Kein Schnee in Rom…

So schön herausgeputzt… Warme Strickmütze, Schnurrbärtchen gezwirbelt… Aber trotzdem kein Schnee in Sicht. Im Rinne Monti sind eine Menge solcher Street Art-Objekte zu finden, hier ein Beispiel für Urban Knitting/Guerilla Knitting! Buon nasale und einen gesegneten zweiten Weihnachtsfeiertag!

Monti_2014

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Frühling III oder: Nur für dich, Sonja!

Nachdem ich heute Morgen schon Fotos vom verschneiten Berlin gesehen habe, will ich doch entgegenhalten, dass es den Frühling gibt! Er braucht halt dieses Jahr nur etwas länger. In Rom hat es wieder für Tage geregnet. Heute hat sich aber bereits kurz nach dem Aufstehen am späteren Vormittag ein kleines „Hoch“ abgezeichnet. Ok, „Hoch“ ist zuviel gesagt. Aber es wurde heller, die graue Wolkendecke riss hier und dort sogar auf und es fiel ein leichter Schatten. D.h. es muss auch Sonne da gewesen sein. Milder als in Berlin und anderen Teilen des im Winter erstarrten Deutschlands ist es hier sowieso. Spitzenwerte erreichen 14°C. Was für mich normal ist und die Römer verzweifeln lässt, weil es so kalt und verregnet ist, scheint für meine deutschen Freunde fast schon Hoffnungsschimmer zu sein. Und deswegen habe ich mich heute auf die Suche nach den ersten Frühlingsboten gemacht. Vorweg: Liebe Sonja, es gibt sie!!!

Auf meinem Balkon hat es eigentlich allen Kälteeinbrüchen zum Trotz mein Alpenveilchen geschafft, den Winter zu überleben!

Alpenveilchen

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Spoleto und Goethe

„Terni, den 27. Oktober, abends. … Spoleto hab‘ ich bestiegen und war auf der Wasserleitung, die zugleich Brücke von einem Berg zu einem andern ist. Die zehen Bogen, welche über das Tal reichen, stehen von Backsteinen ihre Jahrhunderte so ruhig da, und das Wasser quillt immer noch inSpoleto an allen Orten und Enden. Das ist nun das dritte Werk der Alten, das ich sehe, und immer derselbe große Sinn. Eine zweite Natur, die zu bürgerlichen Zwecken handelt, das ist ihre Baukunst, so steht das Amphitheater, der Tempel und der Aquadukt. Nun fühle ich erst, wie mir mit Recht alle Willkürlichkeiten verhaßt waren, wie z. B. der Winterkasten auf dem Weißenstein, ein Nichts um Nichts, ein ungeheurer Konfektaufsatz, und so mit tausend andern Dingen. Das steht nun alles totgeboren da, denn was nicht eine wahre innere Existenz hat, hat kein Leben und kann nicht groß sein und nicht groß werden.“ Goethe, Italienische Reise

Goethe, Spoleto, Ponte

Ungefähr dieser Teil des Eintrags vom Oktober 1786 muss auf dieser großen Tafel stehen, die an einem Ende der Ponte delle Torri in Spoleto steht. Vielleicht treffe ich ja nochmal jemanden von der Casa di Goethe bei einem der nächsten Vorträge in Rom. Denn ich glaube zwar nicht, dass die ihr Augenmerk auf die Goethe-Verbindungen in Umbrien legen, aber vor wenigen Jahren war das noch eine lesbare, gepflegte Tafel. Und die zwei Male, die ich bereits in Spoleto war, habe ich jeweils Leute vor der zweisprachigen Tafel stehen und lesen sehen, was Goethe zur beeindruckend langen Brücke in den Bergen zu schreiben hatte. Er hielt sie übrigens (wie viele Touristen von heute) für einen Aquädukt. Es ist aber eine mittelalterliche Brückenanlage, die wegen ihrer Länge (230m) und dem Aufgreifen der Aquäduktform (selten im 13./14. Jh.) berühmt geworden ist.

Die Tafel mit Goethes Zitat wird inzwischen vor allem benutzt, um Liebesschlösser anzubringen. Die steinerne Brücke selbst bietet hierzu keine Gelegenheit. Wie viele Schlüsselchen unterhalb der Brücke tief im Wald zu finden sind, kann ich nur ahnen. Überprüfen wollte ich es nicht, denn es hatte geschneit und die Wege waren schon auf Asphalt rutschig. Der Domvorplatz ganz besonders, weil er gepflastert ist. Aber mit dem wegtauenden Schnee hatte die Stadt einen ganz eigenen Charme.

Spoleto, Dom, Domfassade, Fresko

Hatte aber auch den Nebeneffekt, dass es schweinekalt war. Ich hatte extra Handschuhe und eine warme Wollmütze dabei, aber irgendwann nützte das dann auch nichts mehr. Drei Jahre Rom und ich verweichliche zusehends…

Die abschüssige Treppe bin ich nur schööön langsam hinunter- und hinaufgestiegen. Immerhin: ich bin nicht ausgerutscht. Hat man das falsche Objektiv dabei, muss man eben weit hinaufsteigen, um überhaupt einen größeren Teil der Domfassade aufs Foto zu kriegen. Der Bau ist 1175 begonnen worden, nachdem ein Vorgängerbau von Barbarossas Truppen zerstört worden war. Inzwischen ist der Dom innen weitgehend barockisiert, hat aber auch noch einige deutlich ältere Fresken. Mich hatte (da ich Spoleto ja bereits kannte) aber vor allem Foligno fasziniert, das zwar die Nebensaison tapfer nutzt, um wirklich jeden Fußweg und jeden größeren Platz mit neuem Straßenbelag oder Pflaster zu erneuern, aber die Kirchen waren allesamt sehr sehenswert. Mein Archivausflug nach Umbrien hat sich also auch angesichts der kleinen Stadtbummel bei Eiseskälte gelohnt!

Spoleto, Dom, Domplatz

Impression des Tages

Nein, es liegt kein Schnee! Das hier ist ein römischer Zebrastreifen… Man sieht vielleicht nicht viel, aber der Zustand erklärt dem Rombesucher schnell, dass es angeraten ist, sich nicht auf Zebrastreifen zu verlassen, sondern a) immer achtsam über die Straßen zu gehen und b) überall über die Straßen zu gehen, wo es sich gerade anbietet. Stets besonders sorgfältig nach Motorrollern Ausschau halten, denn die motorini schlängeln sich durch die engsten Gassen und überholen die Autos in wahnwitzigem Tempo sowohl links, als auch rechts.

 

Kleine Kulinarische Kunde I

Vor kurzem war ich in München. Am ersten Abend bin ich direkt vom Flughafen mit meinem kleinen Koffer ins Literaturhaus gefahren. Bürgerliche Küche. Leider nicht ganz so hausbacken bayerisch wie ich sie gern hätte. Aber doch sehr lecker – nachgerade: exquisit. Ein Eindruck der Speisenkarte:

…Münchner Preise leider auch!

Am nächsten Tag war ausgemacht, mich mit einem guten Freund um 10 Uhr zum Weißwurschtfrühstück zu treffen. 10 Uhr, weil er vorher gern noch Akten im Archiv bestellen wollte. 10 Uhr aber auch, weil die Gaststätte Sedlmayr erst um 10 Uhr öffnet. Denkt man sich so. Wenn 10 Uhr an der Eingangstür steht. Um 9:56 Uhr waren aber schon diverse Tische besetzt… An einem x-beliebigen Werktag! Dienstags! Anscheinend haben Stammtische unabhängig von Öffnungszeiten Voreintrittsrechte wie es andernorts Vorkaufsrechte gibt. Jedenfalls war ich um 9:56Uhr die erste unterm Pensionsalter. Alex hat das dann zum Glück noch ein bisschen verjüngert. Besonders beeindruckend waren nicht nur die wirklich wirklich guten Weißwürstl, sondern auch die rundherum freundlich-ungehetzt-angenehme Atmosphäre – und die beiden Damen links in meinem Blickfeld. Damen mit Hut…

Die Hüte blieben auf, die Ente draußen und als Alex völlig entgeistert den Blick nicht mehr abwandte, bis ich auch endlich guckte, stellten wir gemeinsam fest: morgens um 10:30Uhr ’nen Grappa. Aber den mit Stil und Charme!

Der Viktualienmarkt ist nur 200m weiter und auch dort eine kulinarische Raffinesse nach der anderen. Bisschen kalt wars halt. Aber insgesamt ein leckerer und eindrücklicher Kurzbesuch. Händelmaiers süßen Hausmachersenf habe ich mir nach Rom mitgebracht und ein Wochenende später hat mir eine gute Freundin auch noch die dazu gehörenden Würstchen kredenzt, so dass es in memoria ein veritables bayerisches Frühstück a Roma geben konnte! Wer mir das vor 10 Jahren noch erzählt hätte, den hätte ich wirklich entgeistert angeschaut. Denn diese komischen weichen Würschtl habe ich immer etwas argwöhnisch beäugt. Aber… wenn man dann erstmal gelernt hat, dass die eigentlich nur im Wald oder hinter den sieben Bergen gezuzelt werden, dann ist das alles ganz ok – und sie schmecken wirklich großartig!

Kommen wir mit einem wehmütigen Blick also nun zur zweiten kleinen kulinarischen Kunde…

Schuhe in Rom

Es ist nicht wirklich so, dass die Römer unvorbereitet wären. Im Februar und März kann es wochenlang sintflutartig regnen. Mein Flachdachwasserschaden ist im Grunde nicht außergewöhnlich. Das gehört hier einfach dazu!

Und was für die Wohnung gilt, ist auch im eigentlichen Wohnzimmer der Stadt nicht anders: auf der Straße! Pfützen, die zu überspringen kein Leichtathlet in der Lage wäre. Und was ist Schnee anderes als Wasser? Aggregatzustände werden überbewertet… Zumindest dann, wenn der Schnee sich in kürzester Zeit in grauschlammigen Matsch und dann in dreckiges Wasser verwandelt. Ganz besonders kalt bleibt es trotzdem und so ist zumindest in der Schuhmode eine gewisse Auswahl vorhanden. Sei es, dass der wasserabweisende, sei es dass der wärmende Charakter im Vordergrund stehen soll. Und so war es heute ein Vergnügen einen Blick auf die Schuhe der Römer zu werfen, während ich mich nur ganz am Anfang ein bisschen für meine geblümten uralten „Kinder“-Gummistiefel geschämt hatte…

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Schnee in Rom!

Nevica a Roma! Es schneit in Rom! Die Stadt sieht wie gezuckert aus…

So ungewöhnlich ist es nicht, dass im Winter auch in Rom ein paar Flocken fallen. Die meisten Römer haben die Ski im Schrank oder den Schlitten im Keller. Denn mit dem Auto ist man schnell in den Bergen und auf den Pisten. Ungewöhnlich ist es jedoch, wenn die Schneeflocken wirklich liegen bleiben und es richtig zu schneien beginnt!

Die Nachrichten sprechen davon, dass in Rom seit 40 Jahren nicht mehr so viel Schnee lag. Das Verkehrschaos könnte diese Aussage untermauern. Gestern Abend hörte man die Sirenen von Rettungswagen und Carabinieri fast ununterbrochen. Zahlreiche Unfälle auf den matschigen, aber noch nicht einmal sonderlich glatten Straßen. In der Nacht nahm der Schneefall dann zu und Pinienzweige brachen unter der „Last“ von knapp 10cm Neuschnee. Entlang der Via Gregorio VII  wurde noch in den frühen Morgenstunden die Bus- und Taxispur gesperrt. Dass es ab der Mittagszeit jetzt wieder langsam zu tauen begann, macht das heillose Durcheinander nicht besser…

Am Vormittag fuhren kaum Busse, nur wenige Autos trauten sich auf die Straße und über allem lag eine ganz wunderbar eigentümliche Stille, die ich von Rom sonst nicht kenne. Jedenfalls habe ich wunderbar geschlafen, so ruhig war es! Irgendeine verdächtige Helligkeit konnte schon deswegen nicht in mein Schlafzimmer vordringen, weil ich abends die Jalousien blickdicht geschlossen hatte. Wenn der Wind eisig weht, dann kommt das in meiner römischen Wohnung nämlich durch alle Ritzen. Insofern waren es dann wirklich erst jubelnde Nachbarskinder, die mich morgens mit dem Schnee konfrontierten.

Da ich im Westen der Stadt wohne, zogen die Kinder mit Schlitten und in Schneeanzügen los, um zunächst den Petersplatz unsicher zu machen. Das eigentliche Ziel der meisten war jedoch der Circo Massimo. Im ovalen Zirkus, dessen Form die meisten vom legendären Wagenrennen im Film „Ben Hur“ (1959) kennen, locken die ehemaligen Zuschauertribünen als perfekte Rodelhügel!

Wegen des heftigen Schneesturms waren am Freitag bereits die Schulen geschlossen. Der Bürgermeister hatte für sämtliche Schulen schneefrei angeordnet. Obwohl die Schulbusse der Deutschen Schule da bereits unterwegs waren, kamen nur drei (also drei!) Schüler in der Schule an. Alle anderen waren vorsichtshalber gleich ‚mal zu Hause geblieben… Die Kinder haben jetzt also ein verlängertes Winterwochenende, bevor in zwei Wochen dann sowieso die „Weiße Woche“ – die Winterferien nach den Halbjahreszeugnissen – ansteht. Und wer weiß wie viele Male noch „schneefrei“ auf dem Stundenplan steht, wenn das Wetter so bleibt. Heute Abend ist alles wieder übergefroren, was nachmittags vor sich hingetaut hatte. Ein älterer Herr schlug direkt vor mir auf dem Boden auf, als ich nach Hause kam. Es ist spiegelglatt und inzwischen besteht in weiten Teilen der Stadt schon Schneekettenpflicht!