichtet und Sägespäne kann man schließlich zusammenfegen und wegwerfen.

Buon natale e un buon anno 2011… zumindest in Rom kann es zur Zeit eigentlich nur besser werden!

Ciao a tutti!

[18.10.2010]

Es ist jetzt tatsächlich schon ein halbes Jahr vergangen, seitdem ich nach Rom gezogen bin. Die Zeit vergeht extrem schnell… Angekommen bin ich im März als es noch recht frisch und teilweise sehr verregnet war. Inzwischen nähere ich mich schon wieder mit großen Schritten den regnerischen Monaten… Aber dazwischen: Sommer! Richtiger Sommer… Allerdings bin ich dankbar, dass es im August wesentlich „kühler“ gewesen ist als normalerweise in der römischen Ferienzeit. Keine 40 Grad! Anfang 30 Grad und ein leichter Wind auf der Anhöhe, auf der ich meine Wohnung gefunden habe.

Erste Ausflüge nach Napoli…

Es war von Anfang an viel zu tun. Gleich Ende Mai habe ich gemeinsam mit einer französischen Kollegin einen internationalen Studientag ausgerichtet: http://www.efrome.it/fr/PDF/musici_28052010.pdf

Thema war die Situation fremder Musiker im Neapel des 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts. Diese eintägige „Giornata di Studi“ war zugleich wissenschaftliche Auftaktveranstaltung für das Forschungsprojekt, in dem ich in den kommenden drei Jahren mit italienischen, französischen und deutschen Kollegen zusammenarbeiten werde.

Ursprünglich sollte die Tagung im französischen Centre Jean Bérard stattfinden. Da es auf französischer Seite aber offensichtlich Koordinationsprobleme gegeben hatte, ließ sich über Kontakt mit dem Deutschen Generalkonsulat in Neapel schließlich ein Saal im dortigen Goethe-Institut organisieren. Man stelle sich einen großen eindrucksvollen Palazzo vor, in dessen erstem Stock das Goethe-Institut untergebracht war. Der Aufgang über eine geschwungene Freitreppe, mit abbröckelndem Marmor. Leicht im Verfall… Aber ein großartiges Haus. Und auch eine gute Tagung… http://dhi-roma.it/fileadmin/user_upload/pdf-dateien/Tagungsberichte/2010/TB_Musicisti_europei_2010_09.pdf.

Aber vor allem: Beginnendes Interesse an Neapel! Eine faszinierende Stadt. Im Juni bin ich noch einmal für einen Tagesausflug hingefahren und um eine Mitarbeiterin des Goethe-Instituts zu treffen, mit der ich mich sehr gut verstanden hatte. Gemeinsam haben wir dann lediglich das griechisch-römische Viertel erkundet, waren damit aber den gesamten Tag voll und ganz beschäftigt! Spätestens im Dezember versuche ich ein weiteres Mal nach Neapel fahren. Schließlich ist die Stadt bekannt für ihr Krippenhandwerk und so manch andere Figuren…

Alltag a Roma

In Rom selbst steht weniger Sightseeing im Vordergrund als die Bewältigung des Alltags. Je nach Verkehrslage kann es bis zu einer Stunde dauern, um etwa vom westlichen Stadtrand zur Biblioteca Nazionale zu gelangen. Etwas schneller ging es, als ich im Juli/August mit Beständen des Archivs des Collegium Germanicum gearbeitet habe. Wenn ich demnächst im Archiv der Kirche S. Maria dell’Anima und danach im Archivio Segreto Vaticano und der Bibliothek mit den Recherchen beginne, wird es leichter. Denn zum Vatikan brauche ich nur die Gregorio VII hinunterfahren. Das geht mit diversen Buslinien und ich bin in der Regel in 10-15 Minuten da.

Ansonsten muss ich gestehen: Nein, ich habe noch keinen Gemüsehändler meines Vertrauens, der mich jeden Samstag mit – dem richtigen – Namen begrüßt! Aber ich habe „il portiere“ … einen muffeligen Pförtner, der mich morgens, wenns hoch kommt, mit einem genuschelten „Ciao!“ begrüßt. Immerhin war vergangene Woche Gelegenheit für nachhaltige Verbrüderung. Zwei Monate nachdem ich in einem Antiquitätengeschäft einen Esstisch erstanden habe, wurde besagter Tisch auch endlich geliefert. Eingepackt wie für eine Reise nach Spitzbergen, zwischen zwei Paletten festgebunden und mit 452.728 laufenden Metern Plastikfolie verpackt. Die Paletten konnte ich nicht alleine aufräumen, dabei musste dann der blickkontaktscheue muffelige Portiere helfen. Hat er auch! Und anlässlich dieser Kooperation hat sich ein knapper 5 Sätze Smalltalk ergeben. Immerhin! Umso sympathischer hingegen meine Nachbarn: Ein Ehepaar um die 60, die einige Jahrzehnte in England gelebt haben, fließend Oxford-Englisch parlieren und sich trotzdem immer auch ‚mal freundlich die Mühe machen, mit mir Italienisch zu sprechen, damit ich ein bisschen Übung habe. Wenn ich jetzt eines Tages noch einen römischen Friseur finde, der auch Damenkurzhaarschnitte nicht verhunzt, kann ich sagen: angekommen!